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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niebuhr (Carsten) - Niederalpen
ältere Geschichte bis zum Kampfe mit Karthago
umfassend, worin N. nicht nur die Unhaltbarkeit
dessen, was bisher sür beglaubigte Thatsache galt,
nachzuweisen, sondern auch aus der Masse von Sa-
gen, Mutmaßungen und Verfälschungen das aus-
zuscheiden suchte, was als unverfälschtes Element
angesehen werden kann. N. ist hierdurch ein Haupt-
begründer der eigentlichen histor. Kritik geworden.
Eine Fortsetzung des von N. selbst Begonnenen gab
aus dessen Vorträgen Leonhard Schmitz in den
"I^6ctur68 011 tlie liistor^ ol Nonis troni tde iirst
?unio ^ar to tti6 äsatk olOonstantink d^ V. (^. ^l."
(2 Bde., Lond. 1844; deutsch von Zeiß, 2 Bde., Jena
1844-46) heraus. Durch N.s Anregung entstand
auch die von Platner und Bunsen unternommene
"Beschreibung der Stadt Rom", welche wichtige Bei-
träge von N. enthält. Nach seinem Tode erschienen
N.s "Vorträge über die röm. Geschichte, an der Uni-
versität Bonn gehalten" (hg. von Isler, 3 Bde.,
Verl. 1846-48), "Vorträge über alte Geschichte"
(hg. von M. Niebuhr, 3 Bde., ebd. 1847 - 51),
"Vorträge über alte Länder- und Völkerkunde" (hg.
von Isler, ebd. 1851) und "Vorträge über röm.
Altertümer" (hg. von demselben, ebd. 1858). Seine
"Geschichte des Zeitalters der Revolution" (2 Bde.,
Hamb. 1845) beruht auf den 1829 in Bonn gehalte-
nen Vorträgen. Von seinen philol. Arbeiten sind
zu erwähnen: die kritische Ausgabe der Werke des
Fronto (Berl. 1816), ferner von zwei bis dahin un-
gedruckten Bruchstücken der Reden des Cicero für
Fontejus und Nabirius (Rom 1820), eines Bruch-
stücks des Merobaudes (2. Ausg., Bonn 1824) und
die "In8crjption68 KudiengsL" (Rom 1821). Mit
Böckh und Brandis begründete N. 1826 das "Rhein.
Museum für Philologie, Gefchichte und grieck. Philo-
sophie", auch rief er seit 1828 eine neue Bearbei-
tung des "Corpus 8ci'ipt0ruin iii8t0ria6 V^an-
tin3.6" ins Leben. Seine "Kleinen histor. und philol.
Schriften" erschienen in zwei Bänden in Bonn 1828
-43, die "Nachgelassenen Schristen nichtphilol. In-
halts" in Hamburg 1843. Sehr anziehend sind auch
die "Griech. Heroengeschichten. An seinen Sohn
erzählt", von diesem (Hamb. 1842; 11. Aufl., Gotha
1896) herausgegeben. - Vgl. Lebensnachrichten
über N. aus Briefen desselben und aus Erinne-
rungen einiger seiner nächsten Freunde (3 Bde.,
Hamb. 1838-39); Mejer, Eine Erinnerung an N.
(Rost. 1867); Classen, Niebuhr (Gotha 1876);
Eyssenhardt, B. G. N. (ebd. 1886).
Niebuhr, Carsten, Forschungsreisender, geb.
17. März 1733 zu Lüdingworth im Lande Hadeln,
trat 1760 als Ingenieurlieutenant in dän. Dienste
und wurde 1761, als der König Friedrich V. von
Dänemark eine Gesellschaft Gelehrter auf feine Ko-
sten nach Arabien reisen ließ, um dieses Land zu er-
forschen, derselben für das Fach der Geographie
beigegeben. Binnen Jahresfrist starben sämtliche
Mitglieder diefer Gesellschaft mit Ausnahme N.s,
der die Reise allein fortsetzte, von der er erst 1767
zurückkehrte. N. wurde 176" Ingenieurkapitän, 1778
Wirkl. Iustizrat und Landschreiber zu Meldorf in
Süderdithmarfchen und 1808 Etatsrat. Er starb
26. April 1815 zu Meldorf. N. war der erste Rei-
sende, der die Methode der Mond ab stände auf dem
festen Lande zu Längenbestimmungen anwandte und
damit sehr genaue Längen erzielte. Durch genaue
Aufnahme des nördl. Roten Meers wurde N. der
Begründer der neuen Weltstraße über Sues nach
Indien. Mit Hilfe seiner Karte wagte es zuerst
Kapitän Holford 1772, von Kalkutta bis Sues zu
segeln. Seine Kopien der Keilinschriften aus Ninive
dienten Grotefend 1802 für seine ersten Versuche zur
Entzifferung diefer Schrift. Die Ergebnisse der arab.
