Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

434
Nordwestterritorien - Norfolk (Stadt)
lande. Dell größten und wichtigsten Teil bilden
die niedrigen Allnvialebenen nordwärts von dem
Ganges und der Dschamna. Durch diese Flüsse sowie
die linken Nebenflüsse des erstern, die Ghagra, Ram-
ganga u. a. vorzüglich bewässert, sind dieselben fast
in ihrer ganzen Ausbreitung kulturfähig und in
hohem Grade fruchtbar. Das Land im Süden der
genannten Stromthäler ist dagegen unfruchtbar,
uneben, mit Dschangal bedeckt und von meist nur
in der Regenzeit Wasser führenden Flußbetten er-
füllt. Hauptgegenstände der Bodenkultur sind Wei-
zen, Reis, Hirse, vorzüglicher Mais, Baumwolle,
Zuckerrohr, Indigo, Tabak, Thee, Gerste, Hanf,
Saflor, Flachs, die Mohnpflanze für die Gewinnung
von Opium, verschiedene Ol- und Farbepflanzen,
wie z. B. der echte Saflor, und fast alle europ. Ge-
müsearten und Küchengewächse. Die Wälder liefern
gute Holzarten für Häufer- und Schiffbau. Ungefähr
70 Proz. der Bevölkerung treiben Ackerbau. Mit den
Bodenerzeugnissen wird Handel, meist nach Kalkutta,
getrieben, den die Wasserstraßen des Ganges und
seiner Nebenflüsse sowie die Indian-Eisenbahn ver-
mitteln. Hauptstadt ist Allahabad (s. d.).
Nordwestterritorien (Noi-tK ^V^zt 'i^i-iiw-
ri63), früherer Name des Teils von Britisch-Nord-
amerika (s. d.), welcher östlich vom Felsengebirgc
den ränmlich ausgedehntesten, in ihrer Bevölkerung
aber unbedeutendsten Teil des Dominion of Canada
bildet. 1869 hatte die Hudsonbaicompagnie (s. d.)
thre Anrechte auf diefe Gebiete der engl. Regierung
verkauft, welche 1870 das Gebiet dem Domiuion of
Canada einverleibte und die nach der Organisierung
der Provinz Manitoba übrigbleibenden N. durch
den Lieutenant-Governor von Manitoba regieren
lieh. 1882 organisierte man ferner die Distrikte:
Assiniboia (s. d.), Saskatchawan (s. d.), Alberta (s. d.)
und Athabasca (s. d.),wozu späterKeewatin und 1896
Ungava, Franklin, Mackenzie und Jukon kamen.
Nordwestterritorium, früherer Name desjeni-
gen Teils der Vereinigten Staaten von Amerika, der
nördlich vom Ohio und östlich vom Mississippi ge-
legen ist. Bei der Unbestimmtheit ihrer kolonialen
Freibriefe hatten verschiedene Staaten auf Teile
dieses Gebietes Anspruch, besonders Virginia,
Massachusetts und Connecticut. Im Laufe der Zeit
wurden alle diese Ansprüche an die Negiernng der
Vereinigten Staaten abgetreten, die 1787 die 1789
bestätigte sog. Nordwestordonnanz erließ, wo-
nach, sobald die Bevölkerung die genügende Höhe
erreicht hätte, das N. zu Staaten organisiert werden
sollte. So entstanden aus dem N. Obio, Indiana,
Illinois, Michigan und Wisconsin. Sklaverei war
durch die Nordwestordonnanz in dem N. verboten.
Nore (spr. nohr), Sandbank in der Mündung der
Themse, 5 kiu im NO. von Sheerneß, mit Leuchtschiff.
Noreja, jetzt Neumarkt in Steiermark, Haupt-
stadt des alten Noricum (s. d.).
Nörenberg, Stadt im Kreis Saatzig des preuß.
Reg.-Bez. Stettin, am Südufer des fischreichen Enzig-
sees, durch eine Kleinbahn mit Stargard verbunden,
Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Stargard),
hatte 1890: 2815,1895: 273,6 meist evang. E., dar-
unter 60 Israeliten, Post, Fernsprechverbindung;
Ackerbau, Viehzucht und Fischerei. N. geborte bls
Norerde, s. Norium. ^1815 zur Ncumark.
Vso-rostra-iut (engt., spr. ristrehnt, d. h. Nicht-
Beschränkung), psychiatrische Bezeichnung für die
Behandlung der Geisteskranken ohne mechan.
