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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Palindrom - Palissot de Montenoy
weisen. Die durch die Seltenheit und Kostbarkeit
des Materials hervorgerufene Sitte oder Unsitte
des Reskribierens war schon dem röm. Altertum
nicht fremd und wurde dann in den christl. Klöstern
des Morgen- und Abendlandes, besonders in der
Zeit vom 7. bis 13., vereinzelt uoch bis ins
15. Jahrh, geübt, besonders eifrig in dem vom
heil. Columban 612 gegründeten Benediktiner-
tloster zu Bobbio, aus dem z. V. der von Angelo
Mai in der Vatikauischen Bibliothek entdeckte P.
der Schrift des Cicero "v6 i'oinidlica." stammt.
Sehr selten und besonders schwierig zu lesen sind
die zweimal reskribiertcn Codices ((^oäiceg tai-
sci'ipti), wie z. V. die von C. Pertz im Britischen
Museum entdeckten Pergamentblätter, die zuerst
Fragmente des röm. Historikers Grauius Licinianus ^
in Üncialschrift etwa aus dem 7. Jahrh., darüber z
die Schrift eines röm. Grammatikers von einer
Hand des 9. Jahrh., darüber endlich Chrysostomus
in syr. Sprache aus dem 11. Jahrh, enthalten. -
Vgl. Mone, I>6 lidris palimi)803ti8 tain latinis
ciuÄni ^raociZ (Karlsr. 1855); Wattenbach, Das
Schriftwesen im Mittelalter (3. Aufl., Lpz. 1896).
Sehr selten sind Palimp fest drucke, wie die
Wolfenbütteler Bibliothek einen solchen in der Len-
sonschen Ausgabe der "^0n8tiwti0n68 0i6in6ntinH6))
von 1476 besitzt.
Palindrom (grch., "das Zurücklaufende"), eine
Lautreihe, die, vor- oder rückwärts gelesen, einen
Sinn (denselben oder einen verschiedenen) ergiebt,
z.B. Otto; Neliefpfeiler; auch ein Vers, der vor-
und rückwärts gelefen dieselben Worte giebt (voi-3U3
0lmcriiiu8).
Palingenesie (grch.), Wiedergeburt, Wieder-
entstehung aus dem Alten und Vergangenen. Im
theol. Sinne bedeutet P. teils die Auferstehuug der
Toteu, teils die sog. Apokatastase (s. d.). Die Moral-
theologie versteht unter P. die sittliche Wiederge-
burt (s. d.) des Meuschen. Gesetz.
Palingenesis (grch.), s. Biogenetisches Grund-
?a.1inFenia., Insekt, s. Theißblüte und Uferaas.
Palinodie (grch.), Poet. Widerruf eines kränken-
den, ehrverletzenden Gedichts. Berühmt war im
Altertum die P. des Stesichorus (s. d.), welcher der
Sage uach wegen eines die Helena beleidigenden
Gedichts mit Erblindung bestraft war, durch seiuen
Widerruf aber das Augenlicht wieder erhielt. Später
gebrauchte man P. überhaupt für Widerruf von
Veleidiguugen.
Palintöna, Wmfmaschine des griech. Alter-
tums, welche (im Gegensatz zu den Euthytonen oder
Katapulten) ihre Geschosse (schwere Steine) im hohen
Bogen schleuderte. (S. auch Balliste.)
?a.1innrn8 oder ^eiöi-uä (vermutlich uach dem
Steuermann des Aneas benannt), ein uautisches
Instrument, das dazu dient, durch Peilen (s.d.) der
Sonne unmittelbar das astron. Azimut und hier-
durch die Deviation (s. d.) des Kompasses zu be-
stimmen. Der Schiffsort, d. h. Breite und Länge,
muß hierzu bekannt seiu. In England ist der I'.
uoch vielfach in Gebrauch. Er besteht aus mehrern
miteinander verbundenen geteilten Scheiben, von
denen eine den Horizont, eine den Äquator, eine
deu Meridian darstellt; zum Einvisieren der Sonne
dienen zwei Diopter.
