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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nähmaschine
entfallen auf die Singer Manufacturing Company
etwa 600000, auf die Wheeler & Wilfon Company
150000 Stück. Die New-Home Company stellt etwa
die gleiche Anzahl her. Es folgen dann die White
und die Domestic Company mit je 100000 Stück
und eine Reihe kleinerer Fabriken, darunter die
Standard, Eldredge, Willcox & Gibbs Company.
Alle genannten Gesellschaften erzeugen Doppelstepp-
stichmaschinen, mit Ausnahme der Willcox & Gibbs
Company, die ihr eigenes System (Einfadenketten-
stichmaschine) herstellt und im Jahre etwa 30000
Stück absetzt. Auch in Europa werden etwaig Mi ll.
Stück hergestellt, wovon die Hälfte auf England und
die Hälfte auf Deutschland und Österreich entfällt.
Die Nähmaschinenfabrikation Frankreichs kommt
kaum in Betracht. Von der engl. Produktion ent-
fällt weitaus die größte Hälfte wieder auf die Singer
Manufacturing Company, dieinKilbowie in Schott-
land seit etwa 10 Jahren großartige Fabriken be-
sitzt. Sodann sind die Fabriken der Firmen Brad-
bury H Company in Oldham und Iones & Com-
pany in Guide Bridge erwähnenswert. In Deutsch-
land fand die Nähmaschinenfabrikation zuerst in den
fünfziger Jahren Eingang. Die Fabriken von Cle-
mens Müller in Dresden, C. Beermann und Frister
& Roßmann in Berlin nahmen die Fabrikation zu-
erst in größerm Maßstabe auf. Etwas später be-
gründeten die Firmen Haid & Neu in Karlsruhe
und Ios. Wertheim in Frankfurt a. M. diese In-
dustrie in Süddeutschland. Gegenwärtig Zählen zu
den größten deutschen Fabriken: Clemens Müller
und die Aktiengesellschaft vorm. Seidel & Naumann
in Dresden, Dürrkopp & Comp. in Bielefeld, Gebr.
Kaiser und G. M. Pfasf in Kaiserslautern. Frister
H Roßmann in Berlin haben sich in neuerer Zeit
andern Gegenständen zugewendet. Diese sämtlichen
Fabriken stellen N. nach dem Singersystem her, wäh-
rend Bär H Nempel in Bielefeld das neue Greifer-
system "Phönix" erzeugen. In den deutschen Fa-
briken werden ungefähr 14000 Arbeiter beschäftigt.
Der Wert der gesamten deutschen Produktion dürfte
35 Mill. M. betragen. Ausgeführt wurden 1893 an
N. und deren Teilen aus Deutschland 7624 t Wert
6,4 Mill. M.), aus England für 16,3 Mill. M., aus
Österreich 1870 Doppelcentner.
Die wichtigsten der mit N. hergestellten Stich-
arten sind der Ein- und Zweifadenktttenstich, sowie
der Doppelsteppstich (s. Nähen). Die Stichbildunq,
d. i. das Einschlingen des Nähfadens in den Stoff,
erfolgt durch das Zusammenwirken einer Nadel, die
an der Spitze das Öhr trägt, und eines Schlingen-
fängcrs, einer Einrichtung zum Leiten, Spannen und
Anziehen des Fadens und einer Transporteinrich-
tung für den durch eine geglättete Metallplatte, die
Stichplatte, unterstützten Stoff. Diese letztere
ist zwischen die normal zu ihr stehende Nadel und
den Schlingenfänger de>-^ pingeschaltet, daß die
Nadel sich oberhalb des SttsfcZ befindet, also wäh-
rend der Arbeit dem Auge sichtbar bleibt. Bei
manchen Systemen, z. B. dem von Singer, Willcox
ck Gibbs, ist die gerade Nadel am untern Ende der
Nadelstange eingeklemmt, die in einer Prismenfüh-
rung des Maschinengestells gelagert ist und wäh-
rend des Nähens senkrecht auf und ab bewegt wird.
