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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pairsschub – Paketboote

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Pairs'

sung Ludwig Napoleons vom 14. Jan. 1852 schuf, war nur noch die Idee einer Anzahl ernannter Notabeln beibehalten. Über die erste Kammer der neuen franz. Republik s. Frankreich (Verfassung).

In den neuern Verfassungen der Mittelstaaten Deutschlands hat man die Klasse der Standesherren (s. d.) in eine Verbindung mit den hervorragenden Elementen des Civil- und Militärstaatsdienstes gebracht und in der Zusammengewöhnung der beiden Elemente Erste Kammern zu stande gebracht. Auch in dem preuß. Herrenhause hat diese Verbindung stattgefunden.

Pairsschub, die gleichzeitige Ernennung einer größern Anzahl von Pairs des engl. Oberhauses, die in der Regel erfolgt, um dadurch eine der Regierung günstige Majorität zu erzielen. Der Ausdruck ist dann auch für die Ersten Kammern anderer Staaten übernommen worden.

Païsĭello, Giovanni, auch Paesiello geschrieben, ital. Komponist, geb. 9. Mai 1741 zu Taranto, kam 1754 auf das Konservatorium von San Onofrio in Neapel, wo Durante, Cotumacci und Abos seine Lehrer in der Komposition waren. 1763 schrieb er für Bologna die Opern «La pupilla» und «Il mondo al rovescio», die Beifall fanden. Bis 1776 lieferte P. gegen 50 Opern, teils ernste, teils komische. Von diesen sind hervorzuheben: «Demetrio», «Artaserse», «La virtuose ridicole», «Il Marchese di Tulipano», «L’idolo cinese», «La Frascatana». 1776 erhielt P. einen Ruf an den Hof zu Petersburg, wo er acht Jahre verweilte. Hier komponierte er die Opern «La serva padrona», «Il barbiere de Seviglia», «Il matrimonio inaspettato», «Il mondo della luna». Als er 1784 nach Italien zurückkehrte, verweilte er längere Zeit in Wien und komponierte hier eine seiner besten Opern, den «Rè Teodoro», und 12 Sinfonien für Joseph II. 1785–98 und 1801 war er Hofkapellmeister in Neapel. Hier schrieb P. neben zahlreichen andern Opern «La Molinara» und «Nina, o la pazza per amore», die reifsten und verbreitetsten seiner Schöpfungen. 1802 ging er mit nach Paris, um die Privatkapelle des Ersten Konsuls, Bonaparte, einzurichten. Schon 1804 kehrte er jedoch nach Neapel zurück, wo er seine frühere Stellung einnahm. P. starb 5. Juni 1816. Die Gesamtzahl seiner Opern beläuft sich auf 100. Außerdem komponierte er viele Kirchensachen, Instrumentalstücke, Kantaten u.s.w. In allen seinen Werken offenbart er außerordentlichen musikalischen Reichtum; in den Opern ist er besonders da stark, wo Anmut und Naivetät, sanfte Freude oder Wehmut zum Ausdruck gelangen. Er ist ein musikalischer Iffland, der Sänger der Poesie im bürgerlichen Leben; neuere Werke, wie Weigls «Schweizerfamilie», sind aus der Richtung entsprungen, die P. zuerst einschlug. Sehr groß, aber wenig bekannt, ist der Einfluß, den P. auf Mozart übte.

Paisley (spr. pehslĕ), Stadt und Parlamentsborough in der schott. Grafschaft Renfrew, am schiffbaren Flusse White-Cart, 8 km westlich von Glasgow, besteht aus der Alt- und der sehr gut gebauten Neustadt und zählt (1891) 66425 (30660 männl., 35765 weibl.) E. P. hat eine alte Abteikirche, das schönste Rathaus in Schottland mit 40 m hohem Turme, Geschäftsgebäude, Freibibliothek, Museum, eine monumentale Coat's Memorial Baptistenkirche, Wasserwerk, das 600000 Gallonen täglich liefert und großartige Fabrikanlagen. P. liefert vor allem Zwirne, dann Modewaren in Seiden-, Halbseiden- ↔ und Baumwollzeugen; ferner bestehen Twist- und Leinengazefabrikation, Branntweinbrennerei, Bleichen und sehr bedeutende Eisen- und Messinggießerei, Maschinenbau, Seifensiederei, Gerberei, Färberei u.s.w. Der Handel wird durch den kleinen Flußhafen, die Kanäle und Eisenbahnen bedeutend gefördert. Renfrew dient als Hafenstadt. In der Nähe das große Alaunwerk Hurlett und das Dorf Marmelton.

