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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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North-West-Territories - Norwegen

North-West-Terrĭtŏries, s. Nordwestterritorien.

Northwich (spr.-witsch), Stadt in der engl. Grafschaft Cheshire, an dem Grand-Trunk-Kanal und dem Zusammenfluß des schiffbaren Weaver und Dane, Eisenbahnknotenpunkt, 24 km im ONO. von Chester, hat (1891) 14914 E., Eisen- und Messinggießerei und Baumwollmanufakturen und ist Hauptsitz des Salinenbetriebes und Salzhandels in England. In der Umgegend werden jährlich 50000 t Quell- und z. B. aus Marston Mine 200000 t Steinsalz gewonnen.

Norton (spr. nohrt'n), Caroline Elizabeth Sarah, engl. Schriftstellerin, eine Enkelin des berühmten Richard Brinsley Sheridan, geb. 1808. N. schrieb 1829 "The sorrows of Rosalie", eine rührende Geschichte aus dem Landleben. 1827 verheiratete sie sich mit George Chapple N., dem Bruder des Lord Grantley. Die Ehe war aber unglücklich und wurde März 1836 nach einem skandalösen Prozeß getrennt. 1877 vermählte sie sich mit Sir William Stirling-Maxwell, starb aber bereits 14. Juni desselben Jahres. Zu ihren besten Werken gehören "The undying one" (1830), "The dream" (1840) und "The child of the islands" (1845), dessen Titel den Prinzen von Wales bezeichnet, und worin sie die Mißverhältnisse der gesellschaftlichen Zustände Englands darstellt. Erwähnung verdienen ferner ihre Kinderschrift "Aunt Carry's ballads" (1847), die Romane "Stuart of Dunleath" (1847), "Lost and saved" (1863; deutsch von Seybold, 4 Bde., Lpz. 1863), "The Lady of La Garaye" (1861), "Old Sir Douglas") (1867) und die Erzählung "The rose of Jericho" (1870).

Norton (spr. nohrt'n), Charles Bowyer Adderley, Lord, konservativer engl. Staatsmann, geb. im Aug. 1814, studierte in Oxford die Rechte, trat 1841 in das Parlament, wurde 1858 Präsident des Gesundheitsamtes und Vicepräsident des Rats für Erziehungswesen, war 1866-68 Unterstaatssekretär für die Kolonien, 1874-78 Präsident des Handelsamtes und wurde 1878 als Lord N. ins Oberhaus versetzt. 1883 war er Mitglied der Kommission für Erziehung und Unterrichtsreform. N. hat sich besonders um die Verwaltung der Kolonien verdient gemacht, auch einige Schriften über Erziehung und Strafrecht herausgegeben.

Norton (spr. nohrt'n), Thomas, s. Dorset (Titel).

Nortonsund, Busen des Beringmeers, in den der Jukon mündet.

Nortorf, Flecken im Kreis Rendsburg des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, an der Linie Neumünster-Bamdrup der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Kiel), hatte 1890: 1857, 1895: 2018 evang. E., Post, Telegraph; Wollspinnereien, Käsefabriken, Färberei, Molkerei, Brauerei, Landwirtschaft und Viehhandel.

Nôrûs, soviel wie Naurûz (s. d.).

Norwalk (spr. -wahk), Orte in den Vereinigten Staaten von Amerika. 1) Stadt im County Fairfield in Connecticut, zwischen Neuyork und New-Haven, an der Mündung des Norwalkflusses in den Long-Island-Sund, hat (1890) 17747 E., vortrefflichen Hafen und Fabriken von Wollwaren, Schuhen, Hemden, Schlössern, Korsetts, Eisengießereien u.s. w. N. ist Seebad und Sommerfrische. - 2) Hauptort des County Huron in Ohio, südlich von Sandusky, in ackerbauender Gegend, mit mehrfacher Bahnverbindung und (1890) 7195 E., bildet fast nur eine lange, von Ahornbäumen beschattete Straße, hat Säge- und Getreidemühlen und verschiedenartige andere Industrie.

