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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ottmachau; Otto

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Ottmachau - Otto II. (römisch-deutscher Kaiser)

Dresden. Ö. schrieb zahlreiche Romane und gab auch eine Sammlung von Lustspielen heraus. Seine Gedichte sammelte er im "Buch der Liebe" (Berl. 1832; 5. Aufl., Lpz. 1850), dem "Neuen Buch der Liebe" (Dresd. 1852) und "Bacchus. Buch des Weins" (Lpz. 1853). Unter seinen bibliogr. Arbeiten sind die "Archives historiques" (Karlsr. 1841) und die "Bibliographie biographique" (Lpz. 1850; 2. Aufl., 2 Bde., Brüss. 1854), von seinen histor. Kompilationen die "Geschichte des dän. Hofs von Christian II. bis Friedrich VII." (8 Bde., Hamb. 1858-59) und der "Moniteur des dates" (Dresd. 1864-82; fortgesetzt von H. Schramm) hervorzuheben.

Ottmachau, Stadt im Kreis Grottkau des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, links an der Glatzer Neisse, an der Linie Camenz-Cosel-Kandrzin und der Nebenlinie O.-Heinersdorf bei Barzdorf (13,4 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Neisse), hatte 1890: 3694, 1895: 3650 E., darunter 246 Evangelische und 20 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, kath. und evang. Kirche, Niederlassung der Borromäerinnen aus dem Mutterhause zu Trebnitz, Schloß mit Gut, Hospital; Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen und Zucker; großes Mühlenwerk.

Otto I. oder der Große, deutscher König (936-973), seit 962 auch römischer Kaiser, geb. 912, der Sohn König Heinrichs I., wurde nach dessen Tode 936 zu Aachen gewählt und gekrönt. Seine Regierung war erfüllt von Kriegen, sowohl gegen äußere Feinde als auch gegen solche, die sich durch die Erneuerung der königl. Gewalt beengt fühlten, und endlich gegen Erhebungen in seiner eigenen Familie. Der Versuch, durch rücksichtslose Strenge den Landfrieden zu sichern, führte 938 zur Empörung des Herzogs Eberhard von Franken, dem sich Thankmar, des Königs Halbbruder, anschloß. Nach dessen Tode und nach dem Sieg des Königs erneuerte Eberhard 939 den Aufstand in Verbindung mit Heinrich, dem ehrgeizigen jüngern Bruder des Königs, und Herzog Giselbert von Lothringen, unterstützt von König Ludwig IV. von Frankreich. Auch die Geistlichkeit, von ihrem frühern übermächtigen Einfluß zurückgedrängt, hielt zu den Aufrührern, besonders Erzbischof Friedrich von Mainz. O. gewann bei Birten einen glänzenden Sieg. Giselbert und Eberhard kamen 939 ums Leben. O. bemühte sich damals, die königl. Gewalt nach jeder Richtung hin zu stärken. Die Herzogtümer blieben bestehen, wurden aber mit dem Könige ergebenen, ihm meist verwandten Männern besetzt, so Lothringen 944 mit Konrad dem Roten, Bayern 947 mit Heinrich, dem versöhnten Bruder des Königs, Schwaben 950 mit dem Sohne des Königs, Liudolf. Sein eigenes Herzogtum Sachsen gab O. 961 dem treuen und tapfern Grafen Hermann Billung. Siegreich gegen Böhmen und gegen die Wenden im Osten der Elbe und Saale, wandte sich O. 951 nach Italien, wohin ihn die Übergriffe des Markgrafen Berengar II. (s. d.) von Ivrea riefen, der sich zum König von Italien erhoben hatte, wohin ihn wohl auch die von diesem bedrängte Königin Adelheid (s. d.) zu Hilfe rief. Die Tyrannei Berengars hatte große Unzufriedenheit erregt; fast ohne Kampf siegte O., nahm schon im Oktober den Titel eines lombard. Königs an, machte Berengar zum Vasallen und vermählte sich, da seine erste Gattin Editha 946 gestorben war, mit Adelheid.