Andere Maschinensysteme, z. V. die von Wheeler
H Wilson, Grover & Baker, verwenden schwach ge-
krümmte Nadeln am Ende eines von der Triebwelle
der Maschine bewegten Hebels, der um eine durch
den Mittelpunkt des Krümmungskreises der Nadel
gehende Honzontale Achse schwingt. Der Nähfaden
wird einer am Gestell aufgesteckten Spule entnom-
men. Bei dem Niedergang durchsticht die Nadel
den Stoff und tritt durch das in der Stichplatte be-
findliche Stichloch so tief herab, daß der von ihr
mittels des Nadelöhrs geführte und durch den Stoff
nachgezogene Faden in den Bewegungsbereich des
Schlingenfängers gelangt. Diesen bildet bei der
Kettenstichmaschine von Willcox & Gibbs ein rotie-
render Haken k (s. Tafel: Nähmaschinen II, Fig.
1-3), derselbe tritt (Fig. 1) mit seiner Spitze zwi-
schen Faden und Nadelschaft ein, erfaßt den erstern
und hält ihn während des Nadelhubs als Schleife
unter der Stichplatte zurück. In dem Zeitraum
vom Austritt der Nadelspitze aus dem Stoff bis
zur erneuten Senkung der Nadel findet (Fig. 2) die
Verschiebung des Stoffes um die Länge eines
Stiches statt, so daß ein neuer Stoffpunkt in die
Bahn der Nadelspitze tritt. Durch die inzwischen
vollzogene Drehung des Hakens ist aber die auf
diefem hängende Fadenschleife in der Breitenrich-
tung auseinander gezogen worden, so daß die herab-
sinkende Nadel (Fig. 3) hineintritt und sie bei dem
folgenden Abgleiten vom Haken k vor dem Auf-
ziehen schützt. Durch Wiederholung desselben Werk-
zeugspiels wird eine neue Schleife gebildet und dann
beim Austritt der Nadel aus dem Stoff die alte
Schleife durch den Fadenanzug geschlossen.
Die Herstellung der Doppelfadennähte erfordert
einen zweiten Faden, der von einer unterhalb der
Stichplatte befindlichen Spule abläuft und durch
den Schlingenfänger bei der Stichbildung so mit dem
Oberfaden verschlungen wird, daß er das Zurück-
ziehen dieses aus dem Stoff verhindert. Hierbei
wird entweder, wie bei der Doppelkettenstichma-
schine von Grover & Baker nur ein Teil des Unter-
fadens durch die von dem Oberfaden gebildete
Schleife geführt, oder es wird die Fadenspule selbst
durch diese Schleife geschoben, wie dies bei den
Greifer- und Schiffchenmaschinen der Fall ist. Gro-
ver H Baker verwenden zum Fangen des Ober-
fadens und Einschlinaen des Unterfadens eine spiral-
förmig gekrümmte, schwingende Öhrnadel 5l (s. Tafel:
Nähmaschinen II, Fig. 4-6), die unterhalb der
Stichplatte so gelagert ist, daß ihre Schwingungs-
ebene horizontal liegt. Die den Oberfaden durch
den Stoff führende Nadel streift bei ihrem Abwärts-
gang die Kreisbahn, welche die Spitze der Unter-
nadel durchläuft, so daß diese Spitze zwischen Nadel
und Oberfaden eindringen und den letztern während
des Nadelhubs zurückhalten kann (Fig. 4). Nach
dem Austritt der Nadel aus dem Stoff erfolgt die
Fortrückung des letztern (Fig. 5) und die Vorwärts-
drehung der Unternadel so weit, daß der von ihr ge-
führte Unterfaden in die Oberfadenschleife eintritt
und am Ende der Nadelschwingung zwischen Spitze
und Stich ausgespannt ist (Fig. 5). Die Nadel
schwingt jetzt in ihre Ausgangsstellung zurück und
die durch die Stichplatte herabsinkende Obernadel
tritt in die Unterfadenschleife ein (Fig. 6), während
die Unternadel aus der von ihr bisher gehaltenen
Oberfadenschleife schlüpft, so daß diese durch einen
Fadensprung angezogen werden kann. Im nächsten
Augenblick vollendet die Unternadel ihre Rechts-
schwingung und tritt nun bei erneutem Vorgang
wieder zwischen Oberfaden und Nadel ein (Fig. 4).
Die Greifer Maschinen enthalten den Unter-
faden auf einer ruhenden Spule, deren Achse pa-
rallel zur Achse des Nadelöhrs liegt und von dem