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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Orchitis; Orchomenos; Orcin; Orco; Orcus; Ordalien; Orden

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Orchitis - Orden (geistliche)

taris L., O. morio L., O. ustulata L. und O. pyramidalis L., lauter Formen mit kugeligen Knollen, die auch jetzt noch als Tubera Salep offizinell sind. Von einigen Orchisarten mit handförmig geteilten Knollen, wie von dem gefleckten, O. maculata L. und dem breitblättrigen Knabenkraut, O. latifolia L. (s. Tafel: Orchideen, Fig. 4), spielen die Knollen unter dem Namen Johannis- oder Glückshändchen (Radix palmae Christi) im Volksaberglauben eine große Rolle. Die O. lassen sich auch als Zierpflanzen in Gärten auf Moorbeeten kultivieren; die Pflanzen werden für diesen Zweck während ihrer Blütezeit auf ihren natürlichen Standorten gesammelt und auf ihren Bestimmungsort gepflanzt.

Orchitis (grch.), die Hodenentzündung, s. Hoden.

Orchomenos, zwei alte griech. Städte, die beide auf ihren Münzen und Steinschriften den Namen nach dem einheimischen Dialekt Erchomenos schrieben. Das böotische O., die Hauptstadt des in vorhistor. Zeit mächtigen Staates der Minyer, lag an der Nordwestküste des Sees Kopais, bei dem jetzigen Dörfchen Skripu, am linken Ufer des Kephisos, von welchem sich die Stadt am östl. Abhange des Akontionberges emporzog, von der Akropolis, deren Ringmauern noch auf einem steilen Felsgipfel erhalten sind, überragt; am Fuße des Berges findet sich ein interessanter unterirdischer Kuppelbau, der schon im spätern Altertum als das Schatzhaus des (mythischen) Königs Minyas bezeichnet wurde, aber, gleich den ähnlichen Denkmälern in Mykenä, ein altes Königsgrab ist; er ist neuerdings von Schliemann untersucht worden. Die Stadt, deren Macht frühzeitig durch die Übermacht der an der Spitze des Böotischen Bundes stehenden Thebaner gebrochen worden war, wurde 367 v. Chr. von diesen gänzlich zerstört. Erst Philipp II. von Macedonien stellte sie wieder her, und sie bestand dann, wenn auch ohne polit. Bedeutung, bis in das späte Altertum fort. Bei O. besiegte 85 v. Chr. Sulla den Feldherrn des Mithridates, Archelaus. - Vgl. Karl Otfr. Müller, O. und die Minyer, Geschichten hellen. Stämme und Städte, Bd. 1 (2. Aufl., Bresl. 1844); Schliemann, Orchomenos (Lpz. 1881). - Das arkadische O. lag im östl. Teil Arkadiens; noch heute sind bei dem Dorfe Kalpaki stattliche Reste vorhanden.

Orcin, C<sub>7</sub>H<sub>8</sub>O<sub>2</sub> = C<sub>6</sub>H<sub>3</sub>(CH<sub>3</sub>)(OH)<sub>2</sub>, ein Dioxytoluol, welches sich in vielen Flechten der Gattungen Roccella und Lecanora findet und aus der gleichfalls in diesen Flechten enthaltenen Orsellinsäure, C<sub>6</sub>H<sub>2</sub>(CH<sub>3</sub>)(OH)<sub>2</sub>(COOH), beim Erhitzen oder beim Kochen mit Kalk unter Abspaltung von Kohlensäure entsteht. Man gewinnt es auch beim Schmelzen von Aloeextrakt mit Ätzkali oder auf synthetischem Wege. Es krystallisiert aus wässeriger Lösung mit 1 Molekül Krystallwasser in großen farblosen Prismen von sehr süßem ekelerregendem Geschmack, welche bei 58° schmelzen. Wasserfrei schmilzt O. bei 108° und siedet unzersetzt bei 290°. Es ist in Wasser, Alkohol und Äther leicht löslich. An feuchter Luft und im Lichte färbt es sich rot, in wässeriger Lösung auf Zusatz von Eisenchlorid violett. Bei gleichzeitiger Einwirkung von Luft und Ammoniak auf O. entsteht Orceïn, C<sub>7</sub>H<sub>7</sub>NO<sub>3</sub>, eine rotbraune amorphe Substanz, welche in natürlichem Zustande den Hauptbestandteil des aus Flechten gewonnenen Orseillefarbstoffes (Flechtenrot, auch Persio oder Cudbear) ausmacht.

