Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

905

Paris (Geschichte)

dem ältern Fortgürtel und den neu angelegten verschanzten Lagern. Die Kernumwallung und die ältern Forts wurden in dem kurzen Zeitraum von vier Jahren (1840-44) erbaut; erstere umschließt die Stadt auf beiden Seineufern in geraden Linien als großes unregelmäßiges Viereck (36 km Umfang) und besteht aus 94 bastionierten Fronten, davon 67 auf dem rechten Ufer, von denen die Nordostecke zwischen Pantin und Aubervilliers und der vorspringende Winkel im Südwesten bei Point-du-Jour leicht umfaßbar sind. Das Wallprofil ist einfach, 3-4 m hoch, 15 m breiter, trockner Graben mit gemauerter Eskarpe. In einer wechselnden Entfernung von 1,5 bis 4,8 km von der Umwallung liegen in einer Ausdehnung von 70 km die 16 ältern Forts und 8 Redouten von bastioniertem Grundriß, mit Ausnahme der Befestigung von St. Denis mit trocknen, an beiden Wänden mit Mauern bekleideten Gräben. Gegen einen förmlichen Angriff mit den heutigen Belagerungsmitteln sind sie nicht mehr widerstandsfähig. Die Linie der 10 Forts des rechten Seineufers beschreibt einen Bogen, der sich mit seinen Enden auf Charenton und St. Denis stützt. Das Fort von Charenton deckt die dortige Brücke und beherrscht die Straße nach Basel; ihm schließen sich die Redouten de la Gravelle und de la Faisanderie an, die in den Verschanzungen von Saint Maur zusammengefaßt sind, welche die Halbinsel gleichen Namens abschließen und rückwärts durch das Schloß von Vincennes verstärkt werden; die Forts von Nogent, Rosny, Noisy und Romainville beherrschen alle Straßen zwischen Marne und Ourcqkanal; die Ebene nördlich von diesem Kanal wird vom Fort Aubervilliers und den Werken von St. Denis verteidigt; letztere umfassen die drei Forts de l'Est, Double Couronne-du-Nord und La Briche. Auf dem linken Seineufer zieht sich die Linie der Forts auf dem Höhenzuge zwischen der Marne und Meudon hin, es sind dies die Forts Ivry, Bicêtre, Montrouge, Vanves und Issy, welche die Straßen von Nizza, Bayonne und Brest schützen. Die Westfront hat nur ein einzelnes, sehr großes und starkes Fort auf dem Mont-Valérien (s. d.), welches den ganzen Zwischenraum und den Lauf der Seine zwischen Issy und St. Denis zu decken hat. Seit 1872 sind vor diesem alten Fortgürtel weitere ausgedehnte Befestigungen hergestellt, und zwar 7 Forts erster Ordnung für je 1200 Mann und 60 schwere Geschütze, 16 Forts zweiter Ordnung für je 600 Mann und 24 schwere Geschütze und etwa 50 Batterien und Redouten zu je 200 Mann und 6 Geschützen. Der Umkreis dieser neuen Befestigungen betrügt annähernd 130 km bei einer durchschnittlichen Entfernung der Forts von der Stadt von 15 km. Hierdurch sind drei große verschanzte Lager gebildet worden und zwar: a. Das Nordlager zwischen dem rechten Seineufer unterhalb P. und der Ebene von Aubervilliers. Dasselbe umfaßt besonders die Stellung Montlignon-Domont, welche auf allen Seiten durch untergeordnete Befestigungen flankiert wird. In dieser Stellung sind besonders die Forts Montlignon, Domont und Montmorency von Bedeutung; im Westen wird sie durch das Fort Cormeil, die Redoute Franconville und mehrere Batterien verteidigt, die alle aus der Halbinsel von Houilles liegen. Östlich von der Centralstellung, befindet sich das Fort d'Ecouen mit den Batterien du Moulin und des Sablons. Endlich beherrscht im Süden bei Stains das Fort de Garges die Ebene von St. Denis und verbindet, gestützt auf die Batterie de la Butte-Pinçon, das Nordlager mit der Hauptbefestigung. b. Das Ostlager, von der Ebene von Aubervilliers bis zum rechten Seineufer oberhalb der Stadt, enthält als Hauptstützpunkte die Forts von Vaujours und Villeneuve St. Georges; dazwischen liegen die Forts Chelles, Noisy-le-Grand, Villiers, Champigny, Pontault und Sucy. c. Das Westlager, das ganze linke Seineufer umfassend, hat als wichtigste Punkte die Forts von Palaiseau, St. Cyr und de Bois d'Arcy. Mit diesen in gleicher Linie liegen die Forts Villeras, Haut-Buc und Bouviers; in zweiter Linie liegen die Forts bei Châtillon und Hautes-Bruyères, die aus einer Anzahl von Batterien und einem Reduit bestehende befestigte Stellung im Bois de Verrières und die Befestigungen des Plateaus von Marly-le-Roi. Zahlreiche Batterien neben und zwischen den Forts sind überall vorhanden. Zur Verbindung dieses Lagers mit dem Ostlager sind verschiedene Werke (Redouten, Batterien und kleine Forts) bei Ablon und den Buttes Chaumont errichtet worden; außerdem sind solche vorhanden bei Saclay zwischen den Forts Palaiseau und Villeras; bei Saint Marc zwischen Fort Villeras und Haut-Buc, und endlich bei La Celle-Saint Cloud.

