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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Netzauge; Netze; Netzedistrikt; Netzfischerei

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Netzauge – Netzfischerei

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Netz'

linien oder anderweitigen Koordinaten aufgetragene Abbildung. Die einzelnen Punkte, welche nach geogr Lage und meist auch nach Höhe bestimmt sind, heißen in diesem Sinne Netzpunkte, die zu ihrer Bestimmung erforderlichen Arbeiten die Netzlegung. (S. Triangulation.)

Netzauge, s. Auge (Bd. 2, S. 109 a).

Netze, poln. Noteć, rechter und größter Zufluß der Warthe, im preuß. Reg.-Bez. Bromberg, entsteht aus zwei Flüssen. Der rechte, östliche (auch Montwey genannt), kommt bei Kruschwitz aus dem Goplosee, in welchen in Polen die aus den Sümpfen von Brdow kommende Schyschinka sich ergießt; der westliche, die N., entfließt dem Skorzenciner See, 23 km ostsüdöstlich von Gnesen; im Pakoschsee vereinigen sie sich, der nördl. Ausfluß desselben ist 12 km westlich von Inowrazlaw. Die N. geht nun zuerst durch den Mölnosee, dann nach Westen durch den Sadlogoszer und Pturker See, endlich in Windungen nördlich, bis sie südlich von Bromberg ihre Hauptrichtung nach Westen einschlägt und durch den Speisekanal Wasser für den Bromberger Kanal (Nakel-Brahe) abgiebt. Bei Nakel 28 m breit und schiffbar, fließt die N. (bis Usch dem Südfuße der Pommerschen Seenplatte folgend) durch den größtenteils urbar gemachten Netzebruch, bis sie (110 m breit) 9 km oberhalb Landsberg nach 340 km Lauf mündet. Das Flußgebiet der N. hat 14000 qkm und von den Zuflüssen sind die rechts von der Pommerschen Seenplatte kommenden: Rokitka, Lobsonka, Küddow (oder Küdde, 15 km schiffbar) und Drage nennenswert.

Netzedistrikt, das ehemals poln. Land Kujawien nach der preuß. Besitznahme 1772; es umfaßt vom preuß. Reg.-Bez. Marienwerder die Kreise Flatow und Deutsch-Krone und von Bromberg die Kreise Bromberg, Inowrazlaw, Kolmar (Chodziesen), Wirsitz und Czarnikau.

