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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Optschina - Opus operantum
stimmung seines Nahepunktes die Accommodations-
weite desselben (s. Accommodationsvermögen) fest-
zustellen ermöglichen. Die O. von Portessield,
Doung und Stampfer beruhen auf dem Scheiner-
fche/l Sersuche (s. d.). Doung wählte zum Seh-
objekt eine vertikale, fchwarze Linie und machte seine
Messungen bei kurzsichtigen Augen direkt, bei nicht
kurzsichtigen durch Einschaltung einer sphärischen
Konverlinse von 10 cin Brennweite als Okular.
Stampfer verfuhr ähnlich, wählte indes statt der
schwarzen Linie eine vertikale Spaltöffnung. Eine
andere Reihe von O. beruht auf Sehprüfungen mit
oder ohne Korrektionsgläser. Ein beliebtes Prü-
fungsobjekt hierbei ist das Drahtoptometer (Coccius
und von Graefe), das aus einer Neihe parallel ge-
stellter feiner Fäden besteht, die dem Auge beliebig
weit genähert werden können und gegen einen hellen
Hintergrund zu betrachten sind. Auch feine Druck-
schrift wird als Prüfungsobjekt benutzt. Hierher
gehören das O. von Smee, Laurence, Äurow, Haß-
ner (modifiziert von Donders), bei denen die Seh-
objekte durch verschiedene positiv brechende Gläser
betrachtet werden. Ein drittes Princip, nach dem
O. konstruiert werden, ist das des Holland. Fern-
rohrs. Mit Bestimmung derjenigen Gläser, mittels
deren am deutlichsten in die Ferne gesehen wird, ist
gleichzeitig die Bestimmung der Refraktion getroffen.
Das viele Probieren der verfchiedenen Gläser zu
diesem Zwecke ist in mancher Beziehung unpraktisch;
es läßt sich indes eine veränderliche Vrechkraft durch
Verbindung eines positiven und negativen sphäri-
schen Glases herstellen, deren gegenseitiger Abstand
veränderlich ist. Auf folcher Vorrichtung beruht das
O. (Refraktometer, Refraktionskompensa-
t o r) von Albert von Graefe, bei dem ein Objektiv mit
verschiedenen Okularen in veränderliche gegenseitige
Abstände gebracht werden kann. Snellen und Lan-
dolt konstruierten auf diesem Princip eine Doppel-
brille aus zwei Paaren kombinierter Gläser. Auch
die chromatische Aberration des Auges kann zu
optometrischen Bestimmungen benutzt werden. Ein
sehr brauchbares O. hat Engelhardt konstruiert.
Optschina, Dorf bei Tnest (s. d.).
Opulsnz (lat.), Fülle der Macht, des Reichtums,
des Luxus; opulent, reich ausgestattet, üppig.
0puntia.HW., Fackeldistel, Feigendistel,
Feigenkaktus, indische Feige, eine zur Fa-
milie der Kakteen (s.d.) gehörende und nur in Ame-
rika einheimische, jetzt aber in einigen Arten und
Formen auch nach Asien, Afrika und Südeuropa
verbreitete Pstanzengattung mit gegen 150 Arten;
sie besitzen einen fleischigen, meist aus zusammen-
gedrückten Gliedern bestehenden, seltener walzlichen
Stamm, der nur an den jüngsten Trieben kleine
stielrunde oder pfriemensörmiqe, sehr hinfällige
Blätter trägt, sonst aber blattlos ist und aus den
Stachelbüscheln oder dem Rande oder Scheitel der
Glieder einzelne oder selten rispige gelbe, seltener
weiße oder rote Blüten treibt. Die hierher gehören-
den Pflanzen sind mit langen Stachelborsten be-
wehrt. Die Früchte sind feigenartig, nach Entfernung
der äußern stachligen Haut meistens eßbar, fchlei-
mig, mehr oder minder süß oder fade.
Am bekanntesten ist die sog. indische Feige oder
echte Feigendistel (0. vnl^ri3 ^A., Oacws
opuutia ^/.), die, schon früh aus Amerika gebracht,
in Südeuropa und Nordafrika angepflanzt und an
Felsen und dürren Orten verwildert ist. Ihre
Früchte sind groß und werden in jenen Gegenden
allgemein gegessen. Als Obstgehölz wird aber be-
sonders 0. tieus inäica, M?A. in vielen Varietäten
kultiviert. Eine zwerghafte Form dieser Pflanze,
die mit Unrecht für eine eigene Art (O. nana) ge-
halten worden ist, ist selbst in Südtirol und der südl.
