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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paketiermaschinen - Palagonittuff
Paketiermaschinen, s. Tabak.
Paketporto, Paketsendungen, s. Postpaket-
Paketsetzer, s. Buchdruckerkunst. Sendungen.
Pak-Hoi, Pei-Hai, Hafenstadt in der chines.
Provinz Kwang-tung, am Golf von Tongking, mit
25000 E. Haupteinsuhrwaren sind: Opium aus
Ostindien, Baumwollftoffe und -Garne, Wollwaren,
Petroleum aus Rußland und Amerika, Nadeln aus
Deutschland,Streichhölzchen aus Japan. Anisfamen,
Öle, Felle, Indigo, Zucker gehen ins Ausland. Der
Gesamtwert des Handels betrug nach den Berichten
des fremden Zollamtes für 1894:13,4 Mill. M. P.
wurde 1876 dem fremden Verkehr geöffnet.
Pakhto, Sprache der Afghanen, f. Pachtu.
Pakington (spr. päckingt'n), John Somerset,
engl. Staatsmann, s. Hampton, Lord.
Pako, Säugetier, s. Lama.
Pakosch, Stadt im Kreis Mogilno des preuß.
Neg.-Bez. Bromberg, ehemals ein berühmter Wall-
fahrtsort, an der Netze und der Nebenlinie Ro-
gasen-Inowrazlaw der Preuß. Staatsbahnen, hatte
1890:1977 E., darunter 374 Evangelische und 158
Israeliten, mit der einverleibten Landgemeinde
Gudkowo und Ortschaft Kalwarya 2268, 1895:
2518 E., Post, Telegraph, Fernsprechverbindung,
evang. und kath. Kirche, Wallfahrtskirche (1660),
Synagoge, Krankenhaus des Johanniterordens;
Zuckerfabriken, Kalkbrennereien, Molkerei, Schiff-
fahrt und Fifchhandel.
Pakowolle, soviel wie Alpakawolle (s. d.).
Paks (spr. paksch), Groß-Gemeinde im Stuhlbe-
zirk Duna Földvär des ungar. Komitats Tolna, an
der Donau, hat (1890) 11803 meist magyar. kath. E.
(2644 Deutsche), darunter 3058 Evangelische und
1362 Israeliten; Weberei, Stärke- und Leimfabrik,
Schisfahrt, Fischerei (besonders Hausen) und bedeu-
tenden Handel mit Getreide und Wein.
Pakt (lat. pacwm), s. Vertrag; paktieren,
einen Vertrag schließen, verhandeln.
Paktolos, alter Fluß in Lydien bei Sardes,
wegen seines Goldsandes berühmt; er heißt jetzt
Sarabat oder Sart-tschai.
Paläa-Kaimöni, Eiland, s. Santorin.
Paläa-Korinthos, s. Korinth.
Palackh(spr.-latzki),Frantisek,böhm.Geschichts-
sorscher, geb. 14. Juni 1798 zu Hodslawitz in Mäh-
ren, erhielt seine wissenschaftliche Vorbildung in
Trentschin und Preßburg und war dann als Er-
zieher thätig. 1823 kam er nach Prag, um die Quel-
len der Hussitengeschichte zu studieren, und war eine
Zeit lang Archivar des Grafen Franz Sternberg.
1829 erhielt er von den böhm. Ständen den Auf-
trag, die Geschichte von Böhmen zu schreiben, und
wurde 1838 böhm. Landeshistoriograph. An der
Bewegung 1848-49 nahm P. hervorragenden An-
teil. Mit K. E. Ebert und andern deutsch - böhm.
Schriftstellern verfaßte er die Erklärung vom 21.März
1848, worin die Zusammengehörigkeit mit Österreich
und nationale Gleichberechtigung in Böhmen ver-
fochten ward. Auch war P. Mitglied des National-
ausschusses, Präsident des slaw. Kongresses, Mit-
glied der provisorischen Negierung von Böhmen
und Führer der autonomistischen Partei auf den
Reichstagen zu Wien und Kremsier. 1848 wurde
ihm zweimal das Ministerium des Unterrichts an-
geboten. Erst seit 1860 beteiligte er sich wieder am
polit. Leben. P. starb 26. Mai 1876.
