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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Napoleon I.
strichen und lebte nun zurückgezogen und in un-
günstigen Verhältnissen in Paris, wo die konser-
vativen Sektionen den Konvent bedrohten. Dieser
ernannte N. zum Gehilfen Barras' und übertrug
ihm die Leitung der Verteidigung. N. schlug am
13. Vende'miaire (5. Okt. 1795) den Ausstand mit
schonungsloser Energie nieder und wurde 16. Okt.
zum Divisionsgeneral und 26. Okt. zum Ober-
befehlshaber der Armee des Innern ernannt. Am
9. März 1796 vermählte er sich mit Iofephine (s. d.),
der Witwe des Generals Beauharnais, die ihm
zwei Stiefkinder, Eugen (s. Leuchtenberg) und Hor-
tense (s. d.), zubrachte; die Ehe blieb kinderlos.
Bereits 2. März 1796 hatte N. durch den Ein-
fluß der Direktoren Carnot und Barras den Ober-
befehl über die Armee von Italien erhalten, und
12. März ging er von Paris dahin ab. Er fand das
Heer in dem traurigsten Zustande, trotzdem drängte
er durch einige glückliche Gefechte bei Montenotte,
Millesimo u.s. w. (11. bis 15. April) die Österreicher
bis an den Po zurück. Die Sardinier wurden bei
Ceva und Mondovl (20. und 21. April) geschlagen
und 14. Mai zog N. siegreich in Mailand ein. Binnen
wenigen Wochen war die ganze Lombardei bis zur
Etsch erobert, und die Österreicher sahen sich in Man-
tua eingeschlossen. (S. Französische Revolutions-
kriege, Bd. 7, S. 190d fg.) N. schaltete nach diesen
Erfolgen als unumschränkter Gebieter und küm-
merte sich wenig um die Weisungen der Regierung
in Paris. Auf eigene Hand schloß er Verträge, er-
hob Kontributionen und organisierte die Verwal-
tung, wie es ihm gutdünkte. Alle Versuche der Öster-
reicher, Mantua zu entsetzen, mißlangen, so daß die
Stadt 2. Febr. 1797 kapitulieren mußte. Damit
war die Eroberung der Lombardei vollendet, und
die zweideutige Haltung des Papstes gab Vorwand
zum Einmarsch in den Kirchenstaat und zu dem Ver-
trag von Tolentino (19. Febr. 1797). N. ergriff so-
dann die Offensive gegen Österreich, das ihm den
Erzherzog Karl entgegenstellte. Aber dieser konnte
nicht hindern, daß N. in Istrien, Kärnten, Steier-
mark vordrang und 5. April Iudenburg besetzte,
worauf das Wiener Kabinett die Friedensprälimi-
narien zu Leoben 18. April abschloß, denen 17. Okt.
der Friede von Campo-Formio (s. d.) folgte.
Am 5. Dez. 1797 traf N. wieder in Paris ein.
Hier hatte inzwischen am 18. Fructidor (4. Sept.
1797) der Staatsstreich der radikalen Direktoren
gegen die konservative Mehrheit der Kammer statt-
gefunden, wobei N. im Sinne der Radikalen durch
Enthüllungen über Pichegru mitgewirkt hatte. Jetzt
sah das Direktorium mit Eifersucht auf den popu-
lären und eigenwilligen General und bot alles auf,
um ihn wieder von Paris zu entfernen. Er erhielt
den Oberbefehl über die sog. Armee von England,
die an den Ufern des Kanals zusammengezogen
wurde und die brit. Inseln mit einer Landung be-
drohte. N. erkannte bald die Unausführbarkeit des
Unternehmens und entwarf den abenteuerlichen
Plan zu einer Expedition nach dem Orient, worauf
die Direktorialregierung bereitwillig einging. Am
1. Juli 1798 landete N. bei Alexandria in Ägyp-
ten, wo er wichtige Erfolge errang. (S. Ägyptische
Expedition der Franzosen.) Unterdessen hatte in Eu-
ropa der Krieg zwischen Frankreich und der zweiten
Koalition begonnen, und das Kriegsglück war den
franz. Waffen untreu geworden. Infolgedessen ent-
schloß sich N. zur Heimkehr, übergab 21. Aug. 1799
den Oberbefehl in Ägypten an General Kleber und
schiffte sich 22. Aug. mit etwa 500 Begleitern ein.
