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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pemba - Pembroke
Biber, amerik. Zobel, Bären, virain. Iltis und
Otter, Chinchilla; an P. zweiter Klasse kommt in
größern Quantitäten an den Markt: Schuppen,
Skunks (Stinktierfelle), Nörz, Baum- und Stein-
marder, Luchs, Rotfuchs, Hermelin, Landiltis, Ka-
linken, Krimmer, Persianer, Wolf, Affen und Sumpf-
biber (Nutria); an P. dritter Klaffe kommen in ganz
großen Quantitäten (ein bis mehrere Millionen) an
den Markt: rusf. Eichhörnchen (Feh), Bisam, austral.
und amerik. Opossum, alle Kaninchenarten, Murmel,
Astrachan und Schmaschen (s. Lammfelle). Nber Zn-
richten und Färben des P. s. Rauchwarenzurichterei.
Die Aufbewahrung muß an luftigen, schattigen und
trocknen Orten geschehen, die Gegenstände müssen
öfters durchgeklopft und gekämmt werden; auch
pflegt man sie in Leinwand eingeschlagen, mit
dazwischen gestreuten, stark riechenden Substanzen
(Kampfer) zu verpacken.
Das P. bildet den Gegenstand eines bedeutenden
Handels, des Pelzhandels (auch Rauchwaren-
bandel genannt). Obenan in Produktion und
Handel stehen Rußland, besonders Sibirien, und
Nordamerika, namentlich Canada und Alaska. In
Nordamerika baben große Aktiengesellschaften, wie
die Hudsonbaicompagnie (s. d.), Alaskacompagnie
in San Francisco, das Geschüft in den Händen.
In Rußland sind für den Pelzhandel bedeutend
die Messen in Nishnij Nowgorod und Irbit (s. d.),
ferner Kiachta für den Verkehr mit China und
Astrachan für den mit Persien; endlich als ständige
Plätze Petersburg und Moskau. Der Hauptstapel-
platz für den internationalen Verkehr, insbesondere
für den Austausch der Erzeugnisse zwischen Rnß-
land und Nordamerika, die beide neben inländischem
auch viel ausländisches P. verbrauchen, ist seit An-
fang des 19. Jahrh. Leipzig geworden, dessen jähr-
liche Zufuhr an P. auf 40 Mill. M. geschätzt wird,
wovon höchstens 35 Proz. in Deutschland bleiben.
Außerdem finden große Pelzauktionen mit Zufuhr
aus Nordamerika in London statt (im Januar, März,
Juli und September) sowie Auktionen für grönländ.
Ware (Nobbenfelle u. a.) in Kopenhagen. Deutsch-
land liefert eine nicht unbedeutende Menge sog.
Wildware (d. i. P. von Marder, Iltis, Otter u. a.),
serner Lämmer-, Ziegen-, Kaninchen- und Katzen-
felle. Der jährliche Umsatz aus erster Hand wurde
1879 auf 40 Mill. M. berechnet, wovon 08 Proz.
ins Ausland abgesetzt wurden. Seitdem ist er noch
erheblich gewachsen und wird nach dem Urteil Sach-
verständiger gegenwärtig auf 70 Mill. M. ver-
anschlagt^ wovon etwa 75 Proz. auf den Umsatz
mit dem' Auslande entfallen. Haupthandelsplätze
neben Leipzig sind Hamburg (durch die ostasiat.
Dampferlinien und den Verkehr mit Südamerika),
Berlin, ferner Wien und Budapest für den Verkehr
mit dem Orient. Im I. 1895 betrug in Deutsch-
land die Einfuhr von rohem P. 42,4 Mill. M., von
fertigem P. (Kürschnerwaren) 2,3 Mill. M., dagegen
die Ausfuhr von unbearbeitetem P. 30,2 Mill. M.,
von Kürschnerwaren 3,4 Mill. M. Frankreich sührte
(1893) für 16,2 Mill. Frs. rohes P. ein, für 7,i Mill.
Frs. Kürschnerwaren aus. Die Einfuhr in Öster-
reich-Ungarn belief sich (1893) für rohes oder teil-
weise zugerichtetes P. auf 2,0 Mill. Fl., die Aus-
fuhr von Kürschnerwaren auf 0,4 Mill. Fl. - Vgl.
Lomer, Der Rauchwarenhandel (Lpz. 1864).
Nber das heraldische P. s. Heraldik.
