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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nase

Haupthöhle und den in den benachbarten Knochen befindlichen Nebenhöhlen besteht. Die Haupthöhle liegt unter dem vordersten Teile der Schädelgrube, zwischen den beiden Augenhöhlen und über der Mundhöhle, und wird hauptsächlich durch das Pflugscharbein in eine rechte und linke Hälfte geteilt, welche sich vorn durch die beiden Nasenlöcher nach außen öffnen, während sie nach hinten durch die sog. Choanen in den obern Teil der Rachenhöhle ausmünden. Von den Nebenhöhlen liegen die zwei obern (Stirnhöhlen) im Stirnbein, die zwei hintern (Keilbeinhöhlen) im Körper des Keilbeins, und die zwei äußern (Highmorshöhlen) werden durch die Oberkiefer gebildet. Die seitlichen Wände der Haupthöhle haben viele leistenartige Vorsprünge, von welchen die drei größten, längsgerichtete Gänge (Nasengänge) zwischen sich lassenden, nach ihrer Gestalt Nasenmuscheln (conchae narium) heißen. Die unterste von ihnen ist die größte, die oberste die kleinste. (S. Tafel: Mund- und Nasenhöhle des Menschen, Fig. 2.)

Die äußere N. ist dem Gesicht aufgesetzt. Man unterscheidet an ihr die Wurzel, die Spitze (apex nasi) und den großenteils noch knöchernen Rücken; ferner die an der untern Fläche befindlichen Nasenlöcher (nares) und die Seitenteile dieser, die Nasenflügel. Sie wird aus zwei obern und zwei untern Knorpeln und der knorpligen Nasenscheidewand gebildet. Die obere Wand der innern Nasenhöhle besteht aus einem siebförmig durchbrochenen Knochen (Siebplatte, lamina cribrosa, des Siebbeins), durch dessen Löcher der Geruchsnerv in die Nasenhöhle tritt; unter der untern Nasenmuschel, in den untern Nasengang, mündet vorn der Thränenkanal. Die ganze Nasenhöhle sowie die Nebenhöhlen sind mit Schleimhaut ausgekleidet, in deren oberm Teil, der sog. Riechgegend (regio olfactoria), sich die Enden der Geruchsnerven ausbreiten und vermittelst specifischer Endorgane, der sog. Riechzellen, die verschiedenen Geruchsempfindungen erregen; im untern Teil der Nasenhöhle, der sog. Atmungsgegend (regio respiratoria), enthält die Schleimhaut reichliche Flimmerzellen, auch verbreitet sich hier nicht der Geruchsnerv, sondern ein Zweig des fünften Gehirnnerven, der die Tastempfindungen vermittelt.

Die Gestalt der N., welche indes erst mit dem Eintritt der Geschlechtsreife fertig gebildet ist, erteilt dem Gesicht zum großen Teil mit seinen charakteristischen Ausdruck, und man unterscheidet je nach dem Bau der N. die griechische N., römische N., Stumpfnase, Habichtsnase u. s. w. Als Geruchsorgan ist die N. von hoher Bedeutung. (S. Geruch.) Übrigens wird die durch die N. eingeatmete Luft, während sie durch den engen und langen Kanal streicht, stärker erwärmt als beim Atmen mit offenem Munde, und von Staub und andern mechan. Verunreinigungen befreit. Die Nasenhöhle bildet ferner mit der Mundhöhle das Ansatzrohr, den Schallraum, für das Stimmorgan und erteilt dem hervorgebrachten Laut eine eigentümliche Färbung. Die Nasenhöhle wird nämlich während des Sprechens bald durch das Gaumensegel geschlossen, bald bleibt sie offen, so daß also die Luft der Nasenhöhle bei der Lautbildung bald mitschallt, wodurch das Näseln entsteht, bald nicht.

