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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nähmaschine
rotierenden Greifer mnkreist wird. Bei der ältesten
Greifermaschinenkonstruktion, derjenigen von Whee-
ler & Wilson, wird, wie Taf. II, Fig. 7-9 zeigen, die
Spule 8 durch zwei kreisförmige gewölbte Metall-
scheiben gebildet, die in der Mitte durch einen kurzen
Zapfen verbunden sind und deren Ränder so nahe
aneinander treten, daß nur ein Spalt für den Durch'
tritt des Fadens verbleibt. Die Stichbildung der
Maschine von Wheeler & Wilson geht folgender-
maßen vor sich: In Fig. 7 hat die Nadel eben den
Aufstieg begonnen und die Greiferspitze i ist zwischen
Nadel und Oberfaden eingetreten. Sie hält während
des Nadelhubs die Schleife dieses Fadens zurück
und zieht dieselbe, von links nach rechts umlaufend,
mit Hilfe des Anschlags a in die Länge. Ein flacher,
in einer Schraubenlinie verlaufender Einschnitt 6
am Greifermantel bewirkt während der Stoffrückung
(Fig. 8) das Abgleiten des einen Schleifenzweigs
derart, daß dieser auf die Vorderseite des Greifers
gelangt und demzufolge dieUnterspule innerhalb der
Oberfadenschleife zu liegen kommt. Während nun
bei der Weiterdrehung des Greifers diese Schleife
unter der Wirkung des Fadenanzugs vollends über
die Unterspule 8 hinwegschlüpst und damit den von
dieser ausgehenden Unterfaden fängt, verzögert die
kleine Bürste d das Abgleiten der Schleife vom
Greifer, bis die Obernadel wieder in den Bereich
der Greiferspitze gelangt (Fig. 9) und von dieser
eine neue Oberfadenschleife gefangen wird.
In der von Walter Hunt erfundenen, von Was
Howe, Singern, a. verbesserten Schiffchennäh-
maschine ruht die den Unterfaden tragende Spule
drehbar in einem Gehäuse, dem Schiffchen. Der
von der Spule ablaufende Faden ist durch mehr
oder weniger Einschnitte der Schiffchenwand gezo-
gen oder zwischen dieser und einer an ihr befestigten
einstellbaren Feder hindurchgeführt, um ihm bei
dem Abzug die erforderliche Spannung zu erteilen.
Dieses Schiffchen führt der von dem Getriebe der
Maschine bewegte Schiffchen korb an der geraden
oder bogenförmigen Schiffchenbahn hin und zu-
rück, die so gestellt ist, day die Bewegungsrichtung
des Schiffchens bei dem Vorübergang des letztern
an der Nadel normal zu derjenigen Ebene liegt,
welche die Achsen des Nadelschaftes und des Nadel-
öhrs bestimmen. Die durch die Stichplatte herab-
kommende Nadel tritt in eine Nut der Schiffchen-
bahn ein, so daß nur der herabgezogene Oberfaden
über diese Bahn vorsteht und das Schiffchen beim
Vorwärtslauf zwischen Nadel und Faden eintritt.
Auf Taf. II, Fig. 10-12, ist das Zusammenspiel
der Nähwerkzeuge mit dem Faden und Stoff darge-
stellt. Fig. 10 Eintritt der Spitze i des Schiffchens 8
zwischen Nadel und Faden. Erstere steigt, letzterer
wird zurückgehalten. Das vorwärts gleitende
Schiffchen durchdringt die gebildete Schleife und
zieht damit den Unterfaden durch dieselbe (Fig. 11).
Gleichzeitig findet die Stoffschiebung statt. Der
Rücklauf des Schiffchens ist beendet, wenn die Na-
del von neuem Faden unter die Stichplatte bringt
(Fig. 12). Der nun beginnende Vorschub des Schiff-
chens leitet ein neues Spiel der Werkzeuge ein.
Später hat man durch Einführung des rotieren-
den Schiffchens (Kappmeyer, Junker & Ruh,
Nörholm) die Gleichförmigkeit der Maschinenbewe-
gung Zu erhöhen gesucht, doch ohne das schwingende
Schiffchen zu verdrängen.
