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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pantographie - Pantscharatra
kommt in verschiedenartiger Ausführung vor, er
besteht immer aus 4 bis 6 durch Bolzen drehbar
miteinander verbundenen und teilweiss verstell-
baren Schienen, die eine Einteilung tragen, um
die Verkleinerung in einem bestimmten Verhältnis
ausführen zu können. Die einfachste Art ist der
hölzerne P. <s. nachstehende Fig. 1), der aus
5 Holzschienen besteht, von denen 3 mit Stell'
löchern versehen sind, so daß durch Verstellen der
Fig. 1.
Mittelschiene und des darauf befindlichen Zeichen-
stifts 2 sehr verschiedene Verhältnisse eingestellt
werden können. Der feste Drehpunkt? liegt hierbei
in einer Ecke des von den Schienen gebildeten
Parallelogramms. Der Führungsstift ^ zum Nm-
fahren der zu verkleinernden Zeichnung liegt in der
entgegengesetzten Ecke des Parallelogramms. An-
dere Arten des P. sind der Mailand er P., der
Röhren- und der Schienenpantograph, die
aus 4 oder 5 messingenen Schienen oder Röhren
hergestellt sind und entweder ein festes oder ver-
stellbares Drehstück (Pivotpuukt) haben; sie bewegen
sich meist auf Rollen. Die Arme dieser Instrumente
haben entweder eine einfache Teilung mit Nonius,
oder sie sind transversal geteilt; die Verstellung der
einzelnen Teile ist mittels Schiebervorrichtung aus-
führbar. Beim Schienenstorchschnabel ist nicht eine
durchgehende gleichmäßige Teilung der Arme an-
gewendet, sondern nur eine solche, die den mit dem
Fig. 2.
Instrument zulässigen Neduktionsverhültnissen ent-
spricht. Die beste Art ist der von Sprenger in Berlin
gebaute schwebendeP. (Fig. 2). Derselbe besteht
aus 4 hohlen, mit einer Einteilung versehenen Mes-
singschienen. An den Hülsen befinden sich Nomen mit
Mikrometerbewegung. Zu jedem Instrument gehört
ein durch Holzschrauben an dem Zeichentisch zu be-
festigendes Drehstück 6 in Form eines Krans, durch
welches der Drehpunkt auf eine Ecke des Parallelo-
gramms verlegt wird. Das Drehstück wird mittels
Libelle horizontal gestellt und hält mit zwei Drähten
den ganzen P. in schwebender Lage. Mit der
Libelle I. werden die Arme horizontal gestellt, ^ist
der Führungsstift und 2 der Zeichenstift. Als Erfin-
der des P. gilt der Jesuit Christoph Scheiuer (s. d.),
welcher ihn 1635 in seinem Werke "^anto^i-aMiN, 86U.
arg äsiinsHnäi i-63 Huoälidkt" zuerst beschrieb.
über den bei der Herstellung von Schuhwaren
verwendeten P. s. Schuhwarenfabrikation.
Pantogräphie (grch.), die Herstellung von Ko-
-------^ pien von Zeichnungen, Landkarten u. dgl.
^ in verkleinertem oder vergrößertem Maß-
stabe durch den Pantographen (s. d.).
Pantometer(grä)., "Allmesser"), ein geo-
dätisches Instrument zum Messen von 2än-
gen sowie von Horizontal- und Vertikal-
winkeln. Die Bezeichnung P. ist den ver-
schiedenartigsten Instrumenten von ihren
Erfindern beigelegt worden.
Pantomime (arch.), eine theatralische
Darstellung ohne Worte, bei der nur Ge-
bärden, meist in Verbindung mit Musik und
Tanz, die Handlung verständlich machen.
Die P. entstand unter Kaiser Augustus und
bildete sich aus den sog. Oamiea ff. (Ü^u-
ticum). Die Gegenstände des röm. Pantomi-
mus waren vorzugsweise (aber nicht ausschließ-
lich) Tragödien mytholog. erotischen Inhalts ent-
nommen, und der Darsteller hatte immer mehrere
Rollen hintereinander zu spielen. Auch der dar-
stellende Künstler (erst in der spätern Kaiserzeit tra-
ten auch Frauen in diesem dramat. Ballett auf) hieß
Pantomimus. Von der P. der Alten entwirft Lu-
cian in der Schrift "über den Tanz" ein treues
Bild. - Vgl. über die P. (Hamb. 1749); Karl Aug.
Böttigers Kleine Schriften, Bd. 3 (Dresd. und Lpz.
1838); Boissier (in der "R6vii6 Hrc1i60ioAiHii6 ",
?HutopöÄ2., s. Asselspinnen. ^1861).
Pantopollit, eine zu Obladen bei Köln herge-
stellte Art Dynamit aus Nitroglycerin und Nitro-
naphthalin. Er ist den Nobeliten zuzurechnen und
giebt bei der Explosion sehr viel aiftige Dämpfe.
Pantosköpische Brille, i. Brille.
Pantoskopifche Camera, soviel wie Panora-
menapparat, s. Photo-
graphie.
Pantscharatra oder
Bhagavata, - Name
einer alten (wahrschein-
lich vorchristl.) theistischen
Sekte in Indien, die das
höchste Wesen unter der
Bezeichnung Väsudeva
oder Bhagavant verehrte
und die "diiakti, d. h.
Glaube und Liede M Gott,
sür das Mittel zur Er-
lösung erklärte. Die Leh-
ren der P. ruhten nicht auf
metaphysischer Grundlage; sie waren volkstümlicher
Naturund ursprünglich unabhängigvondervedischen
Überlieferung. Durch den Einfluß Cankaräcäryas
(s. Advaita) und seiner Nachfolger etwa ein halbes
Jahrtausend lang in den Hintergrund gedrängt,
wurde der Glaube der P. im 12. Jahrh, von Rämänuja
wieder zu Ehren gebracht. - Vgl. R. G. Bhan-
darkar, I'iis RÄinÄnu^g. anä tiis VIi3,S3,vNtÄ or
I^nt^i'Äti-3. 8M6IU8 (in den "Verhandlungen des
VII. Orientalistenkongresses in Wien", Arische Sek-
tion, Wien 1888, S. 101 fg.).