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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Paulinzelle - Paulus (Apostel)

zu. Seine Werke, Briefe und Hymnen (namentlich 13 auf den bei Nola begrabenen heil. Felix) wurden hg. von Muratori (Verona 1736) und von Hartel (im "Corpus scriptorum ecclesiasticorum", Bd. 29 und 30, Prag und Wien 1894). Gedächtnistag: 22. Juni. - Vgl. Buse, P., Bischof von Nola und seine Zeit (Regensb. 1856); Lagrange, Geschichte des heiligen P. (deutsch Mainz 1882); Hartel, Patristische Studien (Heft 5 und 6, Wien 1895).

Paulinzelle (Paulinzella), Dorf im Landratsamt Rudolstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, hat (1895) 110 evang. E., Postagentur, Telegraph. P. ist merkwürdig durch das 1114 von Pauline, der Tochter des thüring. Grafen Moricho, und ihrem Sohn Werner nach dem Tode ihres Gemahls Udalrich gestiftete Cistercienser-Nonnen- und Mönchskloster, 1534 durch die Grafen von Schwarzburg aufgehoben, die in den Besitz der Güter gelangten. Die Trümmer des durch Blitz zerstörten Klosters bilden eine der schönsten Kirchenruinen (Säulenbasilika mit tiefer Vorkirche im edelsten roman. Stil nach dem Vorbild der Kirche in Hirsau). 1877-78 wurden die Ruinen auf Kosten des Fürsten Georg von Schwarzburg-Rudolstadt restauriert. - Vgl. Martini und Hesse, Die Ruinen der Thüringer Klöster und Burgen (Rudolst. 1816); Puttrich, Die Kirchen und sonstigen Altertümer der schwarzburg. Länder (Lpz. 1843); Die Klosterruine P. (Rudolst. 1882).

Paulischer Träger, s. Pauli, Friedr. Aug. von, und Eisenbrücken.

Paulistabahn, s. Brasilien, Verkehrswesen.

Paulīt, Mineral, s. Hypersthen.

Paulitschke, Philipp Victor, Edler von Brügge, Forschungsreisender, geb. 24. Sept. 1854 zu Čermatowitz in Mähren, studierte 1872-76 zu Graz und Wien Natur- und Sprachwissenschaften, Geographie und Orientalia, wurde 1877 Lehrer am Gymnasium zu Znaim, 1880 Professor am Gymnasium zu Hernals und 1889 an dem der Josephstadt zu Wien und zugleich Docent an der Wiener Universität, in welcher Stellung er noch ist. P. bereiste 1880 Ägypten und Nubien, 1884-85 die Somal- und Gallaländer von Harar. P. veröffentlichte: "Die geogr. Erforschung des afrik. Kontinents von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage" (2. Aufl., Wien 1880), "Die Afrikalitteratur von 1500 bis 1750" (ebd. 1881), "Die geogr. Erforschung der Adalländer und Harars in Ostafrika" (Lpz. 1884), "Die Sudanländer nach dem gegenwärtigen Stande der Kenntnis" (Freiburg 1885), "Beiträge zur Ethnographie und Anthropologie der Somal, Galla und Harari" (Lpz. 1886), "Harar. Forschungsreise nach den Somal- und Gallaländern Ostafrikas" (ebd. 1888), "Ethnographie Nordostafrikas" (2 Bde., Berl. 1893-96); außerdem zahlreiche Aufsätze und Karten in wissenschaftlichen Zeitschriften.

Paullinĭa L., Pflanzengattung aus der Familie der Sapindaceen (s. d.) mit gegen 80 fast sämtlich tropisch-amerik. Arten, kletternde oder windende strauchartige Gewächse mit wechselständigen, zusammengesetzt dreizähligen oder gefiederten Blättern, und mittelgroßen unregelmäßigen polygamischen Blüten. Die Frucht ist eine dreikantige oder dreiflügelige Kapsel. Die meisten Arten sind giftig, von der südamerikanischen P. cururu L. soll das Curare- oder Urarigift der Indianer stammen. Von der brasilianischen P. sorbilis Mart. dienen die reifen Samen zur Bereitung eines erfrischenden Getränks; auch stellt man daraus ein Gebäck dar, die Pasta Guarana, die als Adstringens und wegen ihres Caffeïngehalts auch gegen Migräne dient.

