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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Oestrus - Ostsee
gung mit Bulgarien beschäftigte die Bevölkerung !
fortwährend, um so mehr, als die Pforte den vom
Landtage votierten Budgets und Gesetzen meist ihre
Zustimmung versagte. Im Landtage bekämpften
einander Konservative und Radikale, während in
der Verwaltung russ., türk. und occidentalische Ein-
flüsse abwechselten. Der Sonderexistenz O.s machte
die unblutige Revolution von Philippopel 18. Sept.
1885 ein Ende. Infolge einer Vereinbarung Bul-
gariens mit der Pforte, die von den Großmächten
durch das Konstantinopeler Protokoll vom 5. April
1886 bestätigt wurde, ernannte der Sultan uach
dem Serbisch-Bulgarischen Krieg den Fürsten von
Bulgarien (ohne Namensnennung) auf fünf Jahre
zum Gencralgouverneur von O. Als aber diese
Periode 1891 ablief, blieb O. auch unter dem Fürsten
Ferdinand mit Bulgarien vereinigt, doch erfolgte
dessen Ernennung zum Generalgouverneur von O.
erst 1896 gleichzeitig mit seiner Bestätigung als
Fürst von Bulgarien. Das Fürstentum zahlt der
Türkei jährlich als Ersatz für den ostrumel. Tribut
2951000 Frs. Sonst ist O. in der Verwaltung mit
Bulgarien verschmolzen; die Union ist aber bis
heute noch durch keinen internationalen Vertrag
anerkannt. (E. Bulgarien.)
Osstrus, s. Nasenbremsen.
OstrSn, s. Hopfenbuche.
Ostfee oder Baltisches Meer (ÖsterSjön
der Schweden, Baltijskoje More der Russen,
Itä Meri der Finnen), die Wasserfläche zwischen
Schweden, den dän. Inseln, Deutschland und Ruß-
land. Sie erstreckt sich im allgemeinen von SW.
nach NO., hat eine größte Längenausdehnung von
1500 Km (Lübeck-Haparanda), eine größte Breite
von 680 Icin (Stockholm-Petersburg), eine kleinste
Breite von 75 kni (zwischen Deutschland und Schwe-
de^) und einen Flächeninhalt (Finnischer und Bott-
nischer Meerbusen mit eingerechnet) von 415 480
ykm. Mit der Nordsee hängt sie durch den Sund,
den Großen und Kleinen Belt zusammen. Außer-
dem wird mit derselben noch eine Verbindung her-
gestellt durch den Nordostseekanal (s. d.) wie auch
durch den Götakanal (s. d.). Durch die Gruppe der
Älandsinseln wird die O. in einen größeren südlichen
und einen kleinern nördl. Teil, denVottnischen Meer-
busen, geteilt. Außer dieser Einbuchtuug sind noch
zu erwähnen: der Finnische Meerbusen, der Rigaische
oder Livländische Meerbusen; an der deutschen Küste:
die Danziger Bucht mit der Putziger Wiek, die
Pommersche Bucht mit dem Grcifswalder Bodden,
die Neustädter und die Kieler Bucht, die beiden letz-
tern durch den Fehmarnsund und den Fehmarn-
belt miteinander verbunden. Das Kurische, Frische
und Pommcrsche Haff sind nicht sowohl Seebuchten
als vielmehr Süßwasscr- oder Mündungsgolfe der
Flüii<e Memen, Pregel, Weichsel und Oder. Die
Tiefe ist im allgemeinen nicht groß; die O. kann
als Fortsetzung des unterseeischen Plateaus der
Nordsee betrachtet werden; auch hier nimmt die
Tiefe von S. nach N. zu; die geringste Tiefe (12 m)
ist nördlich von Stolpmünde, die größte (463 m)
liegt 30 Seemeilen südwärts von Stockholm. Der
Durchschnitt beträgt, wenn man von den beiden
Tiefen in der Mitte absieht, etwa 70 in. Das Wasser
ist kälter und klarer als das des Oceans; die west-
liche O. hat an der Oberfläche 17,4, am Grunde
12,5° 0. Der Salzgehalt beträgt nur ein Drittel
von dem des Atlantischen Oceans; er nimmt von
O. nach W., von S. nach N. und von der Tiefe nach
der Oberfläche hin allmählich ab und ist im äußer-
sten N. fast gleich Null. Am geringsten ist der Salz-
gehalt im Frühling und Sommer, weil dann der
Zufluß des Frischwassers aus den Flüssen am stärk-
sten ist. Das als Tiefenströmung durch den Großen
Belt in die O. eindringende Nordseewasser erhöht
den Salzgehalt der Kieler und Neustädter Bucht
und an der Mecklenburger Küste. Wahrscheinlich
stammt daher der Fischreichtum in diesem Teile.