Unter den Krankheiten der N. ist der Katarrh der Nasenschleimhaut am häufigsten. (S. Schnupfen.) Wucherungen der Schleimhaut, die in Form von mehr oder minder flachen Hügeln oder selbst größern gestielten Geschwülsten auftreten, nennt man Nasenpolypen. Diese gehen meist von der untern Nasenmuschel oder dem mittlern Nasengang aus und führen zu teilweisem Verschluß der Nasenhöhle (Stockschnupfen), Behinderung der Atmung, Asthma, Migräne sowie zu einer eigentümlichen Beeinträchtigung der Sprache («näselnde Sprache»); sie werden am besten durch Abbinden, Abquetschen oder auf galvanokaustischem Wege beseitigt. Blutungen aus der Nasenschleimhaut stellen das Nasenbluten (epistaxis) dar, welches auftritt bei Verletzungen der Schleimhaut, bei dem Bestehen von Geschwüren in der N., endlich bei Überfüllung der Blutgefäße der Schleimhaut infolge von Blutandrang zum Kopfe (Genuß von Spirituosen, Kaffee, Thee, heftige Gemütserregungen) oder von erschwertem Blutabfluß aus dem Kopfe (enge Halskragen, Kropf, Herz- und Lungenkrankheiten u. dgl.). Das Nasenbluten wird gestillt durch Einschlürfen kalten Wassers, von Alaunlösung, verdünntem Essig oder Citronensaft und andern blutstillenden Mitteln, oder durch kalte Aufschläge auf die N., endlich durch Verstopfen (Tamponieren) der vordern und hintern Nasenöffnung. Geschwüre in der N. entstehen entweder infolge von Verletzungen oder sind Teilerscheinungen allgemeiner Krankheiten (z. B. der Syphilis und Skrofulose). In manchen Fällen ergreift die Zerstörung auch den Knochen, wodurch die äußere N. einsinkt. Bei langdauernden tiefen Geschwüren, bei welchen der Eiter und Schleim in faulige Zersetzung übergeht, nimmt der Atem einen stinkenden Geruch an (Stinknase oder Ozäna), den man am zweckmäßigsten durch fleißiges, anhaltendes Ausspülen der N. mit Wasser oder desinfizierenden Flüssigkeiten (hypermangansaures Kali, Carbol- oder Borsäure, Kreolin) unter Heilung des Geschwürs beseitigt. Am vollkommensten wird dieser Zweck durch die sog. Nasendouche (s. d.) erreicht. Verstümmelungen der N. infolge von Krankheiten, insbesondere der fressenden Flechte (s. Lupus) oder Verletzungen verunstalten das Gesicht in einer Weise, daß sich solche Kranke gern einer sog. plastischen Operation unterziehen (Rhinoplastik), bei welcher aus Haut der Stirn oder Wangen eine neue häutige N. hergestellt wird. Zur Untersuchung der Nasenhöhle dient der Nasenrachenspiegel, durch welchen die Nasenhöhle von der Rachenhöhle aus beleuchtet wird. Die Haut der N. ist mit sehr großen Talgdrüschen versehen, deren Inhalt sich in Form von Würstchen auspressen läßt (Mitesser). Erweiterung der Haargefäße erzeugt die sog. Kupfernase, wie sie sich bei gewohnheitsmäßigen Säufern und Leuten, die am Feuer arbeiten, häufig findet. (S. Kupferrose.) – Vgl. Scheff, Krankheiten der N. (Berl. 1886); Moldenhauer, Die Krankheiten der Nasenhöhlen (Lpz. 1886); Reiß, Die Krankheiten der N. (Berl. 1892); Rosenthal, Die Erkrankungen der N. u. s. w., Bd. 1 (ebd. 1892).

Bautechnisch ist N. ein in mehrfacher Beziehung angewendeter Ausdruck: bei Dachziegeln heißt N. der an der untern Seite der obern Kante befindliche Ansatz, mittels dessen die Ziegel auf die Dachlatten aufgehängt werden (s. umstehende Fig. 1); bei dem got. Maßwerk (s. d.) die in das Lichte oder die umrahmte Fläche einspringenden Ansätze, meist aus Plättchen und Hohlkehle gebildet (s. Fig. 2 u. 3). Als Wassernase die Unterschneidung an vorspringenden horizontalen Platten oder Simsgliedern, welche das Regenwasser verhindern soll, vermöge der Adhäsion sich am betreffenden Bauteil, z. B. der Hänge- ^[folgende Seite]