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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pelletpulver – Peloponnes

Pelletpulver, s. Schießpulver.

Pellĭco, Silvio, ital. Dichter, geb. 24. Juni 1788 zu Saluzzo, erhielt seine Bildung in Lyon und Mailand, wurde hier Professor der franz. Sprache am Kollegium der Soldaten-Waisenkinder, dann Hauslehrer bei Graf Porro und gab mit Manzoni, Sismondi u. a. «Il Conciliatore» heraus. Nach einem Jahre wurde die Zeitschrift von der österr. Regierung unterdrückt, P. selbst als des Carbonarismus (s. Carbonari) verdächtig 13. Okt. 1820 verhaftet und nach Venedig, dann auf den Spielberg gebracht. Die Geschichte seiner zehnjährigen Gefangenschaft, die seine Gesundheit untergrub und ihn dem Mysticismus zuführte, hat er in dem Buche «Le mie prigioni» (Par. 1833; Lpz. 1885; deutsch von Becker, ebd. 1833; von Zschech, ebd. 1873) selbst erzählt. Nach der 1. Aug. 1830 erfolgten Befreiung lebte er als Sekretär der Marquise von Barolo in Turin und starb daselbst 31. Jan. 1854. Eine Statue P.s (von Simonetta) befindet sich in Saluzzo. Unter seinen Dichtungen hatte das Trauerspiel «Francesca da Rimini» (Mail. 1818 u. ö.; deutsch von Schädelin, Kannegießer, M. Waldau u. a.) den größten Erfolg. Seine «Opere» erschienen zu Padua (2 Bde., 1831 u. ö.) und Leipzig (2 Bde., 1834–38; eine gute Auswahl Lpz. 1868), als «Opere complete» Mailand 1886. Seinen Briefwechsel («Epistolario») gab Stephan: (Flor. 1856) heraus; die «Lettere famigliari inedite» (2 Bde.) erschienen Turin 1877–78. – Vgl. Chiala, Vita di S. P. (Flor. 1852); Giuria, P. e il suo tempo (Voghera 1854); Bourdon, S. P., sa vie et sa mort (Par. 1879; deutsch von J. Kemen, Luxemb. 1889).

Pellisov, Emil, Pseudonym des Physikers K. F. Emil von Schafhäutl (s. d.).

Pellsche Gleichung, s. Diophantische Gleichungen.

Pellucidität (lat.), Durchsichtigkeit; im engern Sinne die Eigenschaft, das Licht durchschimmern zu lassen (wie z. B. bei Milchglas).

Pellworm, eingedeichte Insel in der Nordsee, westlich von Nordstrand (s. d.), mit der sie bis 1362 und dann wieder 1551–1634 zusammenhing 38 qkm groß, mit über 2000 E. und zwei Kirchen. P. steht in regelmäßiger Dampfschiffverbindung mit Husum, hat fruchtbaren Marschboden, Anbau von Getreide und Viehzucht.

Pelly-River, Fluß in Britisch-Nordamerika, entspringt im Francessee unter 61° nördl. Br., nimmt rechts den Macmillan auf und vereinigt sich mit dem Lewes. (S. Jukon.)

Pelo, s. Seide.

Pelobătes fuscus, s. Knoblauchskröte.

Pelobatĭdae, s. Frösche.

Pelopĭdas, vornehmer Thebaner, Zeitgenosse und Freund des Epaminondas, befreite zu Ende des J. 379 v. Chr. seine Vaterstadt von der Gewaltherrschaft der durch eine spartan. Besatzung unterstützten oligarchischen Partei. Mit einigen Verschworenen kehrte er heimlich aus der freiwilligen Verbannung von Athen zurück und stieß als Hetäre verkleidet die Häupter der Oligarchen bei einem Gelage nieder. Die Spartaner mußten daraufhin die theban. Burg räumen. Unter Epaminondas erfocht P. den entscheidenden Sieg über die Spartaner bei Leuktra (s. d.), 371 v. Chr., an der Spitze der von ihm befehligten Heiligen Schar und drang im Spätjahr 370 mit Epaminondas in den Peloponnes ein. Später brachte P. die neue Machtstellung Thebens namentlich in Thessalien und ↔ Macedonien zur Geltung und fiel 364 bei Kynoskephalä gegen den Tyrannen Alexander von Pherä.