Er beträgt zu Hela an der Oberfläche 1,005? und in
22 in Tiefe 1,0053 Proz., zu Eonderbnrg an der
Oberfläche 1,015 und in 18,3 in Tiefe 1^0102, im
Sunde bei Helsingör an der Oberfläche 0,925, in der
Kieler Bucht 1,?.30, in 15-19 in Tiefe aber 2 Proz.;
vor dem Eingang in den Finnischen Meerbusen 0,69
und im Innern desselben 0,35 Pro;.; im Rigaischen
Meerbusen 0,5?-0,58 Proz. Das Eis hindert jähr-
lich 3-5 Monate lang die Schiffahrt. Der nördl.
Teil des Bottnischen Meerbusens friert jährlich zu,
ebenso auch die Meeresteile bei den Älandsinseln.
Besonders günstige Eisverbältnisse zeigen die russ.
.Häfen Baltischport (mit 33 Eistagen) und Libau (für
! Dampfer stets frei). In strengen Wintern wird die
! südliche O. ebenfalls von losem Treibeis überzogen.
! 1460 war die O. so hart gefroren, daß man zu Fuß
und zu Pferd von Dänemark nach den Hansastädten
und Schweden reisen konnte. 1657 und 1740 konnte
man über den gefrorenen Sund reisen. In Kiel
wird in manchen Wintern die Schiffahrt gar nicht
behindert, in andern, wie 1880/81, ist der Hafen
monatelang mit dickem Eise bedeckt. Ahnliches gilt
für Kopenhagen. Seit 1894 werden von den Küsten-
bezirksümtern tägliche Eisberichte veröffentlicht, die
zur Verminderung der Schiffahrtsgefahren bei-
tragen. Ebbe und Flut sind wenig bemerkbar,
an den dän. Küsten beträgt die Flutgröße etwa 0,3-
0,4 in, an den deutschen Küsten wird sie ganz un-
bedeutend, von W. nach O. abnehmend von 10 bis
auf 1 cin (Kiel 0,0? in, Swiuemünde 0,01 in, Memel
0,005 m). Dagegen macht der häufige, von heftigen
Stürmen begleitete Wechsel der Winde sowie die
flachen preuß. und die meist felsigen schwed. Küsten
die O. für den Seefahrer gefahrvoll. Namentlich
der südwestl. Teil wird zuweilen von Sturm-
fluten heimgesucht. Am gefährlichsten sind östl.
Winde; Nordoststürme verursachen Katastrophen,
wie am 12. und 13. Nov. 1872. In Wismar war
damals das Wasser 2,98, in Lübeck 3,38 in über den
gewöhnlichen Stand gestiegen. Viele Ortschaften an
der Küste wurden verwüstet und weite Strecken über-
flutet. Ahnliche Sturmfluten fanden 1625, 1694
und 1784 statt. Ein eigentümliches Flutphänomen
ist der Seebär (s. d.). Von regelmäßigen Strö-
mungen ist nur sehr wenig zu spüren; der Salz-
gehaltunterschied ist die Hauptursache der Meeres-
strömungen zwischen der O. und der Nordsee; das
leichtere Wasser strömt dem salzhaltigen Ocean zu,
das schwerere salzige Wasser strömt als Unterströ-
mung ein. Am deutlichsten ist die von Osten kom-
mende Oberflächcnströmung im Sunde. Da das Ost-
scegebiet von Länderstricken mit bedeutenden magne-
tischen Lokalstörungen umlagert ist, besonders im
südöstl. Schweden und bei der sinn. Insel Fussarö,
ist große Vorsicht bei der Schiffahrt nötig. Die
Küsten des Bottnisckcn und Finnischen Meerbusens
sind in langsamer Hebung begriffen, während die
Südspitze Schwedens sich senkt. Nnter den Inseln
sind die bedeutendsten Seeland, Fünen, Möen, Fal-
ster, Laaland, Langeland, Arröe und Bornholm,