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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Niederländische Kunst

und Kinderfiguren lag. Die reichen Grabmonumente, Kanzeln (s. Taf. Ⅳ, Fig. 1), Altäre des 18. Jahrh., die in den belg. Kirchen errichtet wurden, zeigen ein sich immer mehr steigerndes Barock, während in Holland einfachere, mehr die Menschengestalt individualisierende Bildungen vorherrschend blieben.

Von dem zopfigen Stil suchte um die Wende des 18. Jahrh. der in Rom unter Thorwaldsen gebildete Matthias Kessels (gest. 1834) die niederländ. Plastik zu befreien; doch blieb er gleichwohl mit seiner mehr realistischen Kunstweise ziemlich lange in Holland vereinzelt. Auch die Bildnerei um die Mitte des 19. Jahrh. hat es zu keinen bedeutenden Leistungen gebracht; von Monumentalwerken sind zu nennen das Standbild Rubens’ in Antwerpen von W. Geefs (s. Taf. Ⅳ, Fig. 2), das Denkmal Egmonds und Hoorns in Brüssel von Fraikin (s. Taf. Ⅳ, Fig. 3), das Reiterstandbild Gottfrieds von Bouillon in Brüssel von Simonis (s. Taf. Ⅳ, Fig. 4), das Grabmal des Erzbischofs Méan in der Kathedrale zu Mecheln von Jehotte; unter den Genrebildnern haben sich außer den genannten W. Geefs und Fraikin besonders Jos. Geefs und Bouré einen geachteten Namen erworben. Die jüngsten Erzeugnisse der niederländ., insbesondere belg. Plastik offenbaren eine von Frankreich beeinflußte impressionistische Darstellungsart; die begabtesten Vertreter dieser extremen Kunstweise sind Meunier, Herain, Lambeaux, de Rudder u. a. Daneben haben aber Künstler wie van der Stappen, van den Kerckhove, Dillens u. a. auch Werke strengern Stils geschaffen. – Vgl. R. Graul, Beiträge zur Geschichte der dekorativen Skulptur in den Niederlanden während der ersten Hälfte des 16. Jahrh. (in den «Beiträgen zur Kunstgeschichte», Neue Folge, Nr. 10, Lpz. 1889).

III. Malerei. Die niederländ. Malerei des Mittelalters ist durch Denkmäler nur sehr dürftig vertreten; dennoch unterliegt es keinem Zweifel, daß auch hier wie in andern Ländern die Kirchen der byzant.-roman. Epoche ihren Wandbilderschmuck hatten, ebenso wie die Tafelmaler von Maastricht schon zu Anfang des 13. Jahrh. als geschickte Meister bekannt waren. Aber die Kirchen und Museen in Belgien und Holland enthalten kein auf Holz gemaltes Bild, das bis vor 1360 hinaufreicht. Gegen das Ende des 14. Jahrh. bildeten die niederländ. Maler in größern Städten bereits geschlossene Malergilden, welche nicht bloß Tafelmaler, sondern auch Bücher-, Glas- und Dekorationsmaler in sich begriffen. Ihr Gesamtname «Schilderer» besagt, daß sie meistens nur Schilder bemalten. Das Bestreben nach einer freien, naturgemäßen Darstellung, das in den niederländ. Miniaturen und Tafelbildern seit 1360 als charakteristischer nationaler Zug schüchtern und schülerhaft hervorgetreten war, äußerte sich mit Entschiedenheit und Meisterschaft in der flandr. Schule, die seit dem 15. Jahrh. in Brügge aufblühte. An der Spitze dieser Schule standen die Brüder Hubert und Jan van Eyck (s. d.), von welchen der letztere die bisherige Technik der Ölmalerei bedeutend vervollkommnete. Die namhaften Schüler und Nachfolger der van Eyck sind: in Flandern Gerard van der Meiren, Justus van Gent, Petrus Cristus, Hugo van der Goes, Rogier van der Weyden (s. Taf. Ⅴ, Fig. 1) und Hans Memling; in Holland Dirk Bouts, Albert van Ouwater und Gerrit van Haarlem.

