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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Oberschlesisches Steinkohlenbecken - Oberst
Neisse-BriegerEisenbahngesellschafterbaute,25.Iuli
1847 eröffnete Linie Brieg - Neisse (47,42 km), und
von der Wilhelms-Eisenbahngesellschaft die 1844
und 1853 genehmigten, 1857 vom Staate in Ver-
waltung übernommenen Linien Cosel-Ratibor-Lan-
desgrenze bei Oderberg (53,86 km), Nendza-Ida-
weiche (69,14 km) mit Zweigbahn (11,26 km) und
Ratibor-Leobschütz (37,70 km). 1853 hatte die Ober-
schlesische Eisenbahngesellschaft ihr Unternehmen auf
den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von Breslau
nach Posen (211,08 km) ausgedehnt; 1868 erhielt
sie die Genehmigung zur Fortsetzung nach Bromberg
und Thorn (185,90 km). Die Vreslau-Mittelwalder
Eisenbahn von Breslau über Camenz und Glatz bis
zur Landesgrenze bei Mittelwalde (135,9? km) und
von Cosel über Rasselwitz, Neisse und Camenz nach
Frankenstein (122,50 km) wurden 1866 genehmigt;
Bau und Betrieb der Zweigbahnen von Leobschütz
und Ziegenhals nach der Landesgrenze bei Jägern-
dorf wurden 1871 und 1872 genehmigt. 1872 er-
warb sie die von der Niederschlesischen Zweigbahn-
gesellschaft auf Grund der Genehmigung von 1844
erbaute Linie Glogau-Sprottau-Sagan-Hansdorf
bez. Sorau (83,76 km); 1873 wurde der Bau der
Bahn Oppeln-Groß-Strehlitz-Morgenroth (77,86
Km) genehmigt. Zu dem oberschles. Eisenbahn-
unternehmen gehörte auch die von der Stargard-
Posener Eisenbahngesellschaft auf Grund der Ge-
nehmigung von 1846 erbaute Linie Pofen-Stargard
(172,3i Km), die 1851 dem Staate zum Betriebe
überlassen und von letzterm 1865 der Oberschlesi-
' schen Eisenbahngesellschaft so lange im Betrieb über-
geben wurde, bis die Bahn Eigentum des finan-
ziell beteiligten Staates würde. 1884 wurde das
oberschles. Eisenbahnunternehmen (ohne Stargard-
Posen und die nur dem Güterverkehr dienenden
schmalspurigen Zweigbahnen, 105,18 km, im ober-
schles. Bergwerks- und Hüttenbezirk, 1454,75 km
unpassend) verstaatlicht. Die frühere königl. Direk-
tion der O. E. führt feitdem die Bezeichnung Königl.
Eisenbahndirektion zu Breslau. (S. Preußische
Eisenbahnen.)
Oberfchlesifches Steinkohlenbecken. Das
O. S. liegt im südl. Teile Schlesiens in den Kreisen
Beuthen,Pleß, Natibor und Rybnik, umfaßt einen
Flächenraum von nahezu 500 hkm, erstreckt sich aber
auch bis nach Polen und Österreichisch- Schlesien
hinein. Nach Verghauptmann von Dechen soll der
deutsche Anteil in einer Tiefe bis zu 600 m etwa
50000 Mill. t Kohlen enthalten, in größerer Tiefe,
die jedoch mit den heutigen technischen Hilfsmitteln
sehr hohe Abbaukosten erfordern würde, noch wei-
tere 200000 Mill. t. Die Kohle enthält 83 - 86
Proz. Kohlenstoff, 5 -6Proz. Wasserstoff, 4-10
Proz. Sauerstoff, 0,5-1 Proz. Stickstoff, 0,i-1 Proz.
Schwefel, 1,5-3 Proz. Asche, giebt 7000-7900
Wärmeeinheiten und liefert 70 - 76 Proz. Aus-
beute an Koks. Ihres hohen Brennwertes wegen
ist sie sehr geschätzt, vorzüglich ist ihre Festigkeit,
worin sie den besten Kohlensorten der Erde min-
destens gleichsteht, ebenso ihr Stückfall, da 30-
40 Proz. der Förderung Stückkohlen sind. Sie
würde sich daher vorzüglich für die überseeische Aus-
fuhr eignen, wenn Oberschlesien nicht.so weit von
der Seelüfte entfernt wäre. Da die Kohlen regel-
mäßig gelagert sind, der Abbau zu großen Tiefen
noch nicht vorgeschritten ist, sind die Förderkosten
mäßig. Am Schacht betrug (Anfang 1896) der Durch-
schnittspreis für 1t 5,5 M.