Durch die Transporteinrichtung wird die Fort-
rückung des zu nähenden Stosses auf der Stich-
platte bewirkt, welche die Stichlänge und Richtung
der Naht bestimmt. Dieselbe erfolgt bei allen N.
selbstthätig durch das Zusammenspiel des Stoff-
rückers (Stoffschiebers oder Transpor-
teurs) und des Stoffdrückers. Ersterer ist unter-
halb der Stichplatte gelagert und ragt nur mit
einem verzahnten Flächenteil durch einen neben dem
Stichloch befindlichen Schlitz um einen geringen
Betrag über die Oberfläche derselben hervor. Ihm
steht oberhalb der Stichplatte der Stoffdrücker
gegenüber, dessen unteres Ende den meist gabel-
förmigen mit glatter Druckstäche versehenen Drücker-
oder Presserfuß trägt. Eine auf die Drückerstange
wirkende Feder preßt den Fuß mit geringem Druck
gegen den Stoffschieber. Für das Einlegen neuen
Stoffes oder für die Untersuchung der in der Her-
stellung befindlichen Naht kann der Stoffdrücker
dauernd emporgehoben werden. Presserfuß und
Stossschieber bilden zwei Zangenbacken, die den
durch die Stichplatte unterstützten Stoff zwischen
sich fassen. Hierbei treten die Zähne des Schiebers
in den Stoff ein und zwingen diesen, der Schieber-
bewegung zu folgen. Bei den N. für die Bearbei-
tung schwerer Stosse, z. B. Leder, bildet den Stoss-
schieber zuweilen ein am Umfang verzahntes Schalt-
rad. Für leichtere Arbeiten besteht der den Stoff
berührende Teil des Schiebers meist aus einem
verzahnten Stahlplättchen, das während eines Na-
delspiels eine Viereckbewegung ausführt. Die
Schublänge ist in jedem Fall der beabsichtigten
Stichlänge entsprechend verstellbar (Stichstellung).
Bei beschränktem Raum unterhalb der Stichplatte,
wie z. V. bei den in der Schuhfabrikation benutzten
Elastikmaschinen, vertritt der Stoffdrücker zu-
gleich die Stelle des Transporteurs. Die Druck-
fläche desselben ist dann verzahnt, um den Stoff,
der auf der glatten Stichplatte ruht, sicher fassen
zu können. Neben der für die Etoffschiebung er-
forderlichen Viereckbewegung kann dem Presserfuß
noch eine Drehung um die Nadelstange erteilt wer-
den, um die Lage der Schwingungsebene desselben
so zu ändern, daß sie mit der beabsichtigten Etich-
richtung zusammenfällt und dem Arbeitsstück daher
nur geradlinige Verschiebung, keine Drehung er-
teilt zu werden braucht. (S. Stickmaschine.)
Die Sicherheit der Stichbildung wird außer von
dem genauen Zusammenspiel von Nadel, Echlingen-
sänger und Stoffschieber durch geeignete Anspan-
nung und Leitung der Nähfäden bedingt. Das
richtige Maß der Fadenspannung während der
Stichbildung und des Fadenanzuges am Ende der-
selben ist für die Festigkeit der Naht und die Ver-
hinderung des Fadenbruchs während der Arbeit
bestimmend. Die Anspannung der Fäden vermit-
teln kleine, stellbare Reibungsbremsen. Den Faden-
anzug bewirkt der Fadensprung, ein Teil der
Fadenleitung, dem eine, dem Bewegungsgesetz der
Nähwerkzeuge entsprechende sprungweise Bewegung
erteilt wird, so daß er kurz vor Beendigung eines
Stiches den für diesen überschüssigen Fadenteil auf-
nimmt und ihn als Reserve für die nächste Stich-
bildung zurückhält. Durch veränderte Ausbildung
des gesamten Getriebes ist in neuerer Zeit bei den
N. ein tadellos ruhiger Gang erzielt worden, der
durch die Nachstellbarkeit aller in Betracht kommen-
den Teile dauernd gesichert bleibt.
Der Betrieb der in ihrer Wirlung näher be-
sprochenen Werkzeuge der N. geht von einer An-
triebwelle aus, die entweder oberhalb oder unter-