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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Peru (Ort); Peruanische Altertümer

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Peru (Ort) – Peruanische Altertümer

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Peru'

denten gewählt war, wurde infolge einer im Jan. 1868 ausgebrochenen Revolution gestürzt und der Großmarschall La Fuente zum Chef der Exekutivgewalt ernannt. Dieser bestätigte den 27. Jan. 1865 mit Spanien abgeschlossenen Vertrag und erklärte die Allianz mit Chile, Bolivia und Ecuador für aufgelöst und alle durch Prado eingegangenen Verbindlichkeiten für aufgehoben.

Am 1. Aug. 1868 trat der zum Präsidenten gewählte Oberst J. F. Balta sein Amt an. Unter seiner Amtsführung brach 13. Aug. 1868 eine Flutwelle über die Westküste Südamerikas von Arica nordwärts bis Ecuador und zerstörte die blühendsten Hafenplätze P.s. Am 22. Juli 1872 wurde Balta bei einem durch den Oberst Gutierrez hervorgerufenen Aufstande in Lima ermordet. Gutierrez proklamierte sich zum Diktator, wurde aber schon 26. Juli vom Volke gelyncht, worauf der Vicepräsident Oberst Mariano Ceballo die Regierungsgewalt übernahm und die Ruhe wiederherstellte. Gleich darauf wurde Manuel Pardo zum Präsidenten erwählt, dessen Regierungszeit im allgemeinen ruhig verlief und sich durch mannigfache liberale Reformen auszeichnete. Auf Pardo folgte 2. Aug. 1876 Genera Mariano Ignacio Prado. In dem 1879 zwischen Chile und Bolivia wegen der Salpeterlager in Atacama ausgebrochenen Streit suchte P. anfangs zu vermitteln. Da es eine von Chile verlangte Neutralitätserklärung ablehnte, erklärte ihm dieses 4. April den Krieg. (S. Chile, Geschichte.) Beim Ausbruch des Kampfes übernahm Prado den Oberbefehl über das peruan.-bolivian. Heer, kehrte aber, nachdem er 19.Nov. 1879 bei San Francisco (Dolores) geschlagen war, nach Lima zurück und mußte 18. Dez. vor der aufgeregten Volksmenge nach Panama flüchten. Hierauf übernahm der Vicepräsident La Puerta die Regierung; doch schon 21. Dez. brach ein Aufstand unter dem General Pierola aus, der 22. Dez. in Lima einzog und den Titel Oberster Chef der Republik annahm. Dieser betrieb den Krieg mit großem Eifer, aber ohne Erfolg, und flüchtete nach der gänzlichen Niederlage der Peruaner (Jan. 1881), worauf allgemeine Anarchie in P. ausbrach. Eine von den Chilenen eingesetzte provisorische Regierung hatte wenig Macht im Lande, und auch der Juli 1881 zum Präsidenten ernannte Garcia Calderon konnte zu keiner Einigung mit den Chilenen gelangen, da er nur auf Grund der Integrität des peruan. Gebietes Frieden schließen wollte. Am 6. Nov. 1881 nahm der chilen. General Lynch Calderon gefangen, und nun war die Anarchie in P. wieder vollständig. Endlich knüpfte die chilen. Regierung mit dem General Iglesias, den ein Kongreß in Cajamarca 20. Jan. 1883 zum Präsidenten ernannt hatte, Unterhandlungen an, und 20. Okt. 1883 kam der Friede zu stande, worin die Departamentos Tarapaca und Arica an Chile abgetreten und das Departamento Tacna auf zehn Jahre unter chilen. Verwaltung gestellt wurde. Hierauf räumten die Chilenen 23. Okt. Lima, und Iglesias hielt daselbst seinen Einzug. Die peruan. Nationalversammlung wurde auf 29. Febr. 1884 zusammenberufen und genehmigte 8. März den Frieden. Ein Aufstand des Generals Cáceres gegen Iglesias schien 28. Mai 1885 mit der Niederlage des erstern bei Huancayo unterdrückt zu sein, fand aber erst sein Ende, als 2. Dez. 1885 Iglesias sich mit dem wieder siegreich bis nach Lima vorgedrungenen General Cáceres zu einem Abkommen verstand, vermöge dessen beide Generale ihrer Stellung entsagten ↔ und ein neuer Ministerrat provisorisch bis zur Neuwahl eines Präsidenten und des Kongresses mit der Exekutive beauftragt wurde. Die Neuwahl des Präsidenten fiel auf den von der konstitutionellen Partei aufgestellten General Cáceres, und 3. Juni 1886 ergriff der neue Präsident die Zügel der Regierung. Während seiner und des ihm 10. Aug. 1890 folgenden Präsidenten Remigio Morales Bermudez' Regierungszeit herrschte in dem erschöpften Lande Ruhe. Am 1. Mai 1894 starb der Präsident Bermudez, kurz vor Ablauf seiner Amtszeit; aber anstatt daß ihm, wie es die Verfassung vorschreibt, der erste Vicepräsident P. A. del Solar gefolgt wäre, riß der zweite Vicepräsident, der Oberst J. Borgoño, ein Anhänger des frühern Präsidenten Cáceres, die Regierung an sich und ließ, um sich ein gefügiges Werkzeug für die bevorstehende Präsidentenwahl zu sichern, Neuwahlen für die Kammer ausschreiben. Der neu gewählte Kongreß übertrug denn auch das Amt des Präsidenten wieder an Cáceres, der es 4. Aug. 1894 antrat. Doch erhob sich gegen ihn eine Empörung unter General Pierola, der nach seinem Sieg 12. Aug. 1895 zum Präsidenten gewählt wurde. Ein im Mai 1896 in dem Departamento Loreto ausgebrochener Aufstand war im Herbst 1896 noch nicht unterdrückt.