Netzfischerei, diejenige Form des Fischfangs, bei der als Fanggeräte nicht Angel oder Leine, sondern Netze benutzt werden. Die Netze werden, je nachdem sie feststehen, gezogen werden oder im Wasser treiben, als Reusen (s. d. und Tafel: Netzfischerei II, Fig. 3 u. 4) und Setzgarne, Zugnetze oder Treibnetze bezeichnet. Zu den Setzgarnen gehört das in der Ostsee viel angewandte Flunder- oder Buttnetz, eine durch Gewichte und Schwimmer am Grunde in schräger aufrechter Stellung befestigte Netzwand, in deren Maschen sich die Fische verwickeln. Eine ähnliche Art der Setzgarne sind die Stellnetze, die zum Fang von Heringen, Dorschen u. s. w. gebraucht werden. Auch im Süßwasser werden Stellnetze zum Fang kleinerer Fische verwendet. Von den Zugnetzen ist eins der wichtigsten das Zuggarn oder die Wade (Fig. 2), das in flachem Wasser in Seen und an den Meeresküsten gebraucht wird. Gewöhnlich besteht es aus einer großen, vom Boden bis zur Oberfläche reichenden, unten beschwerten, oben mit Schwimmern (Flotten) versehenen Netzwand, mit der eine möglichst große Wasserstrecke abgesperrt wird, um dann durch das Annähern beider Netzenden, was entweder vom Lande oder von Booten aus geschieht, eine große Fischmenge zu umzingeln und in der Regel in einen in der Mitte der Netzwand angebrachten Beutel zu drängen. Andere Zugnetzarten (z. B. das wichtige Baumschleppnetz [s. d. und Taf. I, Fig. 3, und II, Fig. 1], der Keitel, die Zeese und Tritze) reichen nicht bis zur Oberfläche, sind aber am Grunde so ↔ beschwert, daß sie beim Anziehen in den weichen Boden eingreifen und dort eingewühlte Fische, wie Aale und Schollen, mitnehmen; sie finden vorzugsweise in tieferm Wasser Verwendung. Bei einer dritten Art von Zugnetzen wird der Oberteil auf dem Wasser schwimmend erhalten, während der Unterteil nicht bis zum Grunde herabreicht. Sie sind in der Mitte ohne Beutel und werden so gehandhabt, daß ein Fischschwarm von ihnen umzingelt und immer mehr eingeengt wird. Hierher gehört das an den flachen Ufern großer Ströme zum Fang von Lachsen u. s. w. gebräuchliche Segenetz (Zege, engl. seine), sowie das riesige, auf hoher See benutzte amerikanische Beutelnetz (purse-seine). Die Treib- oder Kiemennetze werden fast nur bei der Hochseefischerei auf Heringe und Makrelen gebraucht, die scharenweise und an der Oberfläche leben. Es sind senkrecht im Wasser schwebende, von der Oberfläche an mehrere Meter tief herabhängende Netzwände (Netzfleete, s. Taf. I, Fig. 2), die mit dem Strome treiben oder von Segelbooten gezogen werden und in deren Maschen die Fische mit den Köpfen sich festrennen. Der Oberteil (Obertau) der zu mehrern (zu einer Fleet) aneinandergereihten Treibnetze wird durch ein langes Tau (Fleetreep) mit dem fischenden Boot verbunden, der Unterteil (Untertau) ist durch Bleistücke beschwert, um die Netzwand N senkrecht im Wasser zu halten. Stehen die Fische tiefer, so geht das Fleetreep F (Fig. 4) nicht von dem Obersimm S des Netzes aus, sondern an diesem sind zunächst Zwischentaue Z (Zeisinge) befestigt, die mit dem Fleetreep verbunden sind und mit diesem von Treibtonnen T getragen werden. Das Störnetz oder Pümpelgarn, das an den Strommündungen zum Störfang benutzt wird, ist unten ohne Beschwerung, mit weitern, losen Maschen, in denen sich die Störe durch ihre Bewegungen völlig verwickeln. Diese Treibnetzfischerei auf hoher See ist die schwierigste, aber auch ertragreichste, sie erfordert seetüchtige Fahrzeuge (Logger, wie der Emder Heringslogger, Fig. 1) und Mannschaft und ist eine treffliche Vorschule für die Marine. Der Hamen, Ketscher oder Käscher (s. d.) ist nur ein vom Ufer aus in Binnengewässern anwendbarer Schöpfapparat. Der Steerthamen besteht aus einem viereckigen, etwa 4 m hohen und 6 m breiten, sehr starken Holzrahmen mit einem 15–20 m langen, engmaschigen Netzsack. Er wird im Strom verankert oder an Pfählen befestigt und dient namentlich an den Mündungen zum Fang kleinerer Fische, die besonders vom Ebbe- und Flutstrom in den Hamen getrieben werden. – Das Senknetz ist wesentlich ein horizontal ausgespanntes Beutelnetz. Das Wurfnetz ist ein trichterförmiges, am Rande mit schweren Bleikugeln umgebenes Netz, an dessen geschlossener Spitze ein Tau befestigt ist. Es wird so geschleudert, daß es mit der weiten Mündung fast horizontal auf die Oberfläche des Wassers fällt und dann schnell sinkt, wobei die Bleikugeln nach der Mitte zu fallen, wodurch die Fische eingeschlossen werden. Sperrnetze sind sehr große Netzwände, mit denen man den Eingang engerer Meeresbuchten (Fjorden) verstellt, nachdem große Fischschwärme in dieselben eingetreten sind. Das Auffischen der abgeschnittenen Fische geschieht mit Zugnetzen, Hamen u. s. w. – Vgl. B. Benecke, Fische, Fischerei und Fischzucht in Ost- und Westpreußen (Königsb. 1881); M. von dem Borne, Handbuch der Fischzucht und Fischerei (Berl. 1886).