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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Orificium - Origenes
InKleinasienüberschritt28.Okt.1853 eintürk.
Heer von 65000 Vtann die Grenze, wurde aber in
mehrern Gefechten zurückgeschlagen. Visher waren
die Russen durch einen Einfall Schamyls, der mit
den kaukas. Bergvölkern losgebrochen war, verhindert
worden, über die türk. Grenze vorzudringen. Als
sich aber jene Bergvölker wieder zurückgezogen hatten,
besetzten die Russen 31. Juli 1854 die türk. Grenz-
festung Bajasid und brachten dein türk. Heer 5. Aug.
bei Köruk-Dere eine vollständige Niederlage bei.
Im Febr. 1855 übernahm Murawjew den Oberbefehl
über das mobile Korps in Transkankasien. Das
türk. Heer stand unter Wassif Pascha bei Erzerum
und hatte Kars mit 13 000 Mann besetzt. Murawjew
schloß nun Kars eng ein, unternahm 29. Sept. einen z
Sturm, der aber abgeschlagen wurde, und erlangte ^
28. Nov. die Kapitulation der Stadt. Omer Pascha !
war allerdings schon Ende September bei Suchum-
kale gelandet, batte aber sein 30000 Mann starkes
Heer erst Mitte Oktober in Marsch gesetzt. Am 3. Dez.
fand er die Russen unter Bagration in starker Stel- ^
lung, und als 7. Dez. die Nachricht vom Falle von !
Kars eintraf, trat er den Rückzug an.
So stand der Krieg Ende 1855, ohne daß sein
Zweck durchgesetzt war, als plötzlich Friede geschlossen ,
wurde. Gründe der höhern Politik batten Napoleon !
dazu bewogen. Am 30. März 1856 wurde der Pa- ,
riser Friede (s. d.) geschlossen, 27. April ratifiziert. !
Vgl. Rüstow, Der Krieg gegen Rußland (2 Bde., ,
Zür. 1855-56); Bogdanowitsch, Der Orientalische
Krieg 1853-56 (4 Bde., Petersb. 1876); Kinglake,
InvÄßion ol tli6 Oim6a (9 Bde., Lond. 1863-88);
Gefsken, Zur Geschichte des Orientalischen Krieges
1853-56 (Berl. 1881); Hamley, 'Hw nar in tks
0rim6a (3. Aufl., Lond. 1891); Petrow, Der russ.
Donaufeldzug 1853/54 (deutsch von Regenauer,
Verl. 1891); Du Casse, 1^ Oim66 6t 86da8t0p0i !
äs 1853 5 1856 (Par. 1893). !
Oriüoinni (lat.), Mündung, Öffnung; 0. uteri, !
der Viuttermund; 0. ui-mliraß, die Harnröhren- ,
Mündung. !
Oriflamme (vom mittellat. ^urea. üainmula!
oder ^.nriü^mma), die ehemalige Kriegsfahne der
Könige von Frankreich, war ursprünglich die Kriegs-
jahne der Abtei St. Denis, welche die Könige als
Schirmvögte des Klosters führten. Sie bestand aus !
dem angeblichen Leichentnch des heil. Dionysius, ,
einem Stück roten Tuchs in Form eines Paniers,
unten gezackt, mit grünseidenen Quasten an den
Spitzen, und war an einer goldenen Lanze befestigt.
Die O. wurde nach und nach zur Hauptfahne der
franz. Truppen, meist nur in den ernstesten Momen-
ten benutzt, seit Karl VII. aber nicht mehr in den
KneH Mitgenommen; bei Azincourt (1415) soll sie
zum letztenmal im Felde gewesen sein. Die O. in der
Kathedrale von St. Denis ist eine Nachbildung.
OriFanruu Iv., Pflanzengattung aus der Fa-
milie der Labiaten (s. d.) mit gegen 25 Arten in
Europa und der Mediterranzone/Es sind einjäh-
rige oder ausdauernde Kräuter, mit von grünen
oder gefärbten Deckblättern eingehüllten, in Ähren
oder Köpfchen zusammengedrängten Blütenquirlen,
die trugdoldig oder rispig angeordnet zu sein pflegen.