Die Ausdehnung der Werke ist so bemessen, daß P. mit allen Vorstädten nicht nur gegen ein Bombardement vollständig gesichert ist, sondern daß es auch jedem Angreifer unmöglich gemacht werden soll, die Einschließung auf allen Seiten durchzuführen.

Geschichte. Ursprünglich war P. Wohnsitz des gallischen Volksstammes der Parisii und wurde Loutouhezi genannt, sodann von den Römern in Lutetia latinisiert, mit dem Zusatze Parisiorum, wovon der heutige Name herkommt. Zu Cäsars Zeit war es auf die Insel in der Seine, jetzt die Cité, beschränkt, aber doch schon von Bedeutung; Cäsar hielt daselbst einen gallischen Reichstag und ließ hier seine brit. Flotte bauen. Constantius Chlorus errichtete während seines Aufenthalts in Gallien (292-306) auf den Anhöhen des linken Seineufers einen Palast mit Gärten, ein verschanztes Lager, ein Amphitheater und Bäder. 358 hatte Julianus Apostata in P. seine Residenz. Gleich wichtig war die röm. Ansiedelung für die Franken, und Chlodwig befestigte seine Herrschaft durch die Besetzung von P., wo er sich in den Thermen einquartierte (508). Seine Nachfolger zogen nach der Cité, wo sich jetzt dem Königssitze gegenüber am rechten Ufer eine frank. Vorstadt bildete.

Diese Entwicklung erlitt einen Stoß durch den Übergang der königl. Gewalt an die Karolinger, die ihre Erhebung dem austrasischen Adel verdankten und deshalb nur im Nordosten des Fränkischen Reichs verweilten. Bei der Vereinigung aller deutschen Stämme im karoling. Staatssystem wurde P. Sitz eines Grafen und, wie das Reich Karls d. Gr., eine Beute abenteuernder Seeräuber. Die Normannen belagerten 885 die Stadt und wurden nur durch hohes Lösegeld zum Abzug bewogen. Das linke Ufer der Seine blieb jetzt sehr zurück gegen den am rechten Ufer der königl. Residenz gegenüber liegenden Stadtteil, der schnell beträchtlich anwuchs. Das große Châtelet auf der Nordseite war der Sitz des Burgvogts (prévôt du roi), der im Namen des Königs die Justiz und Polizei handhabte. Auch in der Glanzepoche des franz. Mittelalters, unter Philipp August und Ludwig dem Heiligen, verschönerte und erweiterte sich P. besonders in der Cité und auf dem