Schweiz an sonnigen Felsen verwildert. Wichtig ist
für manche Gegenden Amerikas der Cochenille-
kaktus (Cochenillopuntie) oder die Nopal-
pflanze (0. coccii^iiitera. M"A., s. Tafel: Kak-
teen, Fig. 1), die sich durch rote, nickt ausgebreitete
Blüten und lang hervorragende Staubgefäße unter-
scheidet. Sie wird gleich der Tunaopunrie (0.
tuua. MM.), die durch die Anwesenheit langer
Stacheln kenntlich ist, in Südamerika im großen
angepflanzt, weil auf ihnen die Cochenilleschildlaus
(s. Cochenille) lebt. In neuerer Zeit hat man diese Kul-
tur auch mit Erfolg in Südfpanien, Sicilien und
Algerien eingeführt. Die Opuntien lassen sich leicht
durch abgeschnittene Stengelglieder vermehren, die
man mit der Schnittstäche in den Boden (leichten, mit
Humus vermengten Sandboden) steckt, wo sie sich
bald bewurzeln. Man zieht die 0. vulMi-is oft im
Topfe als Zimmerpflanze, um ihre saftigen Stengel-
glieder bei Wunden und Hautentzündungen, in
Stücke zerschnitten, zur Kühlung aufzulegen, woher
der Name Wund feige. Einige Arten dieser Gat-
tung ertragen den Winter im Freien recht wohl;
höchstens daß sie bei starker Kälte eine leichte Be-
deckung erfordern. Sie werden deshalb neuerdings
vielfach in Gärten angepflanzt, vor allen andern
0. I59.tu68(iuiÄU3. Z/nFs/m. und ihre aus Arkansas
stammende Form (var. ai-kanZ^na).
Opuntmen, Ordnung aus der Gruppe der
Dikotyledonen, Abteilung der Choripetalen, mit
nur einer Familie, der der Kakteen (s. d.).
Opns (lat.), Werk, Kunstwerk, Schrift, Kompo-
sition ; 0. anFiie5nuiu, ein Kunstwerk, an welchem
Weber und Goldschmied miteinander gearbeitet
haben; 0. anMcum, engl. mittelalterliche Stickerei,
welche in einer Art Kettenstich ausgeführt wurde;
0. Fkilicuiu (FHilicimum), Bruchsteinbau; 0. incei-
tum, röm. Mauerwerk aus Mörtelguß und unbe-
hauenen Steinen; 0. italicum, Steinbau; O.mailei,
aetriebene Hammerarbeit sowie Punzenarbeit zur
Verzierung des Metalls und als Art des Kupfer-
stichs; 0. ing.i-llioi'ü.tuiii, Mauerwerk mit Marmor-
mörtel; 0. luixtum, Mauerwerk, worin Quader-
und Ziegelbau wechseln; 0. inu8ivum, Mosaik; 0.
0p6l3.t,um, s. d.; 0. pkr^Ficuin, Stickerei; 0. i-eti-
culHwm, Netzwerk; 0. rusticum, Vossenwerk.
VpusoüluuK (lat.), kleines Schriftwert; Mehr-
zahl OMLcula, Sammlung von Aufsätzen verschie-
denen Inhalts.
Opns opsrätuln (lat.), nach kirchlichem Sprach-
gebrauch jedes Werk, das, an dem Menschen oder
für den Menschen vollbracht, auch ohne sein persön-
liches Zuthun demselben zu gute kommt. Nach röm.-
kath. Lehre bedarf es, um den Menschen zum Heil
zu führen, von seiner Seite weiter nichts, als daß er
der Wirksamkeit der kirchlichen Heilsveranstaltungen
kein Hindernis entgegensetzt. So wirken nament-
lich die Sakramente ex 0p6i-6 opsrato, d. h. rein
objektiv, ohne daß es erst des subjektiven Glaubens
bedarf, um sie wirksam zu machen. Die Reforma-
toren haben diefe rein objektive (magische) Wirk-
samkeit der Sakramente bekämpft und als unerläß-
liche Bedingung ihrer Wirksamkeit den persönlichen
Glauben gefordert, obwohl nur die reform. Kirche
diese prot. Grundanschauung festgehalten hat, wäh-