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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Or. - Oran
rend die schon zu Ende des 16. Jahrh, ausgebildete
luth. Sakramentslehre der rdm.-kath. Auffassung
sich wieder nähert, indem sie nicht bloß den Genuß
von Christi Leib und Blut im Abendmahl, sondern
auch die Heilswirkung der Taufe unabhängig vom
persönlichen Glauben erfolgen läßt. ^gon.
Or., Abkürzung für den nordamerik. Staat Ore-
Sr(Tre), schwed. Geldgroße, ursprünglich der
achte Teil einer Mark Silber oder 2 Lot Silber.
Als die Mark kleiner zu werden anfing, wurde aus
dem Ö. ein einzelnes Münzstück, von welchem trotz
allmählicher Verringernng immer acht auf eiue Mark
gingen. Neben den silbernen Ö. gab es gleichgeschätzt
kupferne Ö. oder Rundstücke. Von diesen O. Silber-
münzc unterschied man seit 1660 O. Kupfermünze,
welche nur den dritten Teil der silbernen galten.
Beide Sorten danerten noch im 18. Jahrh, fort,
wurden aber stark vermindert. Jetzt ist das Ö. als
Scheidemünze der hundertste Teil der Krone (s. d.)
und zwar - 1^/g Pfennig deutscher Neichswä'hrung.
Orade (Dorade), Fisch, f. Meerbrassen.
vra. ot ladora.! (lat.), bete und arbeite!
Orakel (lat.), bei den alten Römern sowohl die
angeblichen Götteraussprüche, welche an bestimmten
heiligen Statten den Anfragenden unter besondern
Gebräuchen erteilt wurden, als auch die Orte selbst,
an welchen man diese Götteraussprüche erhielt. Man
kann dieO. einteilen in Spruch orakel, bei denen
man die Göttersprüche durch von der Gottheit er-
füllte priesterliche Personen erteilt glaubte, wie
durch die Pythia in Delphi: in Zeichenorakel,
bei denen die Gottheit ihre Antwort durch Zeichen
andeuten sollte, wie durch das Rauschen der heiligen
Eiche in Dodona, dessen Deutung dann freilich auch
noch durch Personen gefchah, die man göttlicher Er-
leuchtung teilhaftig glaubte; endlich in Traum -
orakel, wo die Fragenden felbst in dem für eine
Art des Vesessenseins (s. Quellenkult) geltenden
Traume die Belehrung zu erhalten glaubten, wie
namentlich in den O. des Astlepios.
Schon bei den Ägyptern finden sich verschiedene
Orakelstätten, unter denen aber nur die des Amun-
Chnubis (von den Griechen Zeus-Ammon genannt)
in der Oase von Siwah eine schließlich über die
Grenzen Ägyptens binausreichende Bedeutung ge-
wann. Der Hauptsitz der Orakelstätten (inanteia,
c!ii-68t6i'iH) war aber in Griechenland. Hier erlangte
zuerst das O. des alles wissenden Zeus zu Dodona
(s. d.), später das des alles schauenden Apollon zu
Delphi (s. d.) den größten Ruhm und weitreichen-
den Einfluß. Außerdem hatten namentlich Zeus
zu Olympia und Apollon auf Delos, zu Abä in
Phokis, zu Klaros unweit Kolophon, zu Patara
in Lycien und im Heiligtum der Branchiden bei
Milet angeschene Orakelstätten; auch erhielt sich
das O. des Trophouios zu Lebadea und das des
Amphiaraos in Oropos längere Zeit im Ansehen
und Einfluß; ferner gab es außer manchen Götter-
orakeln von mehr lokaler Bedeutung noch viele
Totenorakel. (S. Nekromantie.) Letztere sind sogar
wahrscheinlich die ursprünglichste Form der O., da
aus manchen Umständen hervorgeht, daß auch
Götterorakel, wie das von Delphi, sich aus Toten-
orakeln entwickelt haben. - Die Römer hatten keine
einheimischen O.; auch im übrigen Italien gab es
nur einige Orte, wo von alters her Weissagung
stattfand, was durch Täfelchen zu geschehen pflegte,
auf denen Sprüche standen. An Stelle der ein-
heimischen O. befragten die Römer lieber die den
Griechen entlehnten Eibyllinischen Bücher (s. Si-
bylle) oder ähnliche Spruchsammlungen, wie die
der Marcier, oder man wandte sich besonders seit
den letzten Zeiten der Republik und noch mehr in
der Kaiserzeit direkt an die O. in Griechenland so-
wie an das des Ammon. Alteinheimisch war da-
gegen die Kunst, durch Beobachtung von Vögeln
den Willen der Gottheit zu erkunden. (S. Augurn.)