Aber diese zweite Ehe und der große Einfluß des hochfahrenden Herzogs Heinrich erregten die Unzufriedenheit Liudolfs, dem sich bald sein Schwager Konrad anschloß. Auf diese Kunde empörten sich auch die früher besiegten und entsetzten Söhne des Herzogs Arnulf von Bayern; der Erzbischof Friedrich von Mainz und sächs. Mißvergnügte verbanden sich mit ihnen. Die schwere Bedrängnis des Königs wurde gesteigert durch einen Raubzug der Ungarn. Doch gewann O. nach hartem Kampfe 954 den Sieg, und als die Ungarn mit ihrer ganzen Macht 955 wiederkehrten, trat ihnen auf dem Lechfelde bei Augsburg 10. Aug. die geeinigte Kraft des Reichs entgegen; sie erlitten eine vollständige Niederlage und wagten fortan keinen neuen Angriff. Die Empörung Berengars und der Hilferuf des Papstes Johann XII. riefen O. 961 wieder nach Italien; er wurde 2. Febr. 962 in Rom zum Kaiser gekrönt, sah sich aber bald genötigt, den in Sittenlosigkeit verfallenen Papst durch ein Konzil absetzen zu lassen. Um seine Herrschaft in Italien zu sichern, wünschte er seinem Sohn Otto, der auf einer dritten Romfahrt des Kaisers 967 zum Mitkaiser gekrönt war, die Hand der griech. Prinzessin Theophano und als Mitgift Apulien und Calabrien zu verschaffen, den Rückhalt aller Aufrührer und Feinde. Allein der Kaiser Nikephoros verweigerte es, und der Nachfolger Johann Tzimiskes gewährte 971 die Gemahlin, aber nicht die Provinzen. Auch in Italien war O.s Herrschaft gesichert, in Deutschland der Friede befestigt, Frankreich bei innerer Uneinigkeit ganz abhängig. Den Bischöfen hatte O. einen großen Teil der Verwaltung übergeben, die in seiner Kanzlei ihren Mittelpunkt fand; vorzüglich mit dem Beirat seines Bruders, des Erzbischofs Bruno von Köln, begründete er das System, mit Hilfe der vom König ernannten Bischöfe das Reich zu regieren. Dem entsprechend stützten auch neu gegründete Bistümer, denen er das Erzbistum Magdeburg als kirchlichen Mittelpunkt gab, die Eroberungen auf wend. Boden und hielten Dänemark in Abhängigkeit. Schon von Zeitgenossen mit dem Beinamen des Großen ausgezeichnet, starb O. 7. Mai 973 in Memleben und wurde im Dom zu Magdeburg begraben, wo ihm vor dem Rathaus um 1290 ein Reiterstandbild errichtet wurde. - Vgl. Jahrbücher des Deutschen Reichs unter O. d. Gr., hg. von Köpke und Dönniges (2 Bde., Berl. 1838); Köpke und Dümmler, Kaiser O. d. Gr. (Lpz. 1876).

Otto II., römisch-deutscher Kaiser (973-983), geb. 955, Kaiser Ottos I. und der Adelheid Sohn, schon 961 zum König, 967 in Rom zum Kaiser gekrönt und seit 972 mit der griech. Prinzessin Theophano vermählt, ein Fürst von feiner und gelehrter Bildung, aber zugleich jugendlich kühn und unbesonnen, hatte, als er nach seines Vaters Tode 973 die Regierung allein übernahm, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ein Versuch, die übergroße Macht seines Vetters, des Herzogs Heinrich von Bayern, zu beschränken, hatte eine Verschwörung desselben mit dem Bischof Abraham von Freising, den Herzögen von Böhmen und Polen zur Folge; nach blutigen Kriegen, erschwert durch gleichzeitige Angriffe des Dänenkönigs Harald und Aufstände in Lothringen, gelang es O. 977 sein Ansehen herzustellen. Aber auch seine Mutter, deren anfangs maßgebendem Einfluß er sich entzogen hatte, war ihm infolge seiner Kämpfe mit dem von ihr begünstigten Bayern entfremdet und zog sich in ihre Heimat Burgund zurück. Zugleich brach König Lothar von Frankreich 978 in Oberlothringen ein, überfiel Aachen und hätte dort den Kaiser selbst beinahe gefangen genommen; doch