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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Osteometrie - Osterei

den Geburtshelfer gewährt die Verunstaltung des Beckens, welches meist seitlich zusammengedrückt erscheint, infolgedessen die Schambeinfuge schnabelartig hervortritt (sog. osteomalacisches Becken). Im Beginn dieser Deformität ist eine normale Geburt noch möglich, da die Knochen weich und federnd geworden sind; bei den höhern Graden dagegen kann die Geburt nur durch die Perforation oder den Kaiserschnitt vollendet werden. In vielen Fällen führt die Krankheit, deren Dauer zwischen 2 und 10 Jahren schwankt, durch Erschöpfung zum Tode, in andern tritt Heilung mit dauernden Verkrümmungen ein. Ein sicheres Heilmittel ist nicht bekannt. In neuerer Zeit hat man durch operative Entfernung der Eierstöcke event. auch der Gebärmutter überraschende Heilungen erzielt.

Osteometrie (grch.), Knochenmessung, s. Mensch.

Osteomyelitis (grch.), Kochenmarksentzündung, eine akut oder chronisch verlaufende Knochenkrankheit. Die akute O. ist eine meist schnell und bösartig verlaufende, durch Bakterien (s. d.) bedingte Entzündung. Diese werden irgendwo, z. B. von der Haut aus, vom Verdauungsapparat aus in das Blut aufgenommen und gelangen in das Knochenmark. Mit Vorliebe erkrankt der Ober- und Unterschenkel jugendlicher (wachsender) Individuen. In andern Fällen entsteht die akute O. in derselben Weise im Verlauf akuter Exantheme (Masern, Scharlach, Pocken), bei Typhus u. s. w. Die O. verläuft meist unter hohem Fieber und typhusähnlichen nervösen Symptomen, weshalb sie vielfach auch als Knochentyphus (frz. Typhus des membres) bezeichnet wird, und führt gewöhnlich unter qualvollen Schmerzen und ausgedehnter Absceßbildung zu Knochenbrand und Knochenfraß (s. d.). Die chronische O. entsteht entweder aus der akuten oder ist durch Tuberkulose, Syphilis und andere chronischen Infektionskrankheiten bedingt. Die Behandlung der Knochenmarkentzündung besteht in Bettlage, horizontaler Lagerung des kranken Gliedes, Auflegen von Eisblasen und frühzeitiger Entleerung der Abscesse; späterhin ist meist die operative Entfernung des abgestorbenen Knochenstücks (Sequesters) nötig.

Osteonekrose (grch.), der Knochenbrand (s. Knochenfraß).

Osteopathologie (grch.), die Lehre von den Knochenkrankheiten.

Osteophym (grch.), weiche Knochengeschwulst; Osteophyt, krankhafte Knochenwucherung.

Osteoplastik (arch.), der künstliche Ersatz verloren gegangener Knochen.

Osteoporose (grch.), Schwund der kompakten Knochensubstanz, Auflockerung des Knochengewebes.

Osteopsathyrose (grch.), die durch Altersschwäche oder durch Krankheit erworbene Knochenbrüchigkeit.

Osteosarkom (grch.), eine bösartige Knochengeschwulst.

Osteosklerose (grch.), Knochenverhärtung.

Osteotom (grch.), die Knochensäge; Osteotomie, die Knochendurchtrennung.

Oster-Bau, Kirchdorf bei Flensburg, s. Bau.

Osterblume, s. Pulsatilla.

Österbotten, finn. Pohjanmaa, Landschaft im nördl. Teil des Großfürstentums Finland, umfaßt das Län Wasa und den Teil des Läns Uleåborg, welcher südlich von einer Linie liegt, die vom Polarkreis an der Ostgrenze bis zum 68. Breitengrade an der Westgrenze gezogen wird und Ö. von Lappmarken trennt.

Osterburg, Berg, s. Rhöngebirge.

Osterburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, hat 1110,61 qkm und 1890: 44 354, 1895: 45 293 (22 695 männl., 22 598 weibl.) E., 4 Städte, 136 Landgemeinden und 52 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis O., rechts an der Biese, am Einfluß der Uchte in dieselbe, an der Linie Stendal-Wittenberge der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Stendal), Steuer- und Katasteramtes, hatte 1890: 4379, 1895: 4565 E., darunter 60 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, 2 Kirchen, St. Georgshospital, Pädagogium, höhere Mädchenschule, evang. Lehrerseminar mit Präparandenanstalt, Krankenhaus, Provinzialtaubstummenanstalt, Vorschußverein, Sparkassen; Brauereien, Dampfsägewerke, Wollspinnerei, Molkerei, Ziegeleien; lebhaften Getreide- und Viehhandel.

Osterburken, Stadt im Amtsbezirk Adelsheim des bad. Kreises Mosbach, an der Kirnau und den Linien Würzburg-Heidelberg der Bad. und O.-Heilbronn-Bietigheim (78,4 km) der Württemb. Staatsbahnen, hatte 1890: 1375 E., darunter 86 Evangelische, 1895: 1357 E., Post, Telegraph, Vorschußverein, Schafmärkte.

Ostercyklus, die Periode, nach deren Ablauf das Osterfest wieder auf denselben Tag fällt und die von Jahr zu Jahr eintretenden Verschiebungen des Osterdatums sich in derselben Ordnung wie zuvor wiederholen. Da der das Osterfest bestimmende Frühlingsvollmond nach 19 Jahren wieder an dem nämlichen Kalendertag eintritt, die Reihe der Sonntagsbuchstaben aber alle 28 Jahre von neuem beginnt, so beruht der O. auf dem Produkt dieser beiden Zahlen und umfaßt demnach einen Zeitraum von 532 Jahren. Man nennt diesen Cyklus, weil er 457 von Victorius aus Aquitanien aufgestellt wurde, auch die Victorianische Periode. Vor ihrer 466 durch Papst Hilarius erfolgten Einführung bediente man sich im Abendland eines 84jährigen Cyklus, nach dessen Ablauf jedoch die Neumonde um mehr als einen Tag zu früh eintraten. Später gelangte eine in der ersten Hälfte des 5. Jahrh. vom Bischof Cyrillus in Alexandria eingeführte Periode von 95 Jahren, die sich aus fünf Metonischen Cyklen (s. Kalender) zusammensetzte, auch im Occident zur Geltung; doch war sie insofern fehlerhaft, als sich nach Eintritt eines neuen Cyklus infolge der verschiedenen Lage der Schaltjahre das Osterfest in jedem vierten Jahre meistens um einen Tag verspätete.

Österdalen, das östlichste der Hauptthäler im südl. Norwegen und das größte des Landes überhaupt, am obern Lauf des Glommen, umfaßt etwa 19 600 qkm, zählt aber nur 34 000 E.

Osterei, ein hartgesottenes Hühnerei mit gefärbter Schale, das im Volksglauben der meisten Kulturvölker, besonders der germanischen, eine große Rolle spielt. Es ist das Symbol der Fruchtbarkeit und als solches durch die alten Römer zu dem deutschen Volke gebracht worden. Das O. soll von einem Hahne oder dem Osterhasen (s. d.) gelegt sein. Schon in alter Zeit schmückte man es mit bunter oder goldener Farbe (so namentlich die Perser) oder versah es mit allerlei Sinnsprüchen oder Bildern. Die O. wurden besonders im 18. Jahrh. am Osterfeste verschenkt und dienten zu allerlei Dingen; sie ließen Hexen erkennen, schirmen noch heute gegen den Blitz, lassen das Vieh gedeihen, geben Gesundheit, Glück im Spiel u. dgl. Allgemein hat sich das