Orco (im Altertum Orgus), linker Nebenfluß des Po in der ital. Provinz Turin, entspringt nordöstlich des Mont-Iseran in den Grajischen Alpen, fließt östlich durch das Thal von Locana, geht in der Ebene in mehrern Armen nach SSO. und mündet nach 180 km oberhalb Chivasso.

Orcus, nach altitalischer Vorstellung der dahinraffende Gott des Todes, oft in schrecklicher und furchtbarer Gestalt gedacht, dann das Reich der Toten, die Unterwelt (s. d.).

Ordalien (mittellat., vom angelsächs. ordâl, d. i. Urteil), s. Gottesurteil.

Orden, geistliche, in der kath. Kirche vom Papst bestätigte Verbindungen zu einem durch gewisse Ordnungen geregelten andächtigen und enthaltsamen Leben. Von den religiösen Kongregationen unterscheiden sie sich als vom Papste bestätigte Genossenschaften und durch die von ihnen geleisteten lebenslänglichen Gelübde, die sog. vota solemnia, sowie auch von den Bruderschaften, d. h. Verbindungen, deren Mitglieder keine Gelübde geleistet, sondern sich zu einem löblichen kirchlichen Zweck unter Aufsicht der Bischöfe vereinigt haben. Die Klostergelübde (s. d.) mußte jeder Novize nach überstandenem Noviziat (s. d.) ablegen. Die Gelübde der Kongregationen sind dieselben wie die der O., nur werden sie nicht als feierliche und indispensable abgelegt (vota simplicia), wohl aber können sie als immerwährende (perpetua) geleistet werden.

Nach dem Geschlecht ihrer Glieder teilt man die O. in Mönchs- und Nonnenorden oder in Ordensbrüder und Ordensschwestern. Beide werden auch mit dem gemeinsamen Namen der Ordenspersonen oder Ordensleute bezeichnet; ihre ganze Gesamtheit wird nach ihrem Aufenthaltsorte, den Klöstern, Klosterorden genannt. Die gewöhnliche Kleidung, die von den Ordenspersonen getragen werden muß, heißt Ordenstracht. Bei besondern Gelegenheiten, namentlich im Chordienste, wird die gewöhnliche Kleidung mit einem Festkleide, dem sog. Chorkleide, vertauscht. Die Gesetze, die von dem Stifter eines O. mit päpstl. Bestätigung oder von dem Papste für einen O. gegeben wurden, heißen die Ordensregel.

Die Mönche und Nonnen im Orient, besonders die griechischen, richten sich nach der sog. Regel des heil. Basilius (s. d.), der auch die Basilianer in Spanien folgen. Im Abendland war lange Zeit der O. der Benediktiner (s. d.) der einzige geistliche O.; Benedikts Regel folgten dann die Kalmaldulenser, die grauen Mönche von Vallombrosa, die Silvestriner, der O. von Grandmont (s. d.), die Kartäuser, die Cölestiner, die Cistercienser, nebst den von ihnen ausgegangenen Bruderschaften, und der O. von Fontevrault, vor allem aber die Cluniacenser (s. Cluny). Das hohe Ansehen beim Volke, ja selbst päpstl. Bullen setzten die Ordensglieder wegen ihrer größern Heiligkeit noch über die Weltgeistlichen, so daß diese genötigt wurden, häufig selbst in den Mönchsstand zu treten oder sich doch zur Beobachtung der Mönchsgelübde und des kanonischen Lebens zu vereinigen. Von dieser Art waren die nach der Regel des Augustinus gebildeten Kongregationen der regulierten Chorherren oder Kanoniker. Eigentliche Mönchsorden nach der angeblichen Regel des Augustinus sind die Prämonstratenser, Augustiner, Serviten, Hieronymiten, Jesuiten und der Birgittenorden. Unter die Klasse der nach der alten Idee des Mönchslebens mehr der