Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

1051

Peru (Republik)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Peru'

Charakter der Vegetation ist im allgemeinen derselbe wie in der westl. Sierraregion. Auch hier fehlt noch Waldung, aber die Kultur der europ. Früchte reicht hier höher hinauf. Orangenbäume und die köstliche Chirimoya finden sich in großer Vollkommenheit, zum Teil im Thal von Huanuco. Die Waldregion, durch die östl. Abdachung der Binnencordillere des mittlern und südlichen P., das Längenthal des Huallaga zwischen der mittlern und östl. Cordillere und die Westabdachung der letztern im nördlichen P. gebildet, zerfällt selbst wieder in zwei Stufen, in die obere Wald- oder Cejaregion, zwischen 1500 und 2600 m Höhe, und die eigentliche Waldregion unterhalb. Die erstere, aus schroffen Thälern und zerklüfteten Gebirgsrücken bestehend, hat im obern Teil rauhes, naßkaltes Klima. Die eigentliche Waldregion beginnt in der Ausbreitung der ostwärts streichenden Querthäler, den untern Abfällen der Anden und ihrer Zweige und dehnt sich von hier in die große Ebene des centralen Südamerika aus. Unermeßliche tropische Urwälder hochstämmiger Baumarten, auch der Palmen, große Grasfluren und ausgedehnte Sümpfe wechseln miteinander ab. Die Kultur ist in diese Region, welche sich für den Anbau aller tropischen Früchte vorzüglich eignet, fast noch nicht vorgedrungen. Im allgemeinen ist das Klima gesund. An der Küste sind Wechselfieber nicht selten, doch nicht so gefährlich wie in Ecuador. Nur einzelne Punkte gelten für ungesund. Eigentümlich ist den hohen Gegenden die Soroche- oder Punakrankheit. (S. Bergkrankheit.)

Die Fauna ist sehr reich. Die südamerik. Affengattungen haben hier neun Vertreter, wenn auch die Artenzahl geringer ist als im nördl. Brasilien. Der Puma und andere Katzen, Nasenbär, Stinktiere, Hundeformen, Faultiere (Bradypus torquatus Olfers und infuscatus Wagl.), Gürteltiere, Ameisenfresser sind vorhanden. Die Vogelwelt ist glänzend entwickelt, fast alle tropisch-amerik. Familien haben hier Vertreter: sehr zahlreiche Papageien und Kolibris, die wunderbaren Felsenhühner (Rupicola), Pfefferfresser u.s.w., und entsprechend ist das übrige Tierleben entwickelt.

Die Bevölkerung betrug nach der Zählung von 1876 im heutigen verminderten Umfange 2629663 E. Dazu kommen noch 350000 nichtcivilisierte Indianer (s. Tafel: Amerikanische Völkertypen, Bd.1, S. 526, Fig.6), so daß sich eine Dichtigkeit von 2,6 E. auf 1 qkm ergiebt. Neuere Angaben fehlen; doch macht die Sterblichkeit der Kinder in den ärmern Klassen und der Indianer infolge der Pocken eine Zunahme unwahrscheinlich. Die Indianer (57 Proz.) überwiegen unter der Bevölkerung der Sierra und der Puna und stehen im scharfen Gegensatz zu den Mischlingen, den Küstenbewohnern (Costeños). Die peruan. Indianer gehören, mit Ausnahme der östl. Wilden, der andoperuan. Völkerfamilie an, und zwar dem peruan. Zweige derselben, der das ganze westl. Südamerika vom Äquator bis über die Nordgrenze von Chile bewohnt. In P. selbst zerfällt dieser Zweig in zwei Hauptvölkerschaften, die Quechua südwärts bis in die Departements Cuzco, Puno und Arequipa, und die Aymara in dem südlichen, Bolivia benachbarten Staatsgebiet. Aus dem Stamme der Aymara, der einst das ausgedehnte Plateau des Titicacasees beherrschte, ging die Dynastie der Inka (s. d.) hervor, die im Verlauf weniger Jahrhunderte alle übrigen Stämme unter ihr Joch brachte. Die wilden Indianer im ↔ O. der Anden sind wenig bekannt. Die Mestizen oder Cholos und andere Mischlinge (23 Proz.) leben ebenfalls über alle Regionen verbreitet. Die Weißen, vorzugsweise in den größern Städten, namentlich an der Küste, sind teils Nachkommen der Spanier (Kreolen), teils verhältnismäßig viel Europäer. 1876 gab es 18082 Europäer (6990 Italiener, 1672 Deutsche), ferner 50032 Asiaten (meist Chinesen), welche namentlich seit 1872 zur Guanogewinnung eingeführt worden waren.

