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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Peruzzi (Ubaldino) - Pesaro
Peterskirche, als welcher er Bramantes Plan aus dem lateinischen in das griech. Kreuz umwandelte. 1522 reiste er nach Bologna und Oberitalien, meist mit Festungsbauten beschäftigt. 1527 wurde er Architekt der Stadt Siena, in der er mehrere Paläste baute. 1530-35 war er wieder an St. Peter und mit röm. Palästen beschäftigt, namentlich mit dem herrlichen Palazzo Massimi. Er starb in Rom 0. Jan. 1536. Von seinen Bildern ist das Fresko: Die Sibylle dem Kaiser Augustus die Geburt Christi verkündend, in der Kirche Fonte Giusta in Siena besonders zu nennen. - Vgl. Redtenbacher, Bald. P. (in Dohmes "Kunst und Künstler", Heft 31, Lpz. 1877); Wense, B. P.s Anteil an dem malerischen Schmuck der Villa Farnesina (ebd. 1894). - Sein Sohn Giovanni Sallustio P. baute in Venedig und trat dann in kaiserl. Dienste.
Peruzzi, Ubaldino, ital. Staatsmann, geb. 2. April 1822 zu Florenz, studierte in Siena die Rechte und dann das Bergfach in Paris und Freiberg. Als Abgeordneter in der toscan. Kammer und Gonfaloniere von Florenz stimmte er mit Ricasoli 1818 für Wiederaufrichtung der Regierung des Großherzogs, trat aber 1850 unter Protest zurück, als dieser die Österreicher ins Land rief. Unter der provisorischen Regierung übernahm er 1859 die Leitung des Innern und des Auswärtigen und ging im Auftrage Ricasolis zu Verhandlungen nach Paris. Von Florenz 1860 in die ital. Kammer gewählt, übernahm er als Nachfolger Jacinis unter Cavour das Ministerium der öffentlichen Arbeiten, das er auch unter Ricasoli behielt (Febr. 1861 bis März 1862), und statt dessen das Ministerium des Innern unter Farini (8. Dez. 1862 bis 21. März 1863) und Minghetti (24. März 1863 bis 28. Sept. 1864); nach der Septemberkonvention und der Niederwerfung der Turiner Unruhen musite er zurücktreten (1864). Neben Ricasoli an der Spitze der "Toscaner" stehend, setzte er durch seine Beihilfe 1876 die Linke in den Stand, Minghetti zu stürzen. Seine Hauptthätigkeit aber hatte er feit 1864 Florenz zugewandt, dessen Bürgermeister er geworden war. Da seine auf Verschönerung von Florenz als Hauptstadt gerichtete, für eine Provinzialstadt zu teure Verwaltung seitens der Kammer Tadel erfuhr, legte er 1878 fein Amt nieder und verzichtete auf sein Mandat, wurde aber 1879 von Florenz wieder zum Abgeordneten gewählt. Am 4. Dez. 1890 wurde er Senator und starb 9. Sept. 1891 zu Florenz.
Pervérs (lat.), verkehrt, verderbt: Perversion, Verdrehung, Verschlimmerung; Perversität, Verkehrtheit, Verderbtheit; in der Psychiatrie eine Verkehrung oder Umkehrung der Gefühle und Triebe, dergestalt, daß angenehm gefunden und gern gethan wird, was normalen Menschen unangenehm erscheint, was diese verabscheuen, z. B. das Verschlingen von ekelhaften Dingen und die unnatürliche Befriedigung des Geschlechtstriebes. solche perverse Triebe sind eine häufige Erscheinung bei entarteten Naturen, bei Abkömmlingen von Geisteskranken, desgleichen bei Geisteskranken mit tieferer Störung des Bewußtseins.
Perzént, soviel wie Prozent.
Pes (lat.), der Fuß. P. ca1canĕus, der Hackenfuß (s. d.); P. elephantīnus, der Elephantenfuß (s. Elephantiasis); P. equīnus, der Spitz- oder Pferdefuß (s. d.); P. plantāris, der Hohlfuß (s. d.); P. planus oder valgus, der Plattfuß (s. d.); P. varus, der Klumpfuß (s. d.).
