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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Orléans (Jean Baptiste Gaston, Herzog von)
Philipp II., Herzog von Orleans (s. d.,
S.646a), des vorigen Sohn aus zweiter Ehe, geb.
2. Aug. 2674, war während der Minderjährigkeit des
Königs Ludwig XV. Regent von Frankreich und
starb 2. Dez. 1723. - Louis, Herzog von O.,
des vorigen Sohn und Erbe, geb. 4. Aug. 1703, ver-
heiratete sich 1724 mit einer Prinzessin von Baden
und zog sich, als diese 1726 starb, in die Abtei von
Ste. Geneviöve zurück, wo er 4. Febr. 1752 starb.
Louis Philippe, Herzog von O., des vorigen
cinzigerSohnundErbe,geb.12.Mai1725,wohnteden
Feldzügen in den Niederlanden von 1742 bis 1744
bei und erhielt das Gouvernement der Dauphins Er
heiratete 1743 Louise Henriette von Bourbon-Conti,
nach deren Tode, 1759, er sich auf sein Landhaus zu
Bagnolet zurückzog, wo er 18. Nov. 1785 starb.
LouisPhilippeIoseph, Herzog von Or-
l^ans (s. d., S. 646d), des vorigen Sohn, geb.
13. April 1747, ist bekannt durch seine Teilnahme an
der Französischen Revolution und starb 6. Nov. 1793
als Bürger Egalitti unter der Guillotine. Seine
ungeheuren Besitzungen wurden gleich den Gütern
der übrigen Vourbons eingezogen. Er war seit 1769
mit Louise Marie Adeiaide von Vourbon (geb.
13. März 1753) verheiratet, die sich aber 1792 von
ihm trennte. Sie wurde 1794 ebenfalls ins Ge-
fängnis gebracht, erlangte aber 1795 ihre Freiheit
zurück und starb 23. Juni 1821 zu Paris. Aus ihrer
Ehe entsprangen Ludwig Philipp (s. d.), Herzog
von O., später König der Franzosen; Antoine Phi-
lippe, Herzog von Montpensier, geb. 1775, gest. 1807
zu London; Alphonse Löodgar, Graf von Veaujolais,
geb. 1779, gest. 1808 zu Malta; Adslaide, geb. 1777,
gest. 1847 zu Paris.
König Ludwig Philipp (geb. 6. Okt. 1773, gest.
26. Aug. 1850 zu Claremont) vermählte sich 25. Nov.
1809 mit der Prinzessin Marie Amalie von Sicilien
(geb. 26. April 1782, gest. 24. März 1866 zu Clare-
mont), die ihm acht Kinder gebar: 1) Ferdinand,
Herzog von Orleans (s.d.,S.647a),geb.3.Eept.
1810, gest. 13. Juli 1842. - 2) Louis, Herzog
von Nemours (s. d.).- 3) Francois, Prinz
von Ioinville (s. d.). - 4) Henri, Herzog
von Anmale (s. d.). - 5) Antoine, Herzog
von Montpensier (s. d.). - 6) Prinzessin
Louise von O., geb. 3. April 1812, gest. 11. Okt.
1850, vermählt 9. Aug. 1832 mit dem König der
Belgier, Leopold I. - 7) Prinzessin MariavonO.,
geb. 12. April 1813, ausgezeichnet durch ihr Talent
für bildende Kunst. Das bedeutendste, durch zahl-
reiche Kupferstiche bekannte Werk von ihr ist die
Statue der Ieanne d'Arc, die sie im Auftrage ihres
Vaters für das histor. Museum zu Versailles ver-
fertigte. Am 17. Okt. 1837 vermählte sie sich mit
dem Herzoge Friedrich Wilhelm Alexander von
Württemberg und starb 2. Jan. 1839 zu Pisa. -
8) Prinzessin Clementine von O., geb. 3. Juni
1817, vermählte sich 20. April 1843 mit Prinz August
Ludwig Victor von Sachsen-Coburg-Gotha (gest.
26. Juli 1881), aus welcher Ehe mehrere Kinder her-
vorgingen. Als ihr jüngster Sohn Ferdinand (s. d.)
1887 zum Fürsten von Bulgarien gewählt wurde,
folgte sie ibm dahin und suchte ihn in der Befestigung
seiner Stellung thatkräftig zu unterstützen.
Der älteste Sohn des Herzogs Ferdinand von O.
und nach dem Tode seines Großvaters, des Königs
Ludwig Philipp, das Haupt des Hauses O., war
Prinz Louis Philippe Albert, Graf von
Paris (s. d.), geb. 24. Aug. 1838, gest. 8. Sept. 1894.
