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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ocka - O'Connell
Sie werden im Frühjahr warm ausgesät und spä-
ter in Töpfe oder ins freie Land gepflanzt. Aus O.
Vasilicuin wird das Basilikumöl (s. d.) gewonnen.
Ocka, Gewicht und Maß, s. Oka.
Ockeghem(Ockenheim), Jean dc, uiederländ.
Komponist, war zwischen 1420 und 1430, wie es
scheint, zu Termonde in Flandern geboren und
hatte wahrscheinlich den Gilles Vinchois znm Lehrer.
Später wirkte er lange Zeit als erster Kapellsänger
am königlich franz. Hofe; um 1484 war er zugleich
noch Thesaurarius an der Kathedrale St. Martin
in Tours. O. starb in hohem Alter kurz nach 1512.
Neben Hobrecht gehört O. zu den Führern der sog.
Zweiten niederländ. Schule, die das Princip des
sog. caiiwg Ki-inug, d. h. die Entwicklung einer
Reihe von Sätzen aus einem Hauptthema, mit rück-
sichtsloser Konsequenz vertrat und durch ihre Künste-
leien die Reaktion der Palestrina und Genossen
heraufbeschwor. Um die Ausbildung der Harmonie
und der Satzformen hat sie jedoch große Verdienste.
Die Werke O.s (Messen, Motetten, franz. Chansons)
sind zum größten Teil verloren gegangen. - Vgl.
Vrenet, I. de O. (1893).
Ockel, Eduard, Maler, geb. 1. Febr. 1834 zu
Schwante in der Mark Brandenburg, wurde 1852
Schüler Eteffecks in Berlin und ging 1858 nach
Paris, wo er sich kurze Zeit bei Couture, dann in
der Normandie und im Walde von Fontaincbleau
weiter bildete. 1860 nach Berlin zurückgekehrt, wid-
mete er sich der Tier- und Landschaftsmalerei. Außer
den vier Ölbildchen (Kühe, Hochwild) in der Ber-
liner Nationalgalerie sind zu nennen von seinen
Tierstücken: Pflügende Ochsen in der Mark (1865),
Schreiender Hirsch am Gamengrund (1870), Aus-
tretende Rehe (1874), Kämpfende Hirsche (1876),
Mhe auf der Heimkehr (1888), Hochwild in der
Schorfheide (1889); von seinen Landschaftsbildern:
Die Mark bei Kloster Chorin im Spätherbst (1879),
Der Herrensee in der Mark (1881), Abend am
Gamensee (1883).
Ockeufuß, Lorenz, s, Oken.
Ockenheim, Komponist, s. Ockeghem.
Ocker, Och er, eine Gruppe von Mineralien,
die in Form einer weichen, zerreiblichcn und abfär-
benden Masse vorkommen, z. B. Eisenocker, Nickel-,
Wismut-, Chromockcr u. s. w. Ohne Beisatz ge-
braucht, bezeichnet O. im besondern den Eisenocker,
der als Farbstoff zum Malen und Anstreichen ge-
braucht wird und entweder Eisenoxyd von roter
Farbe (roter O.) oder Eisenoxydhydrat von gelber
bis brauner Farbe (gelber, brauner O.) ist.
Die letztern beiden werden durch Glübcn (Brennen)
mehr oder weniger schön rot und heißen dann ge-
brannter O. Meist ist der in der Natur sich fin-
dende Eisenocker ein Gemenge von Thon mit Eisen-
oxyd. Solche Gemenge stellt man fabrikmäßig dar
und erhält auf diese Weise die Ockerfarben.
Ocker, Fluß und Dorf, s. Oker.
Ockiat, marokk. Gcldgröfte, s. Uckia.
Ocua, zwei Städte in Rumänien, in der Hügel-
zone am Fuße der Karpaten gelegen, wo sich zwei
der vier großen rumän. Steinsalzbcrgwerke befinden.
O. (Tirgu O.), im Kreis Vakau'<Moldau), mit
4076 E./lieferte 1891:1382174 kF; O. (Ocnele
Mari), im Kreis Valcea (Kleine Walachei), mit
3995 E., 1142016 kF. Beide Orte stehen in Ver-
bindung mit der Hauptbahn. In den beiden Berg-
werken arbeiten auch zur Zwangsarbeit Verurteilte.