Zwang. Noch in dem ersten Drittel des 19. Jahrh.
wurden Tobsüchtige und zu Gewaltthätigkeiten
neigende Geisteskranke in den meisten Irrenanstal-
ten gefesselt, besonders mit der Zwangsjacke, Rie-
men n. s. w.; der Irrenarzt Conolly (s. d.) führte
zuerst in einer großen Anstalt die Behandlung ohne
mechan. Beschränkung (M-i-ssti-aint-sMem) dnrch
nnd stellte den Grundsatz auf, daß Zwang gleich-
bedeutend mit Vernachlässigung der Kranken sei, so-
wie daß an dessen Stelle Beruhigung durch milde
Mittel, liebevolle Pflege u. s. w., event. Isolierung
in geeigneten Zimmern ohne Fesselung zu treten
habe. Jetzt ist in allen bessern Irrenanstalten das
^0-i'68traiiit-8x3t6iii angenommen, nur vielfach mit
der Einschränkung, daß man für gewisse Fälle (bei
Tobsüchtigen mit gröftern Verletzungen, Selbstver-
stümmelungstrieb u. s. w.) mechan. Fesselung der
Kranken zu Heilzwecken für zulässig erachtet.
Norfolk (spr. nöhrfock), Insel im westlichsten
Teile des Stillen Oceans, zwischen Neucaledonien
und Neuseeland, 1700 kni im ONO. von Sydney
gelegen, zu Neusüdwales gehörig, hat 41,3 hinn,
mit der benachbarten Philipinsel 43,5 qkui und
750 E. Das einsame Eiland, welches sich im wald-
bedeckten Mount-Pitt über 300 in erhebt, ist durch
einige herrliche Gewächse ausgezeichnet; eine Palme
(^r603. vHULi'i Z?nc?l.) wächst neben der in der
Regelmäßigkeit ihres Wuchses von Quirlästen un-
übertroffen dastehenden Norfolktanne lAraucaria, ox-
ooi83. H. Z?-.) und unter diesen ein Banmfarn. Von
Tieren sind nnr Vögel bekannt. - N. wurde 1774
von Cook entdeckt und diente 1788^1856 zur Auf-
nahme der schlimmsten Verbrecher. Hierauf wurde
N. den Bewohnern von Pitcairn gegeben.
Norfolk (spr. nöhrfock), auch Northfolk, eine
der sechs östl. Grafschaften Englands, von Suffolk,
Cambridge, Lincoln und von der Nordsee umschlosseu,
hat 5488 ykm und (1891) 456474 E., d. i. 83 auf
1 tikm. 60 Proz. kommen auf Acker, 20 Proz. auf
Grasungen und kaum 4 Proz. auf Waldungen. N.
bildet eine weite, einförmige Tiefebene (f. Norfolk-
Broads),die den seichten Meerbusen Wash umgiebt.
Nur im W. sind Höhenzüge (Kreide). Außer der
Ouse, dem Hauptfluß, sind an der Westgrenze der
Nen, im O. die Jare mit ihren schissbaren linken
Nebenflüssen Wensum und Bure, an der Südgrenze
der Waveney bemerkenswert. Ungeachtet der Nähe
des Meers ist das Klima weniger 'feucht, im ganzen
angenehm und gesund. Getreide-, namentlich
Gerstenbau, Turnipsbau, Schaf- und Rmdviehzucht
find nächst Fischerei, zumal Heringsfang (bei Great-
Yarmouth), die Haupterwerbszweige. Gemüse, Obst,
Ochsen, Weizen, Mehl, Gänse und Truthühner wer-
den meist nach London znm Verkauf gebracht. Die
Industrie ist unbedeutend, bis auf die Hauptstadt
Norwich. Die Grafschaft schickt sechs Abgeordnete
ins Parlament.
Norfolk (fpr. nöhrfock), Einfuhrhafen im County
N. im nordamerik. Staat Virginia, am rechten Ufer
des Elizabethflnsses, zählte 1880: 21966, 1890:
34871 E. (16254 Farbige), mit Verkley und Ports-
mouth 52038 E. Abgesehen vom Princeß-Anne-
Kanal führt der sich verzweigende Albemarle-Chesa-
peake-Kanal auf zwei Wegen in den Albemarlcsund
sowie in den Dismal-Swamp. Bahnen gehen nach
verschiedenen Richtungen. Der Hafen ist sicher, be-
quem und tief und wird durch Fort Monroe ver-
teidigt. N. ist gut gebaut, hat breite Straßen, ein
Zollhaus, Genchtshaus, Stadthaus, eine schöne
Freimaurerloge und ein Frauencollege. In der Vor-