Pelopĭden, das altberühmte, von dem mythischen Pelops stammende Herrschergeschlecht in Argos, das von seinen Burgen Mykenä, Tiryns, Mideia aus große Teile der den Namen des Pelops tragenden Peloponnes beherrscht zu haben scheint. Nach Homer vererbte sich das von den Göttern verliehene Königsscepter friedlich von Hand zu Hand. Dagegen ist in der nachhomerischen Überlieferung das Pelopidenhaus die Stätte endloser Greuel, die mit der meuchlerischen Ermordung des Myrtilos (s. d.) durch Pelops begannen, sich in den Freveln seiner Söhne Atreus und Thyestes sowie in der Ermordung des Agamemnon durch Aigisthos und Klytaimnestra fortsetzten und endlich mit der Rache des Orestes, die bis zum Muttermord ging und sich durch Wahnsinn selber rächte, endigten. Die Schicksale der P. haben den griech. Tragödiendichtern reiche Stoffe geboten.

Pelopium, nach dem Vorgange von H. Rose in Berlin früher angenommenes metallisches Element, das sich, mit Sauerstoff verbunden, als Pelopsäure neben Niobium (s. d.) und Tantal in dem Mineral Tantalit finden sollte. Es stellte sich jedoch auf unwiderlegbare Weise heraus, daß die Pelopsäure nur unreine Niobsäure ist.

Peloponnes, grch. Pelopónněsos (d. i. die Insel des Pelops, s. d.), jetzt Morea (s. d.), der bei Homer noch unbekannte Name der Halbinsel, welche, durch den korinth. Isthmus mit Mittelgriechenland verknüpft, den südlichsten und am reichsten gegliederten Teil der Balkanhalbinsel bildet. Der P. bedeckt 21466 qkm und ist durchaus gebirgig. (S. Karte: Griechenland.)

Das Kernland ist das von NW. nach SO. streichende, mit Bergketten erfüllte Hochland Arkadien (s. d.), das sich im N. zu drei mächtigen Gebirgsstöcken: Kyllene (jetzt Ziria), Arcania (Anmerkung des Editors: Aroania) (jetzt Chelmos) und Erymanthos (jetzt Olonos), erhebt. Die steilen Abdachungen nach N., aus denen sich die von den Alten als Chelydorea (jetzt Mavron Oros) und Panachaikon (jetzt Voidias) bezeichneten Gebirge selbständiger hervorheben, nebst dem schmalen Küstensaum am Golf von Korinth bilden die Landschaft Achaia (vor der dor. Wanderung Ägialeia, d. i. Gestadeland, genannt). Im W. lagern sich dem arkad. Berglande ausgedehnte Tafelländer vor (Pholoe), welche in mehrern Stufen zu einer fruchtbaren Küstenebene hinabsteigen; sie bilden zusammen die Landschaft Elis. Nach SW. hängt Arkadien durch das Lykäongebirge zusammen mit dem Ägaleosgebirge, dem Rückgrat der Messenischen Halbinsel, während es sich nach SO. direkt in dem breiten Parnongebirge fortsetzt, das sein Ende im Kap Malea weit in das Meer vorstreckt. Zwischen diesen beiden Ausläufern erhebt sich als ziemlich selbständiges Gebirge der langgestreckte Taygetos, sich verlängernd in die mittlere der drei südl. Halbinseln des P., welche endet mit der Südspitze der Balkanhalbinsel: Kap Tänaron oder Matapan. Der Taygetos erreicht mit 2409 m die größte Höhe des P. Die beiden südl. Gebirge, Parnon und Taygetos, umschließen die Landschaft Lakonien. Nach O. wird Arkadien durch den geschlossenen Gebirgswall des Artemision und Parthenion begrenzt, an welchem sich die mit vielgestaltigen Bergzügen erfüllte östlichste Halbinsel Argolis anschließt. Zwischen diese von dem centralen Hochlande auslaufenden Gebirge schieben sich Meeresgolfe ein, in deren Hinter-