Norwegen (norweg., schwed. und dän. Norge), Königreich auf der Westseite der Skandinavischen Halbinsel, grenzt im N. an das Eismeer, im O. an Rußland und Schweden, im S. an das Skagerrak und im W. an die Nordsee, den Atlantischen Ocean und das Eismeer. Das Land erstreckt sich in schmalem Streifen von Kap Lindesnäs bis zum Nordkap und von 4° 34' bis 31° 10' östl. L. von Greenwich. Seine Länge beträgt etwa 1750 km, die Breite im N. des 63. Grades teilweise nur 15 km, im S. nie über 420 km. Der Küstensaum hat in gerader Linie etwa 2800 km Länge. Die Landgrenze beträgt 2540 km, wovon 870 gegen Rußland und 1670 gegen Schweden. Der Flächeninhalt des Landes beträgt offiziell 322304, nach Strelbitskij 325423 qkm; hiervon liegen etwa 39000 qkm in mehr als 1000 m absoluter Höhe, etwa 91000 qkm zwischen 500 und 1000 m. Die Mittelhöhe des ganzen Landes ist 490 m. Die Seen nehmen 7694 qkm, die unbewohnbaren Fels- und Schneewüsten wenigstens 240000 qkm ein. (S. Karte: Schweden und Norwegen, beim Artikel Schweden.)

Über die Oberflächengestaltung s. Skandinavien.

Bevölkerung. N. ist ungemein dünn besiedelt. Es zählt (Jan. 1891) 1988674 (951290 männl., 1037384 weibl.) E., d. i. nur 6 E. auf 1 qkm (nach einer Schätzung für 1896: 2050000 E.). Auch die bestbewohnten Ämter Söndre-Throndhjem und Jarlsberg og Laurvik haben nur 29 und 42 E. auf 1 qkm, während Finmarken fast menschenleer ist (0,6). Die ländliche Bevölkerung (1526788 E.) wuchs seit 1875 jährlich nur um 0,52 Proz., die städtische (474129 E.) um 7,14 Proz. Die Vermehrung durch den Überschuß der Geburten (1891: 26865) wird durch starke Auswanderung (1887: 20741, 1890: 10991, 1892: 17049), die fast ausschließlich nach den Vereinigten Staaten gerichtet ist, wieder gemindert. Die Sterblichkeit ist die niedrigste in Europa.

Mit Ausnahme der (1875) 14645 ansässigen und 1073 nomadisierenden Lappen (in N. Finnen genannt) in den nördlichsten Gegenden (s. Lappland) und der dort eingewanderten Kväner (Finnen, 1875: 7594) sowie der Fanter (d. i. Zigeuner), die keine festen Wohnsitze haben, sind die Norweger nordgerman. Stammes. In ihnen gelangt infolge der ausgeprägtern Natur des Landes auch der skandinav. Volkscharakter in seiner größten Schärfe zum Ausdruck. Von Natur ein kräftiger Menschenschlag, haben die Norweger im ganzen das echt german. Gepräge bewahrt.

Die weit überwiegend größte Zahl der Norweger bekennt sich zur luth. Kirche, welche hier wie in Schweden und Dänemark die bischöfl. Verfassung (6 Bistümer, 83 Proostier oder Archidiakonate und 470 Kirchspiele) beibehalten hat und die Staatskirche bildet. Doch besteht freie Religionsübung. Katholiken giebt es (1891) 1004, Methodisten 8187, Baptisten 4228, Juden 214.

Im ganzen giebt es 61 Stadtkommunen, wovon 39 Kaufstädte (Kjöbsteder) und 22 Ladestellen (Ladesteder), die an den zugänglichsten Stellen der Küste liegen. Hamar, Lillehammer, Kongsvinger, Gjövik und Hönefos sind erst in neuester Zeit zum städtischen Range erhoben worden. An andern geeigneten Küstenpunkten befinden sich nur bei Häfen Strandstellen und Fischörter oder Kieze (Strandsteder und