Zu Anfang des 16. Jahrh. traten in Brabant und Holland neue Bestrebungen hervor, die eine vollere Entfaltung der Form, eine freiere Bewegung der Gestalten, eine größere Energie und Leichtigkeit des Vortrags bezweckten. Die bedeutendsten und eigentümlichsten unter den hierher gehörigen Meistern sind Quentin Massys (s. Taf. Ⅴ, Fig. 2) und Lukas van Leiden (s. Taf. Ⅴ, Fig. 3). Gleichzeitig mit diesen und bis zur Mitte des 16. Jahrh. wirkte eine Anzahl niederländ. Maler, welche die Mängel der altflandr. Schule durch das Studium der ital. Renaissancemalerei zu verbessern und beide Kunstweisen miteinander zu verschmelzen suchten. Die vorzüglichsten Künstler dieser Richtung sind: Bernaerd van Orley, Michiel Cocxie ^[heute Coxcie geschrieben], Jan Mabuse, Jan van Scorel, Antonis Mor, Martin van Heemskerk. Von andern namhaften Meistern, deren Blüte in die zweite Hälfte des 16. Jahrh. fällt, wurde diese italienisierende Behandlungsweise in größerer Selbständigkeit und mit besserm Erfolg ausgebildet. Dahin gehören Lambert Lombard und sein Schüler Frans Floris, an den sich eine große Reihe von Schülern anschließt, unter denen die beiden Frans Francken, die beiden Frans Pourbus und Martin de Vos nennenswert sind. Andere Künstler der zweiten Hälfte des 16. Jahrh., wie Hendrik Goltzius, Cornelis Cornelisz, Abraham Bloemaert, Otto van Veen, widmeten sich ebenfalls der Nachahmung ital. Malerei. ^[Spaltenwechsel]

Diese altertümliche Richtung bekämpfte um den Beginn des 17. Jahrh. eine Schule, welche in die niederländ. Malerei wieder frische Kraft und eigenes Leben hineinbrachte. Die Historienmalerei schied sich zunächst in zwei Kunstweisen. Die eine ging von dem span. Teile der Niederlande, vornehmlich von Brabant aus, wo die Malerei mehr im Dienste der wiederhergestellten kath. Kirche blieb und zugleich in der Wahl der Gegenstände und in der Art der Auffassung noch an ital. Vorbilder anknüpfte, sich durch einen dem niederländ. Wesen entsprechenden Stil der Zeichnung, einen leuchtenden Glanz der Farbe und einen entschiedenen Ausdruck der Seelenstimmung wesentlich und eigentümlich auszeichnete. Diese Schule hatte ihren Hauptsitz in Antwerpen (daher Antwerpener Malerschule genannt) und ihren Hauptmeister an Rubens (s. d. und die diesem Artikel beigegebene Chromotafel); der bedeutendste unter seinen Schülern war Anton van Dyck (s. d.). Die übrigen Schüler und Nachfolger von Rubens blieben mehr bei den äußerlichen Eigentümlichkeiten des Meisters stehen, bewiesen jedoch teilweise im Farbenton und Vortrag eine große Tüchtigkeit, so Jakob Jordaens, Abraham van Diepenbeeck, Theodor van Thulden. Die andere Richtung der niederländ. Historienmalerei hatte ihren Ursprung in Holland, das, nachdem es sich von den span. Niederlanden losgerissen, ein eigenes, von prot. und republikanischem Geiste beseeltes und auf dem Princip kirchlicher und staatlicher Freiheit gegründetes Volk bildete. Unter solchem Einfluß erstand im zweiten Viertel des 17. Jahrh. zu Amsterdam eine Schule, die einen ganz unabhängigen Weg der Entwicklung einschlug. Der Stifter dieser Schule war Rembrandt (s. d. und die diesem Artikel beigegebene Chromotafel); doch entlehnten seine zahlreichen Schüler und Nachfolger von ihm nur die äußere Schaffensform, wenngleich mehrere, wie Gerbrand van den Eeckhout, Ferdinand Bol, Govaert Flinck, Jan Lievens, Aert de Gelder, Salomon Koninck (s. d.) einen angesehenen Platz in der Kunstgeschichte einnehmen. Neben diesen beiden Rich- ^[folgende Seite]