Paixhans-Geschütze (päksängß), s. Bombenkanonen.

Pajarēte, eine Sorte Sherry (s. d.).

Paj-choj (Pai-choi, samojed., d.i. Felsrücken), Gebirge im äußersten NO. des Kreises Mesen des russ. Gouvernements Archangelsk, vom Nordende des Ural durch eine 54 km breite Tundraebene getrennt, zieht sich nordwestlich bis zur Jugorschen Straße, von der es nach Waigatsch und Nowaja Semlja hinübergreift. Der P. besteht aus einer Anzahl von Hügeln (bis 400 m Höhe), die durch Tundren voneinander getrennt sind.

Pajou (spr. -schuh), Augustin, franz. Bildhauer, geb. 1730 zu Paris, gest. 8. Mai 1809 daselbst als Professor an der Akademie, war Schüler von Lemoine, ging schon mit 18 Jahren mit dem großen Preise nach Rom. In seinen frühern Schöpfungen bekundete P. das Streben, sich von der Manieriertheit des Zeitgeschmacks durch ein treues Naturstudium zu befreien; später lenkte er in die Bahnen der antikisierenden Richtung seiner Epoche ein. Noch in Rom gewann er 1767 durch die Gruppe Pluto mit dem Cerberus die Aufnahme in die Akademie; dann nach Paris zurückgekehrt, schuf er Standbilder berühmter Zeitgenossen (Turenne, Buffon, Bossuet, Descartes; ferner die Königin Maria Leszczynska als Caritas, s. Tafel: Französische Kunst III, Fig. 5), auch Bildnisbüsten, Mythologisches (Psyche, 1790; im Louvre) und dekorative Verzierungen.

Pa-jute, Indianerstamm, s. Shoshoni.

Paka, Neu-Paka, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Jičin in Böhmen, an der Linie Chlumetz-Parschnitz der Österr. Nordwestbahn, Sitz eines Bezirksgerichts (143,87 qkm, 30848 E.), hat (1890) 3965, als Gemeinde 4788 czech. E., ein ehemaliges Paulanerkloster, 1647 von den Herren von Teufenbach gestiftet, mit wertvollen Bildern in der Kirche, Fortbildungsschule; mechan. Weberei, Wollwaren-, Stärke-, Strumpf- und Schuhwarenfabrik, Aktienbrauerei und Mälzerei und Landwirtschaft. Die Umgebung ist reich an Mineralien und Versteinerungen. Nördlich Alt-Paka (1588 E.).

Pakatan, Stamm der Dajak (s. d.).

Paket (Packet, frz. paquet), Pack, Bündel.

Paketadressen, s. Postwertzeichen.

Paketboote, Fahrzeuge, die, im Staatsdienst stehend oder Privaten gehörend, auf bestimmten Linien mit festgesetzter Abgangszeit verwendet werden und denen die Beförderung von Passagieren, Postpaketen und Kontanten meist gegen Subvention anvertraut ist. Als die Dampfschiffe noch nicht die Oberhand gewonnen hatten, verwendete man im Paketdienst hauptsächlich Kriegsschiffe (an den Küsten und in engern Gewässern schnellsegelnde Schoner, für den transoceanischen und Mittelmeerdienst die schnellen Fregatten), jetzt ist dieser Dienst an die großen Dampferlinien übergegangen. In England bezeichnet man alle Dampfschiffsgesellschaften, denen die Postbeförderung übertragen ist, als Steam Packet Companies, in Deutschland ist jetzt die Bezeichnung Postdampfer gebräuchlich.