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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Norfolk (Grafen- und Herzogswürde)
stadt Gosport befindet sich eine Vundesschiffswerft,
Trockendock und Marinehospital. N. exportiert meist
Baumwolle, außerdem Hölzer, Tabak, Terpentin und
Harz, handelt auch mit Austern, frühem Obst und
hat Baumwollpressen, Fabriken von Ackerbauge-
räten, Düngemitteln u. s. w. Der Bürgerkrieg wurde
1861 mit der Verbrennung des Schiffbauhofs seitens
der Konföderierten eröffnet. Erst 3. Mai 1862 nah-
men die Vundestruppen N. wieder in Besitz.
Norfolk (spr. uöhrfock), engl. Grafen- und Her-
zogswürde. Erster Graf von N. warHugh Bigod
(gest. 1176), dessen Vater Roger Vigod mit Wilhelm
dem Eroberer nach England gekommen war. Nach
dem erbelosen Tod Roger Bigods, fünften Gra-
fen von N., sielen 1306 Besitz und Würde an die
Krone. Eduard I. erhob seinen Sohn zweiter Ehe
Thomas von Brotherten(geb.1300,gest.1338)
zum Grafen von N. und Marschall von England;
ein Urenkel von diesem in weiblicher Linie, Tho-
mas Mowbray, Graf von Nottingham, wurde
1397 von Richard II. zum HerzogvonN. ernannt.
Einen Stxeit, den er mit dem Herzog vonHerejord,
dem spätern Heinrich IV., hatte, entschied Richard
1398 durch beider Verbannung, in der N. schon
1399 starb. 1424 erhielt der Graf-Marschall John
M owbray den Herzogstitel von N. Er starb schon
1432 und sein Sohn John N. wurde 1444 in dieser
Würde bestätigt. Dieser nahm auf feiten Jorks
teil am Nosenkrieg und starb 1461 ohne Erben.
Richard III. übertrug bei seiner Thronbesteigung
die Würden eines Herzogs von N. und Graf-Mar-
schalls auf das Haus Howard (f.d.), in dessen Besitz
sie noch heute sind. 1483 wurde JohnHoward,
Sohn des mit Margarete Mowbray vermählten
Sir Robert Howard, zum ersten Herzog von N. er-
nannt. Er war ein treuer Anhänger Jorks, war
1470 Lord Howard geworden und unter Eduard IV.
Mitglied des Rates. Er fiel auf der Seite Richards
bei Vosworth 1485, wurde nachträglich unter Hein-
rich VII. deshalb geächtet und seine Güter einge-
zogen. Sein ältester Sohn Thomas Howard,
von Richard zum Grafen von Surrey erhoben,
erhielt diesen Titel, nicht aber die Herzogswürdc
seines Vaters zurück. Er focht 1495 gegen Schott-
land, nahm vor allem teil an Heinrichs VII. aus-
wärtiger Politik und erfocht unter Heinrich VIII.
1513 den entscheidenden Sieg bei Flodden (s. d.)
über die als Bundesgenossen Frankreichs in Eng-
land eingefallenen Schotten. Heinrich VIII. gab ihm
darauf auch den Titel eines Herzogs von N. zu-
rück. Er muhte noch dem Gericht, das den Herzog
von Buckingham verurteilte, Vorsitzen und starb
21. Mai 1524.
Sein Sohn Thomas Howard, GrafSurrey,
dritterHerzog vonN., geb. 1474, spielte bis zumTode
Heinrichs VIII. eine bedeutende, wenn auch wenig
ehrenvolle polit. Rolle. Er war dauernd der Führer
von Hofparteicn, mit denen er zuerst den Kardinal
Wolsey und seine Friedenspolitik bekämpfte und dann
als Haupt der kath. Partei Thomas Cromwell und
dessen prot. Bestrebungen Hindernisse in den Weg
legte. Beide großen Staatsmänner hat er gestürN,
beide auf dieselbe Weise, indem er durch weibliche
Verwandte den sinnlichen Monarchen umgarnen ließ.
