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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nervus - Nesselsucht

Nervus (lat.), der Nerv.

Nervus probandi (lat.), der Hauptbeweisgrund.

Nervus rerum (lat., "der Nerv der Dinge"), Umschreibung für Geld, welche in der erweiterten Form nervus rerum agendarum auf den deutschen Kaiser Heinrich V. zurückgeführt wird. Nach Äschines ("Gegen Ktesiphon", 52) hätte zuerst Demosthenes Geld mit dem entsprechenden griech. Ausdruck (νεῦρα τῶν ποαγμάτων) umschrieben; ähnliche Bezeichnungen finden sich dann bei mehrern griech. und röm. Schriftstellern.

Nerz, Raubtier, s. Nörz.

Nesbi, Flecken in Syrien, s. Nisib.

Neschawa, poln. Nieszawa. 1) Kreis im westl. Teil des russ.-poln. Gouvernements Warschau, an der preuß. Grenze, hat 1296,1 qkm, 81 348 E., Ackerbau und Schafzucht. - 2) Kreisstadt im Kreis N., links an der Weichsel und an der Linie Skiernewice-Alexandrowo der Warschau-Wiener Eisenbahn, hat (1894) 3290 E., Post, Telegraph, zwei kath., eine evang. Kirche, Synagoge; Getreidehandel.

Neschi (Neskhi), im Unterschiede von der Kufischen Schrift (s. d.) der noch jetzt allgemein gebräuchliche Duktus der kursiven arab. Schrift.

Neschin, russ. Kreis und Stadt, s. Nieshin.

Nescio (lat.), ich weiß nicht.

Nesiotes, griech. Bildhauer, s. Kritios.

Neskhi, andere Schreibung für Neschi (s. d.).

Nesle, de (spr. nähl), Trouvère, s. Blondel.

Nesper, Joseph, Schauspieler, geb. 2. Juli 1844 zu Wien, betrat 1867 als Kosinsky (in den "Räubern") zuerst die Bühne und wurde 1868 am Theater an der Wien, dann nacheinander an den Stadttheatern zu Leipzig, Mannheim, Krefeld, Aachen, Köln und Bremen engagiert und war 1874-84 Mitglied der Meininger Hofbühne. Seit 1. Sept. 1884 gehört N. dem königl. Schauspielhaus zu Berlin an. Seine Hauptrollen sind Fiesco, Wallenstein, Esser, Othello, Saladin u. s. w.

Neß, Loch, See in der schott. Grafschaft Inverneß, am Caledonischen Kanal (s. d.), 36 km lang und 1,6 km breit. Am Südwestende liegt Fort Augustus (s. d.). Aus ihm fließt der N. (11 km) zum Moray Firth.

Nesse, Fluß in Thüringen, entspringt 6 km westlich von Erfurt und mündet nach 53 km beim Bahnhof Eisenach rechts in die Hörsel.

Nessel, Pflanzengattung, s. Urtica.

Nesselausschlag, s. Nesselsucht und Hautkrankheiten (der Haustiere, Bd. 8, S. 907 a).

Nesselbatterien, Nesselfaden, s. Nesselorgane.

Nesselfalter, s. Fuchs (Schmetterling).

Nesselfaser, die wie Flachs zubereitete Bastfaser der größeren Brennesselarten, welche vor der Einführung der Baumwolle zur Erzeugung von Garnen (Nesselgarn) und Geweben (Nesseltuch) diente; die Nesseltuche sind meist ungebleichte leinwandbindige Gewebe. Häufig versteht man jedoch jetzt unter Nesseltuch mittelfeine und gröbere ungebleichte Baumwollzeuge, welche meist zu Leibwäsche und zu Unterfutter in Kleidern benutzt und sonst als Shirting, Futter- oder Hemdenkattun bezeichnet werden.

Nesselfieber, Nesselfriesel, s. Nesselsucht.

Nesselgarn, s. Nesselfaser.

Nesselmal, s. Nesselsucht.