Die Blüten besitzen einen glockenförmigen Kelch und
eine kleine Blütenkrone mit kurzer, enger Röhre,
ausgeraubetem Helm und gleichmäßig-dreilappiger
Unterlippe. Der gemeine Dost oder wilde Ma-
joran (0. vuI^i-6 /^.) ist eine ausdauernde, in
Deutschland häufige Pflanze mit kugeligen Köpfchen,
braunen Kelcken und rosen- oder fleischroten Blu-
men; der aromatische echte Majoran, 0. N^o-
rauk />., in den Mittelmeerländern einheimisch, wird
häufig besonders in Süd- und Mitteldeutschland
sowie in Frankreich angebaut und vorzugsweise als
Gewürz zu Braten u. dgl. sowie für manche Wurst-
sorten und als Arzneipflanze verwendet. Die weich-
filzigen, graugrünen Blätter waren früher als Heida
NaM-Hnlw offizinell. Sowohl von den beiden ge-
nannten Arten als auch von einigen andern, z. B.
dem 0. crsticuin ^., wird in Südeuropa ein
ätherisches Ol, das Origanumöl oder span.
Hopfenöl gewonnen, das gegen Zahnschmerz und
als Vieharzneimittel Verwendung findet.
Origenes, mit dem Beinamen Adamantios
(grch., "der Eherne"), Kirchenlehrer, geb. 185 n. Chr.
zu Alerandria, wurde von seinem Vater Leonidas im
Christentum und in den Wissenschaften unterrichtet
und hatte nachber Clemens Alexandrinus und den
Neuplatoniker Ammonius Sakkas zu Lehrern. In
seinem 19. Jahre wurde er Katechet in Alexandria,
besuchte 211 Rom, war 215 in Arabien thätig,
218 in Antiochia und kehrte dann nach Alexandria
zurück, bis ein Zwiespalt mit dem Bischof Demetrius
ihn bewog, nach Palästina zu gehen. In Cäsarea
wurde er 228 zum Presbyter geweiht, 232 aber von
Demetrius abgesetzt und exkommuniziert. Von jetzt
an ließ er sich dauernd in Cäsarea nieder und sam-
melte auss neue zahlreiche Schüler um sich. Die Ver-
folgung der Christen unter Kaiser Maximinus Thrax
nötigte O., sich zwei Jahre in Kappadocien ver-
borgen zu halten. Als Gordianus 238 der Kirche
den Frieden wiedergegeben hatte, machte O. eine
Reise nach Athen und dann nach Arabien, um den
BischofBeryllus vonBostrazuwiderlegen. Während
der Verfolgung unter Kaiser Decius wurde O. ein-
gekerkert und muhte harte Martern erdulden. Er-
schöpft durch dieselben, starb er zu Tyrus 254.
Seine Rechtgläubigkeit war schon zu seinen Leb-
zeiten Gegenstand heftig geäußerter Zweifel. Die
späternOrig enistischen Streitigkeiten führten
endlich zu seiner Verdammung unter Kaiser Iusti-
nianus (544), die jedoch nie allgemein anerkannt ist.
Eusebius und Rufinns (s. d.) verteidigten sein An-
denken. Basilius, Gregor von Nyssa und Gregor von
Nazianz, die größten Theologen des 4. Jahrh., ver-
ehrten ihn aufs höchste. Zu den gegen ihn erhobenen
Beschuldigungen gebort namentlich die, daß er die
Wahrheiten der chriftl. Religion durch Platonische
Ideen verfälscht habe. Allerdings führte ihn das
Streben, das Christentum philosophisch zu begreifen,
auf manche Anschaunngen, die sich von dem herr-
schenden Dogma entfernten oder einer spätern Ortho-
doxie als ketzerisch erschienen. In seinem im Origi-
nal nur noch fragmentarisch und außerdem in einer
unzuverlässigen lat. Übersetzung des Rusinus vor-
bandenen Buche "O6 principüzz" (hg. von Redepen-
ning, Lpz. 1836, und von Schnitzer, Stuttg. 1836)
hat er ein vielfach originelles, auf der Philosophie
Platos gegründetes System aufgestellt. Von seinen
zahlreichen Werken ist ein großer Teil verloren ge-
gangen oder nur noch in Bruchstücken vorhanden.
Hervorzuheben sind seine exegetischen Schriften,
Kommentare, Homilien und Scholien, die sich über
sämtliche biblische Bücher erstrecken. Seine "Hexapla"
ist eine Zusammenstellung des hebr. Textes des Alten
Testaments mit den verschiedenen griech. Übersetzun-
gen desselben. (S. Septuaginta.) 1896 fand der ital.
Gelehrte Giovanni Mercati auf der Ambrosianischen