Zwei seiner Nichten, Anna Boleyn und Katharina
Howard, sind dadurch als Gattinnen Heinrichs auf
den Thron gekommen. Beide endeten auf dem
Schafott. Während er im Felde gegenIrland(1521),
Schottland (1542) und Frankreich (1544) sich nicht
ohne Geschick zeigte, gingen seine polit. Fähigkeiten
nicht über die geschickte Leitung von Hofintriguen
hinaus. Er war selbstsüchtig, ehrgeizig und völlig
gewissenlos und hat selbst am Untergang der Anna
Boleyn mitgearbeitet. Er überdauerte alle seine
Opfer; erst zuletzt, als Heinrich VIII. wieder eine
Wendung zum Protestantismus einschlug, schien
auch ihn das Schicksal zu erreichen. Er und sein
Sohn Graf Surrey wnrden Dez. 1546 verhaftet,
der letztere endete unter dem Beil, aber noch vor Be-
endigung des Verfahrens gegen N. starb der König
Jan. 1547. Unter dem prot. Regiment Eduards VI.
mußte N. im Tower bleiben, Maria I. setzte ihn in
alle Ehren wieder ein. Er starb 25. Ang. 1554.
Thomas Howard, vierter Herzog von N., der
Sohn des hingerichteten Grafen Surrey, geb. 1536,
gab sich unter Elisabeth für einen Anhänger der
Staatskirche aus, arbeitete aber insgeheim für die
kath. Partei in der Hoffnung, durch sie seine Vermäh-
lung mit der gefangenen Maria Stuart zu erreichen.
Seine Pläne wurden von Cccil entdeckt, er wurde
gefangen gefetzt, aber bald wieder freigelassen. Er
fuhr in seinen Umtrieben fort und gab ihnen durch
die Anrufung Philipps von Spanien einen ernstern
hochverräterischen Charakter. Philipp versprach Hilfe
für den geplanten Aufstand; aber da Cccil von allen
Anschlägen wußte, wurde N. verhaftet und 2. Juli
1572 enthauptet.
Sein Sohn Philipp Howard nahm statt des
durch die Acht des Vaters verwirkten Titels kraft
Rechtes seiner Mutter, der Erbtochter des Grafen
von Arundel, diese Würde an, auch er wurde
1590 wegen Hochverrates verhaftet und starb 1595
im Tower. Sein nächstältester Bruder, William
Howard, wurde 1603 als Lord Howard wieder in
die Rechte seines Blutes eingesetzt und dessen Enkel
Charles 1661 zum Grafen von Carlisle (s. d.)
erhoben. - Der Sohn des Grafen von Arundel,
Thomas Howard, Graf von Arundel, erhielt
1603 von Jakob I. die Würde eines Grafen von Sur-
rey und 1644 wenigstens die eines Grafen von
N. wieder zurück. Er zeichnete sich dnrch Kunstsinn
aus und kaufte die jetzt in Oxford befindlichen, als
Arundel-Marbles bekanntenDenkmäleran. (S.Mar-
morchronik.) Er starb 1646. Die Würde eines fünften
Herzogs von N. und den Titel eines Graf-Mar-
schalls erhielt erst sein Enkel Thomas Howard
1664; jedoch blieb den N. die öffentliche Laufbahn
verschlossen, weil sie entschieden am Katholicismus
festhielten. Als die gerade Linie 20. Sept. 1777 mit
Edward Howard, neuntem Herzog von N., erlosch,
gingen Titel und Würden an Charles Howard, einen
entfernten Verwandten über, der ebenfalls streng
katholisch war und 31. Aug. 1786 starb.
Dessen Sohn Charles, elfter Herzog von N.,
geb. 1742, entfagte 1780 dem Katholicismus, trat
als Graf Surrey ins Unterhaus, hielt sich zur Oppo-
sition gegen Nortb und Pitt und setzte diese im Ober-
haus seit 1786 fort. Er genoß seiner regellosen
Sitten wegen geringes Ansehen und starb ohne Er-
ben 1815. - Ihm folgte der Urenkel eines jüngern
Bruders des fünften Herzogs vonN., Bernard
Edward Howard, geb. 1765, als zwölfter Herzog
von N., der nach der Katholikenemancipation 1829
als erster kath. Peer im Oberhaus erschien. Er starb
1842. - Sein einziger Sohn Henry Charles
Howard, dreizehnter Herzog von N., geb. 1791,
war seit 1832 Unterhausmitglied und eifriger Whig;
1846 wurde er Oberstallmeister. 1851 trat er zum
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