Nesselorgane, eigentümlich umgebildete Zellen der Oberhaut wirbelloser Tiere, die sich selten bei Schnecken und Würmern, sehr häufig aber bei Cölenteraten finden. Diese Zellen, Nesselzellen oder Knidoblasten genannt, enthalten eine Kapsel mit feinem, nach außen vorspringendem Fortsatze des Protoplasmas, dem Knidocil. Im Innern der Kapsel ist eine halbe Blase mit einem spiralig oder unregelmäßig aufgerollten hohlen Faden, dem Nesselfaden, der ein mit dem Kapselboden verbundenes und ein freies Ende hat, an dem sich eine oder zwei spiralig angeordnete Reihen von Widerhäkchen befinden. Dieser Hohlfaden kann mit großer Kraft aus der Kapsel willkürlich von dem Tiere hervorgeschleudert werden. Der Inhalt der Blase und des hohlen Fadens ist ein sehr heftig wirkendes Gift, das das bekannte brennende oder nesselnde Gefühl erzeugt, das man nach Berührung einer Qualle empfindet. Meist stehen die Nesselzellen an bestimmten Körperteilen in größerer Menge zusammen und bilden sog. Nesselbatterien. Die N. sind Waffen zur Verteidigung und zur Lähmung lebender Beutetiere.

Nesselquallen, s. Akalephen.

Nesselrode, Karl Rob., Graf von, russ. Staatsmann und Reichskanzler, geb. 14. Dez. 1780 in Lissabon, wo sein Vater, der Graf Max Julius Wilhelm Franz von N. (geb. 24. Okt. 1724, gest. 8. März 1810), damals russ. Gesandter war, wurde 1802 bei der Gesandtschaft in Berlin, dann in Stuttgart, 1805-6 als Legationssekretär und Chargé d'Affaires im Haag, 1807 als Gesandtschaftsrat in Paris angestellt. Im Kriege gegen Napoleon schloß er 1813 die Verträge mit Preußen (19. März zu Breslau), mit England (15. Juni zu Reichenbach in Schlesien), mit Österreich (27. Juni zu Reichenbach) und unterzeichnete 1. März 1814 den Allianzvertrag der vier Großmächte zu Chaumont. Von ihm wurden alle damals von den verbündeten Mächten erlassenen Noten und Erklärungen, an denen er bedeutenden Anteil hatte, unterzeichnet, sowie auch der Pariser Friede vom 30. Mai 1814. Auf dem Kongreß zu Wien war er einer der einflußreichsten Bevollmächtigten. 1816 zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt, begleitete er Alexander I. auf die Kongresse zu Aachen, Troppau, Laibach und Verona. Der Kaiser Nikolaus erhob ihn 1829 zum Vicekanzler, 1844 zum Kanzler des Reichs. Den Glanzpunkt seiner Thätigkeit bildete die glückliche Leitung der auswärtigen Politik in den Angelegenheiten Griechenlands und des Osmanischen Reichs. Während der J. 1848 und 1849 führte N. die auswärtige Politik Rußlands in zurückhaltender Weise, bis er den Augenblick gekommen glaubte, durch die Intervention in Ungarn Österreich an das russ. Interesse zu knüpfen und der Revolution einen tödlichen Schlag zu versetzen. In der orient. Verwicklung von 1853 galt N. für den Vertreter einer friedlichen Politik; doch gelang es ihm nicht, den Krieg abzuwenden. Nach Beendigung desselben zog er sich im April 1856 von den Geschäften zurück und starb 23. März 1862 zu Petersburg. Eine Selbstbiographie N.s in franz. Sprache (deutsch, Berl. 1866) wurde nach seinem Tode veröffentlicht. Die "Correspondance diplomatique du comte Pozzo di Borgo, ambassadeur de Russie en France, et du comte de N. 1814-18" (Par. 1890) gab Graf Charles Pozzo di Borgo heraus.

Nesselsucht oder Nesselausschlag (Urticaria), eine Hautkrankheit, welche sich durch flache, unregelmäßig begrenzte, stark juckende Erhebungen der Haut von bleicher Farbe mit entzündlich-rotem Rande zu erkennen giebt. Diese Nesselmäler