Paulo, São, s. São Paulo.

Paulownĭa imperiālis Sieb. et. Zucc., ein dem südl. Japan entstammender kleiner, zur Familie der Scrophulariaceen (s. d.) gehöriger Baum mit großen eirund-herzförmigen, sammetartig behaarten Blättern, die eine schöne abgerundete Krone bilden. Die in Endrispen stehenden, süßduftenden, hellblau-rosenroten Blüten werden schon im Herbst vorgebildet. In Norddeutschland bildet sich die P. selten zu einem Baume aus, sehr häufig friert der junge Baum bis zur Wurzel ab und entwickelt aus derselben wieder neue starke Triebe mit sehr großen Blättern. In rauhern Lagen wird deshalb die P. nur als Blattpflanze benutzt, wobei man auf die Stammbildung verzichtet und auf die Erzeugung eines starken Stockausschlags hinarbeitet.

Paulsen, Friedr., Philosoph, geb. 16. Juli 1846 zu Langenhorn in Schleswig, studierte seit 1866 in Erlangen, Bonn und Berlin, habilitierte sich 1875 an der Berliner Universität und ist seit 1878 daselbst außerord., seit 1893 ord. Professor der Philosophie und Pädagogik. Seine größern Arbeiten sind: "Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Kantischen Erkenntnistheorie" (Lpz. 1875), "Geschichte des gelehrten Unterrichts auf den deutschen Schulen und Universitäten vom Ausgang des Mittelalters bis zur Gegenwart" (ebd. 1885; 2. Aufl., 2 Bde., 1896), "Das Realgymnasium und die humanistische Bildung" (Berl. 1889), "System der Ethik mit einem Umriß der Staats- und Gesellschaftslehre" (ebd. 1889; 3. Aufl., 2 Bde., 1894); "Einleitung in die Philosophie" (ebd. 1892; 4. Aufl. 1896), "Über die gegenwärtige Lage des höhern Schulwesens in Preußen" (ebd. 1893).

Paulsen, Louis, Schachspieler, geb. 15. Jan. 1833 zu Nassengrund in Lippe, ging 1854 nach Amerika und gelangte dort bald zu hohem Ansehen als Schachspieler; nach sechsjährigem Aufenthalt daselbst kehrte er wieder nach Europa zurück, wo er gegen die berühmtesten Spieler mit Erfolg kämpfte, so gegen Anderssen und Blackburne. Er starb 19. Aug. 1891 zu Blomberg in Lippe. P.s Hauptstärke lag in der Verteidigung und in der Führung der Läufer (unter den Schachspielern als Paulsensche Läufer sprichwörtlich geworden); seine Berühmtheit verdankt er zum großen Teil dem Blindlingsspiel.

Paul (Kegan), Trench, Trübner & Co., Limited, Verlags-, Sortiments- und Kommissionsbuchhandlung in London, Aktiengesellschaft, gebildet 1889 durch Vereinigung der dortigen Firmen Trübner & Co. (s. Trübner, Nikolaus) und Kegan Panl, Trench & Co. (Verlagsbuchhandlung) und George Redway zu einem Geschäft.

Paul und Virginie, Roman von Bernardin de Saint-Pierre (s. d.).

Paulus, hebr. Saul genannt, Apostel Jesu Christi, geb. zu Tarsus in Cilicien von jüd. Eltern, doch als röm. Bürger. Den lat. Namen P. scheint er nach jüd. Sitte im Verkehr mit Griechen und Römern sich beigelegt zu haben. Von seinen Eltern zum Rabbi bestimmt, wurde er nach Jerusalem geschickt und dort unter Gamaliel (s. d.) in der pharisäischen Theologie unterwiesen. Nach damaliger Sitte betrieb er daneben ein Handwerk, die Grobweberei. Ein energischer Geist, mit reger Phantasie und scharfem Verstand begabt, voll glühenden Eifers für das einmal Ergriffene, setzte er alle Kraft an einen unsträflichen Wandel nach dem