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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Opprimieren - Optionsrecht
und andern Gegensätzen gebraucht, die im öffent-
lichen und namentlich im parlamentarischen Leben !
gegen das von feiten der Negierung festgehaltene
System hervortreten; auch die der Regierung und
Regierungspartei entgegenstehende Partei wird O.
cselkcMttt. - In der französischen Rechts-
sprache wird Opposition im verschiedenartigsten
Sinne gebraucht: es bezeichnet namentlich den Ein- ^
spruch gegen ein Versäumnisnrteil, den Widerspruch
gegen Vollstreckungsbefehle der Gerichts- und Ver-
waltungsbehörden, den Arrest auf Forderungen
und die Anzeige von dem Verlust eines Inhaber-
papiers (s.d., Bd. 9, S. 602 a).
über O. in der Logik s. Gegensatz, in der Astro-
nomie s. Aspekten.
Opprimieren (lat.), bedrücken, unterdrücken;
Op Pression, Unterdrückung, Beklemmung, beson-
ders Brustbeklemmung; oppressrv, unterdrückend,
niederhaltend.
Opritfchnina (russ., "Absonderung"), eine Ein-
richtung in Rußland, die von Iwan IV., dem
Schrecklichen, 1564 eingeführt wurde und darin be-
stand, daß er einen Teil des Reichs zu feiner eigenen
Verfügung abtrennte, sowie aus dem Ertrag des-
selben eine besondere Leibwache, ebenfalls O. oder
Opritschniki (Einzahl: Opritschnik) genannt,
hielt, die das Werkzeug seiner Grausamkeiten bil-
dete. Der übrige Teil des Reichs, der unter der Ver-
waltung der Bojaren blieb, hieß Semschtschina.
Die O. bestand aus 20 Städten mit ihren Bezirken
sMoshaisk, Wjasma, Koselsk, Susdal, Schuja, Ga-
litsch, Staraja Russa, Kargopol u. a.); auch qehörten
dazu mebrere Straßen Moskaus. Die O. wurde 1572
aufgehoben und die betreffenden Städte und Bezirke
wieder dem Reiche einverleibt.
Ops, eine altitalische Erdgöttin des Erntesegens,
die in engerer Beziehung zu Consus (s.d.) steht und
daher auch den Beinamen Consiva führt; ihre bei-
den Hauptfeste (25. Aug. und 19. Dez.) fallen jedes
vier Tage nach den beiden Hauptfeiern des Confus.
Unter dem Namen Opifera wurde sie als die hilf-
reiche Mutter neugeborener Kinder verehrt. Sie
hatte in Rom eine Kapelle in der Regia, dem alten
Königsfchloß, und einen Tempel anf dem Kapitol.
Später wurde sie mit der griech. Göttin Rhea iden-
tifiziert und daher zur Gattin des mit Kronos gleich-
gesetzten Saturnus gemacht.
Optant, s. Optionsrecht.
Optativ (vom lat. optai-e, wünschen), in der
Grammatik ein Modus (s. d.) des Verbums. Die
in der deutschen Grammatik Konjnnktiv genannte
Form ist eigentlich die Optativform, die im Goti-
fchen noch deutlich vorliegt, z. V. daii-iiis, "du mögest
tragen" - grch. pQLi-ois (cpipo-l-?). Ebenso gehört
der Konjunktiv des Lateinischen zum Teil dem ur-
sprünglichen O. an, z. B. 8ini, 8i8 (altlat. siös), 8imu8
ist der Form nach ein O.
Option" nervus, Sehnerv, s. Gehirn.
Optieren, s. Optionsrecht.
Optik (grch., d. h. Sehkunde), die Lehre vom
Licht (s.d.). Man unterscheidet eine geometrische
O., die in Dioptrik (s. d.) und Katoptrik (s. d.) zer-
fällt, und eine physikalische O., welche eine Reihe
von Erscheinungen (Beugung, Interferenz, Polari-
sation, Fluorescenz, Phosphorescenz u. s. w.), die
sich mit der geometrischen O. nicht erklären lassen,
aus der Wellennatur des Lichts zu erklären sucht.
Die praktische oder angewandte O. beschäftigt
sich mit der genauern Betrachtung der Linsen (s. d.),
Linsenkombinationen (s. d.) und der aus ihnen zu-
sammengesetzten optischen Instrumente, über die
Principien der O. und ihre Entwicklung s. Licht.