Sein Hauptwerk ist die "Geschichte von Böhmen"
(5 Bde. in 10 Abteil., Prag 1836-67; einzelne
Abteilungen in neuern Abdrücken 1844-74;
dasselbe czechisch, ebd. 1848-67; 2., zum Teil
3. Aufl., 5 Bde. in 11 Abteil., ebd. 1876-78; ein
neuer Abdruck erscheint seit 1393), in Bezug auf
Forschung, histor. Kritik, Darstellung und Form
von höchster wissenschaftlicher Bedeutung. Damit
hängen zusammen eine Anzahl monographischer
Vorarbeiten, wie: "Würdigung der alten böhm. Ge-
schichtschreiber" (Prag 1830), "Der Mongolen Ein-
fall im 1.1241" (ebd. 1842), "über Formelbücher"
(2 Lfgn., ebd. 1842 u. 1847), "Die Vorläufer des
Hufsitentums in Böhmen" (deutsch von Jordan,
Lpz. 1846; 2. Aufl., Prag 1869; czechisch im "I^ä-
1i08t'", ebd. 1872); ferner Ausgaben von histor.
Quellen- und Dokumentensammlungen: "Altböhm.
Chronographen" (Prag 1829), "^rcliiv ÜEsi^"
(6 Bde., ebd. 1840-72), "Urkundliche Beiträge zur
Geschichte Böhmens und der Nachbarländer im
Zeitalter Georgs von Podiebrad" (in den "?0nt65
i'sruin ÄUZtriacarniii", Wien 1860), "Docuuisnta.
N. ^. Hu8 vitam, äoctrinHin, cau83,in etc. illu-
8trantia" (Prag 1869), "Urkundliche Beitrüge zur
Geschichte des Hussitenkrieges" (2 Bde., ebd. 1873).
Von seinen übrigen Schriften sind anzuführen:
"Anfänge der böhm. Dichtkunst, insbesondere der
Prosodie" (mit Oafarik, Preßb. 1818), "Litterar.
Reife nach Italien" (Prag 1838), "Die ältesten
Denkmäler der böhm. Sprache" (mit Oafarik, ebd.
1840), "Österreichs Staatsidee" (czechisch, 1865;
deutsch von Kienberger, ebd. 1866), "Zur böhm. Ge-
schichtschreibung" (ebd. 1871), "IiH(11i08t'" (Samm-
lung kleinerer czech. Aufsätze, 3 Bde., ebd. 1871-73)
und "Gedenkblütter" (ebd. 1874). 1827-38 redi-
gierte er den "öa80pi8 Nu863. kral0V8tvi c68k6lio"
(mit der "Deutschen Monatsschrift", 1827-36).
Paladin (vom lat. ?a1atinu8, s. d.), in den franz.,
span. und ital. Romanen und Gedichten des spätern
Mittelalters zuerst die dem Kaiser näher stehenden
Helden der Karlssage, dann auch die anderer Sagen-
kreise, endlich abenteuernde Ritter, besonders solche,
die sich durch ritterliche Galanterie auszeichnen.
Paläechinoideen, auch Perischoechiniden,
die Seeigel der paläozoischen Zeiträume. Das Ge-
häuse der P. besteht aus sehr Zahlreichen, von Pol
zu Pol laufenden Reihen sehr kleiner, bei manchen
noch beweglicher Kalktäfelchen und hat eine völlig
kugelige oder melonenartige Gestalt. Hauptvertreter
der P. sind die Gattungen N6i0nit68 und ?g.1a6>
6c1iwu8, die ältesten, Übergang zu den Cyftideen
(s. d.) bildenden sind die OMociäai-i^
Palafreniere (ital.), Reit-, Stallknecht.
Palagomt, s. Palagonittuff.
Palagomttuff, ein vulkanischer basaltischer
Tuff, der zahlreiche Körner und Brocken der Pala-
gonit genannten Substanz einschließt; letztere ist
eine im äußern an Kolophonium erinnernde Glas-
masse, die eine wasserhaltige hyaline Ausbildung
sehr basischen Basaltmaterials darstellt und nur in
Form solcher kleinen vulkanischen lapilliartigen
Auswürflinge zur Ausbildung gelangt. An man-
chen Punkten sind organische Überreste in dem P.
nachgewiesen worden. Derartige Tuffe wurden zu-
erst bei Palagonia auf Sicilien, später auch ander-
wärts, z. B. zu Wilhelmshöhe bei Cassel und in
der Eifel, gefunden; anf Island sind sie über Hun-
derte von Quadratmeilen verbreitet; ebenso findet
man sie in Ungarn, ausgezeichnet im Velay (Central-
frankreich), auf den Canarischen Inseln, der Südinsel
Neuseelands, auf Java u. s. w.