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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Nimmersatt - Nimwegen
gonien an Frankreich abgetreten, nachdem es als
cm Hauptsitz der Albigenser (s. d.) viel durch Krieg
gelitten hatte. 1378 wnrde die Stadt vom Herzog
von Anjou, 1417 von den Engländern, 1420 vom
Dauphin (Karl VII.) erobert. Seit 1559 erklärte sie
sich für die Reformation, hatte in den Hugenotten-
kriegen viel zu leiden, verlor durch den Widerruf
des Edikts von Nantes einen großen Teil ihrer Ein-
wohner und ihrer Reichtümer. N. war 1815 der
Schauplatz von Verfolgungen der Protestanten durch
die sog. Lanäeg Veräets.
Vgl. Me'nard, Histoii-E ä68 anti^uit63 äe 1k vilie
äs 5!. et äs 863 6nviroii8 (Nimes 1814 u. ö.); ders.,
Hi8t0ii'6 civile, 6oci68ia8ti(iu6 6t litter^ii-L cle 1^
vilis äe N. (7 Bde., ebd. 1875); Germer-Durand,
V6c0uv6i't63 kro1i60l0Fi(iu68 kait63 3. ^. (ebd. 1870
-76); Pieyre, Histoirk clb la. vilw äs ^l. <i6i)ui8
1830 ^U8(iu'ü. N08,i0ui'8 (3 Bde., ebd. 1886-88).
Nimmersatt (^nt^u3), storchartige Vögel,
welche in 4 Arten die Tropen Afrikas, Asiens und
Amerikas bewohnen und durch den schwach gerun-
deten Schnabel gekennzeichnet sind. Am bekanntesten
ist der afrikanische N. (^antÄiu3 idis ^.), von
Storchgroße, und der etwas größere indische N.
l/Iantlüu8 i6ucopka6U8 Am.). "Ihre Hauptfärbung
ist weiß, Schwung- und Steuerfcdern schwarz mit
grünem Glänze, die Flügeldecken bei ersterm rosig,
bei letzterm schwarz und rosa geschuppt. Gegen Kälte
sind beide empfindlich, als Nahrung erhalten sie
Flußfische und Fleisch mit getrockneten Garneelen.
Nimptsch. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Bres-
lau, hat 375,9i ^m und 1890: 30803,1895: 30 404
(14218 mä'nnl., 16186 weibl.) E., 1 Stadt, 86 Land-
gemeinden und 73 Gutsbczirke. - 2) Kreisstadt im
Kreis N., an der Großen Lohe und der Nebenlinie
Strehlen-Gnadenfrei der Preuß. Staatsbahncn,
Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts
(Landgericht Schweidnitz), batte 1890: 2172,1895:
2167 E., darunter 563 Katholiken, Postamt zweiter
Klasse, Telegraph; Mühlen. N. wurde 14. Juni
1428 von den Hufsiten, 4. Juni 1633 durch Wallen-
stein erobert.
Nimrud (Nimroo), nach der Völkertafel
(1 Mof. 10) ein Sohn des Kusch, Sobnes des Ham,
wird als ein uralter gewaltiger Machthaber bezeich-
net, von demselben Stamme, dem die Völkerschaf-
ten Äthiopiens und Südarabiens entsprossen sein
sollen; seine Herrschaft ging aus von Babylon, Erech
(assyr. Uruk), Accad (assyr. vielleicht Agade) und
Calneh im Lande Sinear (^-Babylonien?). Die
Angabe der Bibel, daß N. Ninive (s. d.), Resen
und Kalach gegründet habe, scheint spätere Inter-
polation zu sein. Die Bibel nennt ihn einen gewal-
tigen Jäger vor dem Herrn und führt dazu, wie es
scheint, cm altes Volkslied an. In den Keilinschriften
bat man bisher keine Spur des Namens gefunden.
Alles, was die Orientalen von N. erzählen, gründet
sick auf die erwähnte Stelle der Völkertafel.
Nach Iofephus war er Erbauer des babylon.
Turms und ein gottloser Frevler. Nach dem Be-
richt der dem heil. Ephraim zugeschriebenen "Schatz-
Höhle') betete er zuerst das Feuer an, erfand die
Astronomie und erbaute Nisibis und Edefsa. Die
Araber schreiben ihm alle großen Ruinen Meso-
potamiens zu sowie alle möglichen Thaten des Auf-
ruhrs gegen Gott. Als Sternbild des Riefen, d. i.
des Orion, ist N. an den Himmel gefesselt. In der
Genesis aber sowohl als bei Micba (Kap. 5) bezeich-
net N. nur einen geogr. Begriff.