Außer der unter Licht angeführten Litteratur vgl.
Neumann, Vorlefungen über theoretifche O. (Lpz.
1885); Ketteler, Theoretische O. (Braunschw. 1885);
Meisel, Geometrische O. (Halle 1886); ders., Lehr-
buch der O. (Weim.1888); Gänge, Lehrbuch der an-
gewandten O. in der Chemie, Spektralanalyse, Mi-
kroskopie u. s. w. (Braunschw. 1886); Steinheil und
Voit, Handbuch der angewandten O. (Bd. 1, Lpz.
1890); Czapski, Theorie der optischen Instrumente
(Bresl. 1893); Heath, Lehrbuch der geometrischen O.
(deutsch von Kanthack, Berl. 1894). smente.
Optiker, Optikus, Verfertiger optischer Instru-
Optilna. torin". (lat.), in bester Form.
Optimätss und?opu1ä.re8 (lat., "die Besten"
und "die Volksgenossen"), in der ausgehenden röm.
Republik die beiden großen polit. Parteien. Den
Kern der 0ptimg.t68 bildeten der Senat und der
Amtsadel (s. Nodil68), ihr Charakter ist im ganzen
konservativ; zu den ?opuwr68, der Opposition, zähl-
ten die Kleinbauern und Handwerker, das haupt-
städtische Proletariat und vielfach auch die Ritter.
Optiins (lat.), sehr gut, vortrefflich.
Optimismus (vom lat. optimu8, der Beste) und
Pessimismus (vom lat. i)688imu8, der Schlechteste),
im populären Sinne die Neigung, alles von der
besten oder aber von der fchlimmsten (^eite zu neh-
men; im philos. Sinne die Lehre, daß diese Welt
im ganzen entweder die beste oder die schlechteste der
möglichen Welten sei. Die erstere Meinung besagt,
daß alle scheinbare Unvollkommenheit im einzelnen
für den, der das Ganze übersähe, sich in Wohlord-
nung und Vollkommenheit auflöfen würde, und ist
in vielen Systemen alter und neuer Philosophen
mehr oder weniger deutlich zu erkennen, besonders
aber von Leibniz ausgebildet worden, der in seiner
Theodicee (Rechtfertigung Gottes) geradezu be-
weifen will, daß Gott unter allen möglichen Welten,
die sein unendlicher Verstand sich dachte, die beste
ausgewählt und ins Dasein gerufen haben müsse.
Eine meisterhafte Kritik dieser Ansicht enthält Kants
Schrift: "über das Mißlingen aller philos. Versuche
in der Theodicee" (1791). Die gegenteilige Ansicht
des Pessimismus ist nicht minder weit verbreitet
und z. B. im christl. Glauben als wesentlicher Be-
standteil enthalten. Systematisch ansgeprägt wurde
sie hauptsächlich von Schopenhauer und von Hart-
mann. Bei beiden Richtungen hat man wohl aus-
einander zu halten, ob es sich bloß um den Gegensatz
von Wohl und übel, Lust und Unlnst, Glückseligkeit
und Elend oder um den rein sittlichen von Gut und
Böse handelt. So ist der christl. Pessimismus über-
wiegend ethischer Natur (obwohl auch die Neigung,
die Welt als ein Jammerthal anzusehen, nicht fehlt);
wogegen der neuere metaphysische Pessimismus bei
Schopenhauer und Ed. von Hartmann, aber auch
der Optimismus bei Leibniz überwiegend auf die
Frage der Glückfeligkeit Bezug hat. - Vgl. Golther,
Der moderne Pessimismus (Lpz. 1878); Caro, 1.6
Ii688iini8iu6 an 19^ 8ieci6 (Par. 1878).
Optiinus Nl2.xilnrl8 (lat., "der Beste, Größte"),
Beiname Jupiters. Mahlvermächtnis.
Optio isFäta. (lat.), d. i. vermachte Wahl,
Option (lat.), Wahl, f. 5n8 optioni8.
Optionsrecht, Wahlrecht (s. ^n8 0ptioiii3), be-
sonders der bei vertragsmäßiger Abtretung (s. d.)
eines Gebietsteils zu Gunsten der Einwohner des-