Litteratur. Tschudi, Peru (2 Bde., St. Gallen 1845–46) und dessen Reisen durch Südamerika (5 Bde., Lpz. 1866–69); Grandidier, Voyage dans l'Amérique du Sud. Pérou et Bolivie (Par. 1861); Soldan, Geografia del P. (2 Bde., ebd. 1862; französisch ebd. 1863); ders., Diccionario geografico-estadistico del P. (Lima 1879); Menendez, Manual de geografia y statistica del P. (Par. 1861); Carrey, Le Pérou (ebd. 1875); Raimondi, El P. (Bd. 1, Lima 1874); Desjardins, Le Pérou avant la conquête espagnole (Par. 1858); Prescott, History of the conquest of P. (3 Bde., Bost. 1847 u.ö.; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1848); Pruvonena, Memorias y documentos para la historia de la independencia del P. (2 Bde., Par. 1858); Odriozola, Documentos historicos del P. (Bd. 1 u. 2, Lima 1863–64); Paz-Soldan, Historia de P. indepiendente (ebd. 1871); Markham, Peru (Lond. 1880); Lemoyne, Colombia e P. (Tur. 1880); Squier, P. Reise- und Forschungserlebnisse (deutsch, Lpz. 1883); Cole, The Peruvians at home (Lond. 1884); Evans, From P. to the Plate, overland (ebd. 1889); Ydiaquez, Le Pérou en 1889 (Havre 1890); de las Casas, De las antiguas gentes del P. (Madr.1892); C. R. Markham, History of P. (Lond. und Chicago 1892); Middendorf, P., Beobachtungen und Studien über das Land und seine Bewohner (3 Bde., Berl. 1893–95).

Peru, Hauptort des County Miami im nordamerik. Staate Indiana, Bahnkreuzungspunkt nördlich von Indianapolis am Wabash, hat (1890) 7028 E.: Sägemühlen, Eisenbahnwerkstätten, Wollfabrik, Brauerei, natürliches Gas. – P. ist auch ein Vorort von La Salle (s. d.) in Illinois.

Peruanische Altertümer. Von dem Hausgerät und den Industrieerzeugnissen der alten Peruaner sind allerwärts, sowohl auf dem Hochlande wie an den Küstenorten, ansehnliche Mengen aufgefunden worden. Die alten Peruaner pflegten ihre Toten in zusammengekrümmter Stellung in Tierfelle oder Matten zu hüllen und diese fest zu vernähen und zu verschnüren. Diese Ballen wurden dann weiter in Decken gehüllt, und auf diese Weise größere Mumienballen hergestellt, denen man mit Vorliebe die Gestalt eines unter seinem Poncho

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 1055.