Pesa, ostafrik. Bronzemünze, s. Pice.
Pesach (hebr.), s. Passah.
Pesāde (frz.), Levade, Lektion der Hohen Schule (s. d.), wobei das Pferd die Vorhand hoch erhebt, die Vorderbeine anzieht und sekundenlang in vollem Gleichgewicht auf den Hinterbeinen steht.
Pesante (ital.), musikalische Vortragsbezeichnung: schwerfällig, wuchtig.
Pesarēse, il, ital. Maler, s. Cantarini, Simone.
Pesăro, das alte umbrische Pisaurum, Hauptstadt der Provinz Pesaro-Urbino, an der Mündung der Foglia (Pisaurus) in das Adriatische Meer, in fruchtbarer Ebene zwischen den Ardizischen Hügeln und dem Meere, an der Linie Bologna-Ancona des Adriatischen Netzes, Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Tribunals erster Instanz und einer Handelskammer, hat (1881) 12 913, als Gemeinde 20909, nach einer Berechnung vom 31. Dez. 1892: 24500 E., in Garnison das 14. Feldartillerieregiment (außer 1., 2. und 4. Batterie), eine Brücke über die Foglia aus der Römerzeit, einen Leuchtturm auf dem südl. Molo, 1821 von Pius VII. errichtet, Marmorstatuen des 1792 hier geborenen Rossini, des "Schwans von P.", und des Schriftstellers Grafen Giulio Perticari, einen Dom San Francesco mit got. Portal und einer thronenden Madonna mit vier Heiligen von Giovanni Bellini (1475), einen Herzogspalast, jetzt Präfektur, 1455 von den Sforza erbaut, im 16. Jahrh. durch die Rovere vollendet, mit einem Festsaal (40 in lang, über 15 m breit), wo 1474 die Hochzeit des Costanzo Sforza mit Camilla d’Aragon stattfand, einen Palazzo Almerici, jetzt Mamiani, mit dem Ateneo Pesarese, welches die Bibliothek Olivieri (35185 Bände, 6000 kleinere Schriften, 3000 Handschriften, darunter solche von Torquato Tasso und Poliziano), ein kleines Archiv, Altertumsmuseum, eine ausgezeichnete Majolikasammlung (550 Stück), Pinakothek und Naturaliensammlung (Konchylien) birgt. Im Palazzo Machirelli, jetzt Kommunallyceum, eine sitzende Statue Rossinis von Marochetti (1864). Ferner hat die Stadt ein Gymnasium, eine Oberrealschule, technische Schule, ein Seminar, eine anatom. und Veterinärschule, ein Konservatorium der Musik, Theater und ein Irrenhaus. Auf dem Monte-Santo Bartolo, 3 km von P. entfernt, liegt angeblich der 170 v. Chr. hier geborene röm. Tragiker Accius begraben; auf der Höhe die Villa Imperiale, ein Landhaus (1464) der Sforza. Die Industrie, welche in der Renaissancezeit hervorragend in der Herstellung von Majolika war, erstreckt sich auf Verfertigung von Terragliagefäßen, Seiden-, Hanf- und Wollgeweben, Siegellack, Cremor Tartari, der Handel auf Ausfuhr von Feigen, Wein, Ol, Seide, Seife, Wachs, Eisen und Blei. Der Hafen ist nur für kleinere Fahrzeuge tauglich. Die in der Umgegend wachsenden Feigen, die einen Hauptgegenstand des Handels bilden, werden für die wohlschmeckendsten in Italien gehalten. Auch die Oliven und Trüffeln von P. sind berühmt. P. ist Geburtsort von Mamiani della Rovere und Rossini. - P., ursprünglich von Sikulern, dann von Umbrern und Etruskern, zuletzt von senonischen Galliern bewohnt, seit 184 v. Chr. röm. Kolonie, kam nach der Ostgotenherrschaft an das Exarchat (Pentapolis), durch Schenkung Pippins an den Heiligen Stuhl, 1285 an die Malatesta, 1445 an die Sforza, 1512 an die Rovere und fiel 1631 an den Kirchenstaat zurück. Unter den Rovere, Herzögen von Urbino, war P. ein Mittelpunkt für