Gefördert wurden:
Jahr
Tonnen
Jahr
Tonnen i
1790 1842 1860 1870
7 850 546 858 2 478 276 5 854 403
1877 1880 1890 1895
8 101 052 11 725 403
16 008 734 18 069 937
Nach Abzug des Selbstverbrauchs gelangten (1895)
16541383 t'im Werte von 90470988 M. zum Ver-
kauf. Beschäftigt waren Anfang 1894 im O. S.
53167 Arbeitskräfte, darunter (nur zu Tage, nicht
unterirdisch) 3937 weibliche. Die bedeutendsten Gru-
ben sind die Staatsbergwerke Königin-Luisen-Grube
und Königsgrube mit einer Förderung von 3,9 Mill. t,
die der Aktiengesellschaft Vereinigte Königs- und
Laurahütte gehörenden Laurahütten- und Gräsin-
Laura-Grube mit 1,6 Mill. t in Königshütte, die Gru-
ben der Grafen Guido und Hugo Henckel von Don-
nersmarck bei Schwientochlowitz und Kattowitz, der
Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau und Zink-
hüttenbetrieb bei Morgenroth, der Bergwerksgesell-
schaft Georg von Giesches Erben bei Heinitz und
Morgenroth mit 1,3 Mill. t, der Friedenshütte bei
Zabrze, der Rufferfchen Erben bei Nuda, der Ober-
schlestschen Aktiengesellschaft für Kohlenbergbau bei
Orzesche, der Vorsighütte bei Biskupitz u. a. m. Der
Absatz erstreckt sich bis tief nach Polen und Aster-
reich hinein, im Norden teils mittels Bahn, teils
auf dem Wasserwege der Oder und der Kanalver-
bindung Oder-Spree (Havel) und Weichsel bis nach
Stettin, Danzig und andern Ostseehäfen, in großen
Posten nach Berlin und weiter bis zur Elbe.
Obersee, s. Bodensee und Königssee, über den
O. in Nordamerika s. Oberer See.
Oberfeeamt, eine Neichsbchörde mit dem Sitze
in Berlin, welche auf die Beschwerde gegen die
Entscheidung eines Seeamtes (s. d.) über den Antrag
des Reichskommissars, einem deutschen Schiffer,
Steuermann oder Maschinisten die Befugnis zur
Ausübung feines Gewerbes zu entziehen, zu erken-
nen berufen ist. Es bildet eine kollegiale Behörde
und besteht aus einem Vorsitzenden, welcher die Be-
fähigung zum Nichteramt haben und für die Dauer
des von ihm gerade bekleideten Amtes oder auf Le-
benszeit ernannt sein muß, und aus sechs Mitglie-
dern, von welchen wenigstens drei der Schiffahrt
kundig fein müssen.
Oberselters, s. Niederseltcrs.
Obersitzko, Stadt im Kreis Samter des preuß.
Reg.-Bez. Posen, links an der Warthe, an der Ein-
mündung der Eamica in dieselbe, hatte 1890:1544,
1895: 1563 E., darunter 510 Katholiken und 350
Israeliten, Post, Telegraph, kath. und hölzerne
evang. Kirche, Vorsckußverein; Strumpfwirkers,
Gerberei, in der Nähe Säge- und Walkmühlen sowie
eine Spiritus- und eine Kalkbrennerei.
Oberst, früher auch Obrist, die dem Generals-
rang nächststehende niedrigere ^tabsofsizierscharge.
Ursprünglich wurde der Äefehlshaber einer Kriegs-
macht so genannt (Feld- oder Kriegs ob erst),
dann insbesondere der eines Regiments, worauf
bei der Bildung des Offizierkorps im 16. Jahrh,
ein bestimmter Grad damit bezeichnet wurde. Ge-
genwärtig ist der O. meist Regiments-, zuweilen
Brigadecommandeur, kann aber auch in andern
Funktionen stehen, über den Chargengehalt des O.
(als Regiments- oder Brigadccommandeur) s. Dienst-
einkommen.