Ocnele Mari, Stadt in Rumänien, s. Oma.
O'Connell, Daniel, irländ. Agitator, geb.
6. Aug. 1775 zu Carhen (Grafschaft Kerry), wurde
von Jesuiten in Frankreich erzogen, studierte seit
1794 im Niääl6 ^in^Io zu London die Rechte und
wurde 1798 Advokat beim königl. Gerichtshof zu
Dublin. Bei Reorganisierung des Katholischen Ver-
eins trat er 1809 zuerst als Volksredner auf und
erwarb sich durch seine Beredsamkeit großen An-
hang. Erstrebte danach, die Kräfte der irischen
Nation gegen den Druck der engl. Rcgierungs-
gewalt zu vereinigen, gab mit seinem Freunde Shiel
dem Verein eine demokratische Ausbildung und regte
in den größern Städten die Gründung volkstüm-
licher Zeitschriften an. Als 1825 der Verein von
der Regierung unterdrückt wurde, stellte er ihn unter
dem Namen Iri8k (^tlioIio^FZociation (s. d.) wieder
her. Von der Grafschaft Cläre wurde er 1828 ins
Unterhaus gewählt, aber als Katholik vom Eintritt
ausgeschlossen. Die außerordentliche Bewegung, die
diesem Vorgang folgte, that das Ihrige, um das
Ministerium Wellington in der Katholitenfrage zur
Nachgiebigkeit zu bewegen. Im April 1829 wurde
die Katholikenbefreiung Gesetz, und im Febr. 1830
trat O. ins Unterhaus ein. O. beantragte die Ab-
schaffung des prot. Pfarrzehnten in Irland und
verkündete im Sommer 1830, daß der Widerruf
Mepeal) der legislativen Union zwischen England
und Irland der einzige Weg sei, letzterm Gerechtig-
keit zu verschaffen. Bei den Wahlen, die 1832 zum
erstenmal nach der Parlamentsreform stattfanden,
ward er selbst in Dublin gewählt; außerdem traten
von 105 Abgeordneten, die Irland schickte, 40 als
seiue Gefolgschaft, "O'Oonnell'Z taii" (O.s Schweif),
ins Unterhaus.
Eine günstige Stellung zur Negierung erhielt O.,
als er 1835 erfolgreich für den Sturz der Tories
und den Eintritt des Whigkabinetts Melbourne
wirkte; er brachte eine Armenbill für Irland ein
und setzte wenigstens eine Erleichterung der drücken-
den Zehnten durch. Damals war seine Macht im
Parlament auf ihrer Höhe; doch veruneinigte er
sich bald nachher mit den Whigs, da auch diese nicht
alles thun konnten, was er für Irland und den
Katholicismus forderte, und griff sie seitdem ebenso
heftig an wie früher die Tories. Mit dem Sturze
der Whigs im Aug. 1841 wendete er seine Energie
nach der Gründung der I^o^al ^ation^i Ilopsai-
^ZZociation abermals der Ausbreitung der Repeal-
bewegung zu. Unter dem Einfluß der Repealer
wurde 0.1842 sogar zum Lord-Mayor von Dublin
erwählt, und durch den offenen Beitritt der kath.
Geistlichkeit nahm die Bewegung einen maßlosen
Aufschwung. Als O. Okt. 1843 eine Riesenversamm-
lung in der Ebene von Clontarf abhalten wollte,
schritt die Regierung mit Waffengewalt ein und
eröffnete gegen O. und die übrigen Führer einen
Staatsprozeß, der 10. Febr. 1844 mit seiner Verur-
teilung zu einjährigem Gefängnis und 2000Pfd.St.
Buße endete. Am 1. Sept. erklärte indes ein Peers-
gericht das Verfahren mehrerer Formverletzungen
wegen für nichtig, und O. wurde im Triumph aus
dem Gefängnis geleitet. Aber sein Einfluß hatte
einen Stoß erlitten, besonders durch seine jetzige
Befürwortung eines Bündnisses zwischen Großbri-
tannien und Irland; es kam eine Spaltung in die
Reihen seiner Anhänger, unter denen die Partei des
Jungen Irland auf die Trennung von England
durch gewaltsame Mittel hinzuarbeiten begann. O.,
der vollkommen begriff, welchen traurigen Ausgang