?a.1inüru8, Krebsgattung, s. Panzerkrebse.
Palifa, Johann, Astronom, geb. 6. Dez. 1818
in Troppau, studierte seit 1866 in Wien Mathematik
und Physik. Durch Weiß veranlaßt, weudete er sich
der Astronomie zu, wurde 1870 Assistent an der
Sternwarte in Wien, ging 1871 in gleicher Stellung
uach Genf und war daun von 1872 bis 1880 Vor-
stand der neu gegründeten Marinesternwarte in
Pola. Seit 1880 ist P. Adjunkt au der Sternwarte
in Wien. Die Thätigkeit P.s ist eine vorwiegend prak-
tische, hauptsächlich zeichnet er sich als Entdecker llei-
uer Planeten aus; die Zahl der von ihm aufgefunde-
nen Objekte dieser Art betrug Ende März 1892 nicht
weniger als 83; weitere Untersuchungen in dieser
Richtung gab er auf.
Palisanderholz, s. ^cai-auda. ss. Se^ul-.
Palisot de Beauvais (spr. -soh de bowä'h),
Palissade (Pallisade, frz.), Schanzpsahl,
ein 15-30 cm starker, 2-4 in langer, oben zugespitz-
ter Baumstamm oder Pfahl. Eine Auzahl P., in sent-
F'g. i.
F>a. 2.
rechter oder geneigter Stellung bis 1 in tief neben-
eiuander in die Erde eingegraben, bilden eine Pa-
lissadcuwaud (s. Fig. 1). Derartige Hinder-
nis Palissaden werdeu auf der Grabeusohle iu
senkrechter (s. Fig.2), in den Grabenböschungen meist
in geneigter und selbst wagerechter Lage (Fig. 3 u. 4)
Fig. 3.
angebracht, in welch letzterm Fall sieSturmpfähle
heißen. Wird eine Palissadenwaud durch An-
bringuug vou Schiehlücken zur Gewchrverteidigung
eingerichtet, so entsteht eiue Verteidigungs-
palissadieruug, die mau anwendet, um offene
Stellen in der Kehle von Feldwerkeu zu schließen,
und zur Herstellung sog. Tambours (s. d.).
Palisfadenwürmer, ungemcin häufige Schma-
rotzer in den Eingeweiden unserer Haustiere. Die
P. (8ti-0n^M) gehören zu deu Haarwürmern
(s. d.). Von den P. sind besonders wichtig der be-
waffnete 8ti-0i^Mi8 ai'matuL, desfeu Larve in der
vordern Gekrosarterie der Pferde wohnt und eine
häufige Ursache der Kolik bildet. Ferner die P. in
den Luugen der Haustiere und des Rehes (sti-onF)--
Iu3 iilari^ Zuck., iuici'uru8 Mo/??., i)Hillä0xii8 Hle/ii.)
sowie im Magen des Rindes und Schafes (8ti-0n^)-
1n8 08t6i'taFi )>3tileF und O0ntortu3 ZAci.). (S. auch
Luugenwürmer und Magenwurmseuche.) Auch der
Dociimiu8 äuoä6n^Ii3 (s. d.) heißt Palissadenwurm.
Palissot de Montenoy (spr.-ßoh de mong-
tenöä), Cbarles, franz. Schriftsteller, geb. 3. Jan.
1730 zu Nancy, trat in die Kongregation der Väter
des Oratoriums, verließ aber deu Orden bald wieder
und widmete sich der Litteratur. Er starb als Vor-
steher der Bibliothek Mazarin 15. Juni 1814 zu
Paris. P. schrieb zwei Tragödien, von denen
"Xinu3" mit einigem Beifall aufgeführt wurde.
Seine Lustspiele "1^08 tuteui^" und "1^6 d^rdioi' d6
I^Läaä" fanden günstige Aufnahme. Seit 1755
wurde er allgemein bekannt, als er, bei Einweihung
einer Denkfaule Ludwigs XV. zu Nancy, nach einen:
allegorischen Festspiele in der Komödie "1^6 csreie",
den Kampf gegen die Philosophen und Encyklopädi-