Reise veröffentlichte er in der "Beschreibung von
Arabien" (Kopenh. 1772), in der "Reisebeschreibung
nach Arabien und andern umliegenden Ländern"
(2 Bde., ebd. 1774-78; Bd. 3: "Reisen durch Syrien
und Palästina", hg. von Gloyer und Olshausen,
Hamb. 1837) sowie in der Ausgabe von P. Forskals
"v68clipti0N63 Äiumaliuin 6tc." (Kopenh. 1775)
und dessen "^lora ak^Maco-NradicH" (ebd. 1776).
Eine Biographie N.s hat sein Sohn Barthold Georg
N. verfaßt (Kiel 1817).
Niebuhr, Markus Carsten Nikolaus von, preuß.
Staatsmann, Sohn von Barthold Georg N., geb.
1. April 1817 zu Rom, studierte Rechts- und Staats-
wissenschaften zu Kiel, Bonn, Halle und Berlin,
arbeitete dann als Hilfsarbeiter im Ministerium
der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten und
redigierte 1848^49 den konservativen "Magdebur-
ger Korrespondenten"; auch war er Mitarbeiter an
der "Kreuzzeitung". 1850 wurde N. zum Regie-
rungsrat ernannt, im Nov. 1850 in polit. Mission
nach Kurhessen gesandt und 1851 Geh. Negierungs-
rat im Hausministerium und Kabinettssekretär im
Civilkabinett des Königs, auf den der von reaktio-
nären und altständischen Anschauungen ganz er-
füllte Mann einen nicht geringen Einfluß gewann.
1852 ging er, um mit Bunsen über die innere
Politik zu konferieren, nach London. 1854 ernannte
ihn der König zum Kabinettsrat und Mitglied des
Staatsrats und erhob ihn bald darauf in den Adels-
stand. Vorübergehend war er von 1852 bis 1853
Mitglied des Abgeordnetenhauses. Der berüchtigte
Depeschendiebstahl 1855, der hauptsächlich geheime
Papiere betraf, die zum Teil N. anvertraut gewefen
waren, wirkte auf sein Gemüt so erschütternd, daß
er 1857 einer Geisteskrankheit verfiel, der er 1. Aug.
1860 zu Oberweiler bei Vadenweiler erlag. Von
N.s litterar. Arbeiten sind die Schriften über Bank-
wesen (Hamb. 1846) und die "Geschichte Assurs und
Babels" (Berl. 1857) hervorzuheben.
Xisos (frz., spr. niähß), Nichte.
Nied, linker Zufluß der Saar, entsteht in Deutsch-
Lothringen bei Contchen aus der Französischen und
Deutschen N. und mündet 10 kin unterhalb Saar-
louis nach 98 kiu.
Niedenstein, Stadt im Kreis Fritzlar des preuß.
Neg.-Vez. Cassel, an der Wiehoff, hatte 1890: 608
meist evang. E., darunter 123 Israeliten, 1895:
642 E., Postagentur und Fernsprechverbindung.
Niederalpen (LH8868-^1p68), Departement in:
südöstl. Frankreich, nordöstlichster Teil der Provence,
grenzt im N. an das Depart. Oberalpen, im O. an
Italien und das Depart. Seealpen, im S. an Var,
im W. an Vaucluse, im NW. an Dröme, hat 6954,18
(nach Berechnung 6987) ykm, (1891) 124285 E.
(5209 weniger als 1886) und zerfällt in die 5 Arron-
dissements Varcelonnette, Castellane, Digne, Forcal-
quier, Sisteron mit 30 Kantonen und 250 Gemeinden.
Hauptstadt ist Digne. Die Bevölkerung nimmt seit
1836 (159045 E.) stetig ab und ist die dünnste von
Frankreich (kaum 18 E. auf 1 Hwn). Etwa fünf
Sechstel des Landes werden von den westl. Aus-
läufern der Seealpen erfüllt, die sich in vielfachen
Ketten nach dem Nhönebecken verzweigen. Die Verg-
züge von Lure und Aiguines trennen den alpinen
nördl. Teil (wo der Mont-Chambeyron 3400 in hoch