Die griechischen O. waren namentlich in den äl-
tern Zeiten infolge des Einflusses, den durch die
O. hoch gebildete Männer, wie es die Priester der
angesehenen O. sicherlich waren, auf die große
Menge ausübten, von höchster Wichtigkeit. Durch
sie wurden nicht bloß viele Unglückliche gerettet, viele
Ratlose beraten, sondern auch mancher Samen höhe-
rer Erkenntnis, edlerer und reinerer Sittlichkeit aus-
gestreut, oder auch weisen Lehren, heilsamen Ein-
richtungen die höhere Weihe verliehen. Auch war
ihre Wirksamkeit nicht auf das Privatleben be-
schränkt. Bei Gründung von Kolonien, bei Ein-
führung neuer Verfassungen, bei wichtigen Unter-
nehmungen im Kriege und Frieden, namentlich aber
bei außerordentlichen Unglücksfällen wendete man
sich an die O., und deren Vorsteher bedurften großer
Klugheit, um den Erwartungen der Anfragenden
zu entsprechen oder doch sich nicht bloßzustellen.
Dunkelheit und Zweideutigkeit in den Aussprüchen
war zuweilen ein Auskunftsmittel. Doch war
diese berüchtigte Zweideutigkeit der Orakelsprüche
ursprünglich nicht auf Betrug abgefehen, wie es die
spätern Zeiten auslegten, sondern es schien dieser
Rätselstil, wie er überhaupt dem Altertum eigen-
tümlich, so auch der göttlichen Natur vorzüglich an-
gemessen. Gewöhnlich wurden aber, wie zahlreiche
aufgefundene Orakeltäfelchen beweisen, durch die
Autwort nur die Opfer bestimmt, die man darbringen
müsfe, um seine Absicht zu erreichen. Ein Versehen
bei einem solchen Opfer genügte dann zur Erklärung
des etwa eintretenden Mißerfolgs. Obwohl die O.
auch dem Betrug und der Bestechung sicherlich unter-
worfen waren, baben sie doch lange ihre Bedeutsam-
keit behalten; sie sanken erst nach dem gänzlichen
Verlust der Freiheit und Unabhängigkeit Griechen-
lands, kamen aber in der röm. Kaiserzeit all-
mählich wieder in Aufnahme, bis zuletzt unter der
Regierung des Theodosius die Tempel der weis-
sagenden Götter für immer geschlossen oder zer-
stört wurdeu. (S. auch Kassandra, Pythia.) -
Vgl. F. A. Wolf, Beitrag zur Geschichte des Som-
nambulismus aus dem Altertum (in dessen "Ver-
mischten Schriften und Aufsätzen", Halle 1802);
Clavier, Hlemoii-e sui- 168 oracles cls" auciens
(Par. 1818); die Schriften von Wiskemann (Marb.
1835), Pabst (Bern 1840) und G. Wolfs (Berl. 1854);
Bouche-Leclercq, Histoirs cle lii clivination äanz
i'anticMe (4 Bde., Par. 1879 - 82); Buresch,
Klaros. Untersuchungen zum Orakelwesen des spä-
tern Altertums (Lpz. 1889). Eine Sammlung der
uns durch die
hat Hendeh (Halle 1877) herausgegeben. Nachträge
dazu finden sich bei Pomtow, HuH68tioiiuln äs ora-
culis caput 86i6cwin (Dissertation, Berl. 1881).
Oral (lat.), mündlich; daher in der frühern
Ncchtssprache Oralsubmission, ein mündlicher
Anhang oder Nachsatz zu einem Urteil; Oralfide'i-
k ommiß, ein mündlich aufgetragenes Vermächtnis.
Orale (lat.), liturgisches Gewandstück, s. Fanon.
Oran. 1) Provinz in Algerien, umfaßt ohne
das auf die algerische Tabara entfallende Gebiet