Nach der Restauration der Vourbons hatte Ludwig
Philipp, der damalige Herzog von O., 1814 die immer
noch ansehnlichen Trümmer seiner Familiengüter
zurückerhalten, die aus Apanagegütern und Privat-
gütern bestanden. Die Apanagegüter fielen 1830,
als Ludwig Philipp den Thron bestieg, an die Krone
zurück und wurden durch das Gesetz vom 2. März
1832 zur Immobiliardotation der Civilliste, nach der
Februarrevolution von 1848 aber durch die Natio-
nalversammlung zum Staatseigentum geschlagen.
Die Privatgüter der Familie ließ Ludwig Philipp
7. Aug. 1830 durch eine gerichtliche Echenkungsakte
auf seine Kinder übertragen und vermehrte sie durch
spätere Schenkungen aus den Ersparnissen der Civil-
liste. Wiewohl die Nationalversammlung von 1848
das Privateigentum der durch das Dekret vom
26. Mai 1848 aus Frankreich verbannten Familie
mit Sequester belegte, verwarf sie doch dessen Kon-
fiskation als einen Eingriff in Privateigentum. Trotz-
dem erließ der Präsident Ludwig Vonaparte 22. Jan.
1852 zwei Dekrete, von denen das erste bestimmte,
daß die Mitglieder der Familie O. kein Mobiliar-
oder Immobiliarcigentum in Frankreich besitzen
dürften, das zweite die Einziehung des in der
Schenkungsurkunde vom 7. Aug. 1830 begriffenen
Vermögens der Familie O. als Staatsgut aussprach.
Die O. protestierten und brachten ihre Angelegen-
heit vor die Gerichte, die aber von der Regierung
für diese polit. Maßregel als nicht zuständig erklärt
wurden. Nach dem Sturze Napoleons III. wurde
8. Juni 1871 die Verbannung gegen alle Mitglie-
der des Hauses Vourbon aufgehoben und durch Be-
schluß der Nationalversammlung vom 21. Dez. 1872
wurden dann die konfiszierten und noch nicht ver-
kauften Güter der Familie O., im Wert von 50 bis
60Mill. Frs., zurückgegeben. Die Furcht der Re-
publikaner vor den Einflüssen der O. hatte zur
Folge, daß ihre Anstellung in der Armee verboten
ward. Durch das Dekret vom 25. Febr. 1883 wur-
den die Herzöge von Anmale, von Chartres und von
Alencon in den Zustand der Nichtaktivität versetzt,
und durch das Gesetz vom 23. Juni 1886, wodurch den
Häuptern der ehemaligen sranz. Regentenfamilien
sowie deren nächstberechtigten Erben der Aufenthalt
in Frankreich verboten ist, wurde auch der Graf
von Paris und sein ältester Sohn, Herzog Phi-
lipp von O., geb. 6. Febr. 1869 (vermählt mit
Marie Dorothea, Erzherzogin von Osterreich), be-
troffen. Dieser erregte 1890 dadurch Aufsehen, daß
er trotz des Verbannungsdekrets in Frankreich er-
schien, um seiner Militärpflicht zu genügen. Er wurde
vor das Polizeigericht gestellt und 25. Febr. zu zwei
Jahren Gefängnis verurteilt, aber schon 2. Juni
begnadigt. Er ist seit dem Tode seines Vaters
(8. Sept. 1894) der fast allgemein anerkannte Prä-
tendent der franz. Royalisten. Sein Vetter ist Prinz
Henri von Orleans (s.d.,S. 647 a), ein Sohn des
Herzogs von Chartres. - Vgl. Laurentin, Histoirs
ä68 äuc8 ä'0. (3Bde., Par. 1832-34); Marchal,
1^3. lamiiiß cl'O., äsMig 8011 oriZine M8yu'a nos
Mir" (ebd. 1845).
Orlöans (spr.-äng), Jean Baptiste Gaston,
Herzog von, dritter Sohn Heinrichs IV. von Frank-
reich, geb. 25. April 1608 zu Fontainebleau, spielte
in den Hofkämpfen unter Richelieu und Mazarin als
Gegner einer starken Regierungsgewalt eine Rolle.
Von seinem Gouverneur Ornano geleitet, unter-
nahm er 1626, um der verhaßten Vermählung mit
der Herzogin von Montpensier Zu entgehen, mit dem