Seinen Namen enthalten heute noch mebrere Ort-
schaften Mesopotamiens, darunter Birs- Nimrud,
eine westlich vom Euphrat gelegene Ruine Babylons
mit den Resten eines (noch Herodot bekannten) Ter-
rassenturms, in dem die Sage den Babylonischen
Turm sieht. Das Wort Virs giebt den Namen Vor-
stppa (s. d.) wieder. - Das Dorf N., unfern des
Zusammenflusses des Tigris mit dem obern Zab,
301cm südlich von Ninive (s. d.), enthält die Ruinen
der alten Stadt Kalach (1 Mos. 10), assyr. Kalchu,
Kalach, wahrscheinlich identisch mit Larissa bei ^e-
nophon. Dieselbe war allem Anschein nach von Sal-
manassar l. (etwa 1350 v. Chr.) erbaut, wurde von
Assurnasirbal restauriert und von seinen Nachfolgern
mit besonderer Vorliebe verschönert. Asarhaddon
baute dort nach der Eroberung Ägyptens einen präch-
tigen Palast, aus dem sich verfchiedene Fundstücke im
Britischen Museum befinden. Noch zu Sardanapals
Zeiten wird Kalach in Briefen und astrol. Berichten
häusig genannt und überdauerte selbst den Fall der
assyr. Monarchie. Die Palastgruppe N.s befindet
sich auf einer Plattform, auf der sich namentlich die
nordwestl. und die östl. Gruppe hervorthun. Die
dortigen Paläste sind zuerst von Layaro entdeckt und
ausgegraben worden.
Nimwegen (Nymegen oder Nijmegen, frz.
^iin<5FU6, bei den Römern ^0vi0mü^u8, Oppiäniu
Latävoruin), Stadt in der nieoerlä'nd. Provinz
Geldern, auf sieben Hügeln am
linken Ufer der Waal gelegen, an
den Linien Arnheim-N. (20 km),
N.-Maastricht (130,8 km) der
Niederländ.Staatsbahnen,Cleve-
N. (27,31 km), N.-Amsterdam
(101,i km) der Holland. Eisen-
bahn, hat (1892) 34128 E., ein
schönes, 1554 erbautes Rathaus
mit Museum und acht Kirchen,
darunter die reform. Stephanstirche aus dem
13. Jahrh., aber später vielfach restauriert, mit
dem Grabmal der Herzogin von Geldern, Katha-
rina von Bourbon (gest. 1469), zahlreiche Plätze,
wie den schön bepflanzten Valkhof auf dem Linden-
berge, einer Anhöhe an der Fluhfeite, mit den
Trümmern einer Kaiserpfalz, noch aus der Zeit
Karls d. Gr. Nicht weit vom Valkhof erhebt sich das
Vclvedere, jetzt Kaffeehaus, ursprünglich ein Boll-
werk aus sehr alter Zeit; der jetzige Turm ist von
1646. Die alten Befestigungen sind jetzt in Prome-
naden umgewandelt. Wichtige Erwerbszweige sind:
Brauerei (berühmt ist das Weißbier, Moll), Blech-
warenfabrikation, Töpferei, Metallindustrie, (5i-
garrenfabrikation, Getreide- und Speditionshandel.
Unter dem Reich von N. versteht man den von
der Gegend von Cleve bis in die Nähe von Thiel
zwischen der Waal und Maas sich hinziehenden
Landstrich. - Die Stadt war bis 1248 eine Reichs-
stadt, auch Mitglied der Hansa, und wurde 1585 von
den Spaniern erobert, kam aber 1591 wieder in die
Hände des Prinzen Moritz von Oranien. Nachdem
die Franzosen unter Turcnne sich ihrer 1672 ohne
Gegenwehr bemeistert hatten, wurde hier 11. Aug.
1678 zwischen Frankreich und den Niederlanden der
Friede von N. geschlossen, in welchem Holland
felbst nichts verlor, dagegen zahlreiche feste Plätze in
den südl., damals span. Niederlanden an Frankreich
überlassen werden mußten. Sodann solgte 17. Sept.
1678 derFriedensschluß zwischen Frankreich und Spa-
nien und 5. Febr. 1679 der zwischen Frankreich einer-