Pemba, Insel an der Ostküste von Afrika, zwi-
schen 4° 50' und 5" 3(/ südl.Vr., nördlich von San-
sibar, ist 75 km lang und 10l<m breit, hat 964 "ikm
und 10000E. Wegen ihrer außerordentlichen Frucht-
barkeit heißt sie bei den Arabern El-Huthera, d. i.
Insel der Pflanzen. Das wertvollste Produkt sind
Gewürznelken; 1889 wurden nahezu an 10 Mill.
Pfd. ausgeführt. Seitdem P. unter das engl. Pro-
tektorat von Sansibar gestellt worden und durch die
Abschaffung des Sklavenhandels die Arbeitskräfte
verteuert wurden, nimmt die Nelkenkultur ab; der
Wert des Exportes betrug (1890/91) nur 3 Mill. M.
Hauptort ist Tschaka auf der Westseite.
Pemberton (spr. pemmbert'n), Stadt in der
engl. Grafschaft Lancashire, im SW. von Wigan,
mit Kohlengruben, Steinbrüchen, Baumwollspinne-
rei und Eisenwerken, hat (1891) 18400 E.
Pemblemere, See bei Vala (s. d.).
Pembrey (spr. pemmbre), Stadt in der engt.
Grafschaft Carmarthen (Wales), bei Llanelly, mit
(1891) 6335 E.; Zinn- und Kupferhütten und
Kohlenhandel.
Pembroke (spr. pemmbruck). 1) Die südwest-
lichste Grafschaft des engl. Fürstentums Wales, die
viel gebuchtete Halbinsel zwischen dein St. Georgs'
und dem Bristolkanal, zählt auf 1582,90 qkm (1891)
89125 E., d. i. eine Abnahme von 2,9 Proz. gegen
1881. Die Grafschaft hat wegen der hier in Land-
spitzen auslaufenden Gebirge von Wales eine teils
wellenförmige, teils von Bergketten dnrcbzogene
Oberfläche; am bedeutendsten ist die Preceleykette
mit dem 536 m hohen Preceley-Top. Nur die Süd-
küste ist eben. An der Küste liegen felsige Inseln,
darunter Ramsey, und im Norden von dieser bei
Kap St. David's Head die Gruppe des "Bischofs
und seiner sieben Schreiber" (Clerks). Die wichtig-
sten Flüsse sind der Teifi und Cleddan. Merkwürdig
ist das Bosherstonmere, ein großer tiefer Snmpf.
Ackerbau wird vernachlässigt, Viehzucht, verbunden
mit Milchwirtschaft, Geflügelzucht, Küstenfischerei
und Steinkohlenbergbau sind die wichtigsten Er-
werbszweige, Industrie und Handel sind unbedeu-
tend. Die Grafschaft ist von röm. Straßen durch-
schnitten und reich an Druidendenkmalen und Burg-
ruinen, darunter Carew-Castle, 5 Icm nordöstlich von
P., das verfallene Schloß altbrit. Fürsten. Die
Grafschaft wird wegen der hier vorherrschenden engl.
Sprache I^ittls Un^Iancl I)6)onä ^Vales genannt.
Sie schickt ein Mitglied in das Parlament. Haupt-
stadt ist Haverfordwest (s. d.), wichtiger Hafen Mil-
ford. - 2) Stadt in der Grafschaft P., an einer
Bucht des Milfordhafens, auf einer Landenge, am
Fuße eines Berges, Municipalborough und mit
Haverfordwest Parlamentsborough, hat (1891)
14978 E. und eins der größten Seearsenale Groß-
britanniens in der Vorstadt Pater oder Pembroke-
Dock, das mit den Werften 36 Ka. bedeckt. Wellen-
brecher und fünf Forts decken die Einfahrt zum
Hafen, sieben Forts den Fahrweg, und eine Reihe
von Festungswerken umgeben die Stadt. P. hat
eine große Markthalle, Ruinen eines alten berühm-
ten Bergschlosses normann. Ursprungs und eine alte
Priorei Monkwn ?ii0i'^). Etwa 5 km südlich
Etackpole-Court, Schloß des Earl of Cawdor.
Pembroke (spr. pe'mmbruck), engl. Grafentitel,
den verschiedene Geschlechter führten und der dem
Schlosse und der Stadt P. entlehnt ist. Arnulf, aus
dem normann. Hause Montgomery, baute das Schloß
gegen Ende des 11. Jahrh. Sein Erbe, Gilbert
von Cläre, erhielt 1138 vom König Stephan die
Würde eines Grafen von P. Dessen Sohn Richard,