Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

556
Oidium - Oise
des Königs und erfüllte hiermit das Orakel. Seine
Mutter gebar ihm den Eteolles und Polyneikes, die
Antigone und Ismene. Die Folge dieser unnatür-
lichen Verbindung war eine Pest, von der das Ora-
kel nur dann Befreiung versprach, wenn der entfernt
werde, der den Aluch über das Land gebracht. Da
wurde, Zuerst vom Seher Teiresias, das Geheimnis
enthüllt. Iokaste erhenkte sich, O. stach sich beide
Augen aus, wurde vertrieben und, nachdem er nach
langem Umherirren, begleitet von seiner Tochter
Antigone (s. d.), in den Hain der Eumeniden bei
Kolonos in Attika gelangt war, auf geheimnisvolle
Weise von der Erde entrückt. Nach anderer Über-
lieferung war er in Eteonos auf der Grenze zwischen
Böotien und Attika begraben, wo er neben Deme-
ter heroische Ehren genoß. Doch auch zu Athen be-
fand sich in einem Heiligtum der Erinnyen, welches
zwischen der Akropolis und dem Areopag gelegen
war, ein Grabdenkmal des O. Der Besitz seiner Ge-
beine galt als ein Schutz gegen feindliche Einfälle.
Das unheilvolle Schicksal des Hauses aber setzte sich
fort in dem Bruderzwiste zwischen Eteokles und Po-
lyneikes, über welche der Vater wegen ihres hart-
herzigen Verhaltens gegen ihn den Fluch ausge-
sprochen hatte. (S. Sieben gegen Theben.) Von den
auf diesen Mythus bezüglichen Tragödien sind des
Sophokles' "König O." und "O. auf Kolouos", so-
wie von denjenigen, welche die Schicksale der Kinder
des O. behandelten, die "Sieben gegen Theben" des
Aschylus, die "Antigone" des Sophokles und die
"Phönizierinnen" des Euripides erhalten' aus der
röm. Tragödie der "Odipus" und die "Phönissä"
des Seneca. Auch die bildende Kunst hat die Schick-
sale des O. und seines Hauses häufig dargestellt. -
Vgl. Schneidewin, Die Sage vom O. (Gott. 1852)-.
Overbeck, Die Bildwerke zum thebischen und troi-
schen Heldenkreis (Halle 1853); Comparetti, Ncli^o
(Pisa 1867); Vr^al, 1.6 invtke ä'Osäjp" (in "516-
1anZ63 66 invtlwioFie", Par. 1877).
0'i'Äiuni ^ink, Eischimmel, Gattung von
Pilzen, deren Mycelium conidientragende Hyphen
entwickelt, die als die Conioienform von Perispo-
riaceen <s. Pyrenomyceten) anzusehen sind. Diese
Hyphen bilden an ihrer Spitze kettenartig gereihte
eiförmige Conidien (s. Tafel: Pflanzenkrank-
heiten, Fig. 6d). Von vielen Arten ist allerdings
der Zusammenhang mit Ascosporenfrüchten oder
Perisporiaceen noch nicht nachgewiesen, so z. B.
auch nicht für die bekannteste Art 0. luckLri Fei-/c.,
den Pilz der Traubenkrankheit (s. d.). Eine andere
wichtige Art ist der sog. Soorpilz, 0. a1kican8
Hob., der die unter den Namen Schwämmchen (s. d.),
Aphthen, Soor bekannte Mundkrankheit der Kinder
hervorruft. Außerdem ist noch zu erwähnen der
auf saurer Milch, auf Wein, Bier u. dgl. vorkom-
mende Milch eischimmel, 0. lactis ^>ei, welcher
früher fälschlich als der Erreger der Milchsäure-
gärung angesehen wurde.
Oidtmanns Purgativ, s. Geheimmittel.
Oignon (spr. onnjöng), franz. Fluß, f. Ognon.
Oigob, afrik. Volksstamm, s. Massai.
Qii (engl., spr. eul), Öl.
Oil-City (spr. eul ßitti), Stadt im County Ve-
nango im nordöstl. Teile des nordamcrik. Staates
Pennsylvanien, an der Mündung des Oil Creek in
den Alleghany, mit (1890) 10332 E., ist Haupt-
mi^telpunkt der sehr bedeutenden Petroleumproduk-
tion der Gegend, hat Petroleumraffinerien, natür-
liches Gas, Kesselsabrikation u. s. w. 1892 wurden
hier durch Entzündung eines Petroleumteichs Men-
schenleben und Häuser vernichtet.