Am 9. Okt. 1799 landete er zu Fröjus und traf
16. Okt. wieder in Paris ein. Nachdem er sich mit
Sieyes und den einflußreichsten Generalen verstän-
digt hatte, stürzte er durch den Staatsstreich vom
18. Brumaire (9.Nov. 1799) die Direktorialregierung.
Von diesem Tage an war N. der anerkannte Ge-
bieter Frankreichs. Die neue Konstitution, die man
nach seinen Wünschen entwarf, trat bereits 27. Dez.
1799 in Kraft und ward nachträglich durch eine all-
gemeine Volksabstimmung mit mehr als drei Mill.
Stimmen bestätigt. Demnach erhielt er unter dem
Titel eines Ersten Konsuls auf zehn Jahre die
volle monarchische Gewalt, während seine beiden
Nebenkonsuln nur eine beratende Stimme hatten.
Auch verlegte er seine Wohnung alsbald in den
Palast der Tuilerien und hielt hier einen glänzen-
den Hof. Die Emigrantenliste wurde geschlossen,
und fast neun Zehnteile der Ausgewanderten durf-
ten zurückkehren. Während der nächsten Jahre sah
sich N. durch Verschwörungen und Attentate bedroht,
die teils von den Republikanern, teils von den Roya-
listen angestiftet wurden.
Seine erste Sorge richtete N. dahin, das militär.
undpolit.UbergewichtFrankreichswiederherzustellen.
Im Mai 1800 zog er mit einem Heer über den
Großen St. Bernhard, griff die Österreicher bei
Marengo ls. d.) im Rücken an und ersocht 14. Juni
einen entscheidenden Sieg. Die Österreicher muß-
ten hierauf gemäß der Konvention von Alessandria
15. Juni hinter den Mincio zurückgehen, und die
Cisalpinische Republik trat wieder ins Leben. N.
kehrte 3. Juli nach Paris zurück. Da die Franzosen
auch in Deutschland glücklich kämpften, so mußte
sich das Wiener Kabinett zum Frieden von Luneville
(s. d.) 9. Febr. 1801 bequemen, wodurch in Deutsch-
land der Rhein, in Italien die Etsch als Grenze
festgesetzt wurden. Piemont ward nunmehr (April
1801) der franz. Republik einverleibt. Schon vorher
hatte N. das von den Franzosen besetzte Großherzog-
tum Toscana unter dem Namen eines Königreichs
Etrurien an den Infanten Ludwig von Parma
verliehen (1. Okt. 1800), wogegen Parma unter
sranz. Herrschast kam. Demnächst gelang es ihm,
mit Rußland ein freundschaftliches Verhältnis her-
zustellen, und beide Mächte im Einverständnis übten
den entscheidenden Einfluß in Deutschland, das
unter franz. und russ. Vermittelung durch den Reichs-
deputationshauptschluß (s. d.) neu geordnet wurde.
Mit England schloß N. den Frieden zu Amiens
25. März 1802; desgleichen wurde der Krieg mit der
Türkei 25. Juni 1802 beendigt, nachdem inzwischen
die Franzosen Ägypten geräumt hatten. So war
der allgemeine Weltfriede wiederhergestellt.
Nicht minder wichtig und erfolgreich war die
Thätigkeit des Ersten Konsuls im Innern. Die
Verwaltung ward organisiert, indem an die Stelle
der gewählten Municipalitäten eine von oben her
ernannte, in strengster Subordination gehaltene
Bureaukratie (Präfekten, Unterpräfekten, Maires)
eintrat. Die Steuererhebung ward neu geregelt
und zur Hebung des Kredits eine Amortisations-
kasse und die Bank von Frankreich gegründet. Eine
strenge und gewandte Polizei unter Fouche' über-
wachte die Presse und die Parteien. Durch das
Konkordat vom 15. Aug. 1801 wurde die kath. Kirche
mit 9 Erzbischöfen und 41 Bischöfen wiederherge-
stellt; doch mußte sie auf ihre in der Revolution ein-
gezogenen Güter verzichten, wogegen der Staat die