Erwerbszweige. Es gedeihen alle Kulturgewächse der tropischen und gemäßigten Zone, angebaut aber werden sie, außer Zucker, kaum bis zum Betrage des eigenen Bedarfs. Am bedeutendsten ist der Landbau auf der Sierra. Von Nahrungspflanzen werden besonders Mais, Weizen, Bohnen, Quinoa und Knollengewächse, Kartoffeln von vorzüglicher Güte gebaut, welche die Hauptnahrung der Indianer und Mestizen abgeben. Außerdem kultiviert man in der Sierra Kaffee, Tabak, in den heißern Teilen etwas Zuckerrohr. In größerer Menge wird Zuckerrohr in der Küstenregion angebaut. In den Thälern von Pisco und Ica baut man die Weinrebe an. Ferner zieht man Baumwolle, Oliven, etwas Cochenille; nur steht einer schwunghaften Kultur der Arbeitermangel entgegen. In der warmen östl. Region ist nur die Kultur der Koka von Bedeutung. Unter den dortigen Waldprodukten steht die Cascarilla oder Chinarinde obenan. Die Viehzucht liefert weniger Rinder und Pferde als Schafe. Von Wichtigkeit ist die Zucht des Lama und Alpaca; nicht gezähmt sind die Huanacos und die Vicuñas. Die Industrie ist ohne Bedeutung. Selbst die ehemals ansehnliche Hausindustrie der in der Weberei geschickten Indianer ist sehr gesunken, da jetzt der größte Teil der wollenen und baumwollenen Kleiderstoffe eingeführt wird. Auch der einst blühende Bergbau hat abgenommen, hebt sich aber wieder durch Beteiligung ausländischen Kapitals. Am bedeutendsten ist der Silberbergbau von Cerro de Pasco (s. d.), ferner bei Castrovireina und bei Recuay. Die Silberproduktion bis 1803 schätzt Humboldt auf 872638900 Pesos. Für die Zeit von 1851 bis 1875 wurde die Produktion des Silbers auf 1790000 kg im Werte von 322200000 M., der des Goldes auf 9350 kg im Wert von 26086500 M. berechnet. Am reichsten an Erzen ist die Provinz Ancachs. Mehr als die Hälfte der Silberproduktion geht nach Deutschland. Die Gewinnung anderer Metalle ist sehr unbedeutend. Das Gebiet der Quellflüsse des Purus ist zwar reich an Gold, aber die Ausbeutung ist schwierig. Die ehemals berühmten Quecksilberbergwerke von Huancavelica ergeben jährlich kaum noch 50000 kg. Die reichen Salzlager am Huallaga liefern den Hauptartikel für den Handel am obern Amazonas. Petroleum wird in der Provinz Paitos erbohrt. Die Salpeterlager gehören jetzt Chile. Im ganzen waren 1891: 4187 Minen im Betrieb, darunter 2641 auf Silber, 427 auf Gold (einschließlich der Goldwäschereien), 46 auf Gold und Silber, 28 auf Kupfer, 20 auf Quecksilber, 613 auf Petroleum, 278 auf Kohlen u.s.w. Engl. Kapital ist vielfach beteiligt. Die Industrie ist ganz geringfügig. Die Baumwolle wird jetzt meist im Lande verarbeitet.

Handel und Verkehr litten früher noch mehr als der Bergbau durch den Mangel und die schlechte Beschaffenheit der Straßen. Jetzt sind folgende Häfen durch Eisenbahn mit dem Innern bis zur Küstencoroillere verbunden: Pacocha, Mollendo,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1052.