Oineus (Öneus, d. h. der Weinmann), nach
der Ilias der Sohn des Portheus, Gemahl der
Althaia oder der Periboia, Vater des Tydeus und
Meleager und König von Kalydon in Ätolien. Seit
der Zeit der Tragiker gilt er als Vater der De'l'a-
neira und als Schwiegervater des Herakles. Nach
spätern Schriftstellern raubten dem O. die Söhne
seines Bruders Agrws die Herrschaft, gaben diese
ihrem Vater und mißhandelten O. sogar; O.' Enkel
Diomedes aber erschlug dafür den Agrios und dessen
Söhne bis auf zwei und nahm O. mit sich in die
Peloponnes, wo O. von jenen beiden Söhnen des
Agrios bei dem Altar des Telepbos in Arkadien er-
schlagen wurde. Diomedes bestattete ihn in Argos
und benannte nach ihm die Stadt Onoe. Nach an-
dern starb O. in hohem Alter bei Diomedcs in Argos.
Oinomaos, Vater der Hippodameia (s. d.).
Oinone, Insel, s. Agma.
Oinone, Gattin des Paris (s. d.).
Oinopion, d. h. der Weintrinker, s. Orion.
Oinufai, Inselgruppe, s. Önusen.
Oirat, soviel wie Kalmücken (s. d.). ^Fayencen.
Oiron-Fayencen (spr. öaröng), s. Heni-i-äsux-
Oifans (spr. öasäng), wildes, von der Romanche
durchflosfenes Alpenthal derDauphine-Alpen(s.West-
alpen) im franz. Depart. Isere, Arrondissement
Grenoble, war im Mittelalter ein Teil der Land-
schaft Graisivaudan. Hauptort ist Le Bourg d'Oisans
mit (1891) 2543 E.
Oise (spr. oahs'), rechter Nebenfluß der ^eine
in Nordfrankreich, entspringt in den Ardennen im
südlichsten Teil der belg. Provinz Hennegau (südlich
von Chimay), fließt nach SW., nimmt im Depart.
Aisne links Serre und Lette, im Departement O.
links Aisne und rechts Breche und Thsrain auf
und mündet im Depart. Seine-et-Oise 22 kin nnter-
halb Paris bei Conflans Ste. Honorine nach einem
305 kni langen Lauf. Die O. hat ein Flußgebiet von
16 677 hivin, ist durch Kanäle mit Schelde, Sambre
und Somme verbunden, wird oberhalb der Aisne-
müudung von einem 291cm langen Seitenkanal be-
gleitet und ist von Chauny ab 138 km weit schiffbar.
Oise (spr. oahs), franz. Departement, wird von
den Depart. Somme (N.), Aisne (O.), Seine-et-
Marne und Seine-et-Oise (S.), Eure und Seine-
InMeure (W.) begrenzt, umfaßt Teile der ehe-
maligeu Isle-de-France (Valois, Noyonais und
etwas von Soissonnais) und der Picardie (Teile von
Santerre und Amisnais), zählt auf 5854 hkin (1891)
401835 E. (1311 weniger als 1886), darunter
15 932 Ausländer, d. i. 68,7 auf 1 cikin, zerfällt in
4 Arrondisfements (Veauvais, Clermont, Com-
piögne, Senlis) und 35 Kantone mit 701 Gemein-
den. Beauvais ist Hauptstadt. Das Departement
O. wird von der O. und ihren Zuflüssen Aisne,
Breche und Th^rain bewässert, an der Südostgrenze
vom Ourcq und an der Westgrenze von der Epte
bespült, von zahlreichen niedrigen Hügelketten durch-
zogen, die sich im W. bis 235 m erheben, hat ein
gemäßigtes gesundes Klima und vorzugsweise Acker-
boden (4117 hkm), welcher (1894) 2451200 kl
Weizen, 258508 Iii Roggen, (1893) 4787,2 t Gerste
und 54587,5 t Hafer fowie Kartoffeln, Gemüse,
Zuckerrübeu, Flachs, Hanf, Apfel zur Ciderbereituna
(1894: 368953 KI), doch nur wenig Wein (1894:
2657 kl auf 201 Ka, 1884 - 93 im Durchschnitt
! 3076KI) liefert. GroßeForstesinddievonCompiegne,