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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Petroleumlampen
starken Luftzug; die der Flamme zuzuführende Luft
wird in der Regel zur Kühlung des Brenners be-
nutzt. Der Ölbehälter muß hier stets so weit unter
dem Brenner liegen, daß eine starke Erhitzung des
Als vermieden wird. Bei P. mit Flachbrenner
ist der Brenner mit einer halbkugelförmigen Kappe
bedeckt, die in der Mitte mit einer Asfnung von
etwas größerer Weite als die Mündung des Docht-
rohrs versehen ist; unter dieser Kappe mischen
sich die Petroleumdämpfe mit Luft, wodurch die
Verbrennung befördert und ein Ruhen der Flamme
verhindert wird. Die Rundbrenner sind Argand-
brenner. Für Flachbrenner kommen bauchige Cy-
linder zur Verwendung, für Nundbrenner solche mit
starker Einschnürung; zuweilen wird auch auf einem
in der Achsenrichtung des Hohldochtes sich erhebenden
Stiel ein horizontales Metallscheibchen (Vrand-
scheibe) angebracht, an dessen unterer Fläche der
innere Luftzug sich bricht, so daß die Luft von innen
nach außen auf die Flamme stößt. Die Regulie-
rung des Dochtes wird durch den Eingriff von Zahn-
rädchen bewirkt. Die beste Lage für den Ölbehälter
ist die im Fuß der P., weil hierdurch die letztere
mehr Stabilität erhält und der Behälter keinen
Schatten wirft; auch kann die P. alsdann eine ge-
fülligere Form erhalten. Zimmerlampen werden
zur Milderung des Lichts mit Kugeln, Glocken oder
Kuppeln aus Milchglas oder mattgeschliffenem Glas
versehen. Die Formen der heutigen P. sind außer-
ordentlich mannigfaltig. Bezüglich der Anbringung
werden hauptsächlich Tischlampen, Wandlam-
pen und Hängelampen unterschieden.
Von neuern Konstruktionen der P. seien folgende
erwähnt. BeidemVrillantdoppelbrennervon
Schuster H Baer in Berlin werden zwei gleichbreite
Flachdochte zu einem Cylinder zusammengebogen,
und das Vrandrohr erhält dementsprechend zwei
einander gegenüber liegende Offnungen, durch die
sich die beiden Dochte oben zu einem Kreis vereini-
gen. Durch diese Einrichtung ist der bei großen
Rundbrennern auftretende Übelstand beseitigt, daß
die Lichtstärke nicht in gleichem Verhältnis mit der
Größe des Brenners zunimmt.
Bei dem Neform-Kosmos-Rundbrenner
von Schuster & Vaer findet durch den am untern
Teil des Brenners befindlichen durchbrochenen Ka-
sten sowie durch das im Boden des letztern oder im
Centrum der Dochthülse befestigte Rohr und die
in der Mitte des Brenners angebrachte durchlochte
Vrandscheibe eine vollkommen isolierte innere Luft-
zuführung statt. Der Luftzutritt zu den Außen-
seiten der Flamme erfolgt hier erst, nachdem die
Luft auf ihrem Wege vorgewärmt ist, wodurch die
Intensität der Verbrennung wesentlich erhöht wird.
Aie von derselben Firma konstruierte, mit diesem
Brenner versehene hygieinische Normallampe
vermindert die lästige und schädliche Wärmeaus-
strahlung. Zu diesem Zweck ist die P. mit einem
zweiten Cylinder von größerer Weite ausgestattet.
In dem so gebildeten Zwischenraum sammelt sich
die von der Flamme erhitzte Luft, worauf sie durch
den von unten nach oben gehenden Luftzug gegen
die Zimmerdecke aeführt wird, während von unten
beständig frische Lust nachströmt. Der Mitrail-
leusenbrenner, bei dem der Leuchtstoff durch ein
System von 10 bis 12 runden Volldochten ange-
saugt wird und die angemessene Verteilung der Luft
gleichfalls durch die durchlochte Brandscheibe erfolgt,
eignet sich vorzüglich für schwere Petroleumsorten,
doch ist der Brennstoffverbrauch ein größerer als
bei den gewöhnlichen Brennern.
Die P. mit Flach brenn er sind namentlich durch
die Anwendung mehrerer Flachdochte verbessert wor-
den (Dupler-, Triplerbrenner), die entweder
nur eine oder, wie der Kronen brenn er, mehrere
Flammen geben. Letzterer besitzt sechs Flachdochte
und unter der gewöhnlichen noch eine zweite Kappe,
wodurch eine vollständigere Verbrennung und somit
größere Leuchtkraft erzielt wird. Bei der Kais er-
lampe befindet sich ein Flachbrenner ohne Cylinder
in einer Glocke, die unten in einen stumpfen Kegel
verläuft, dessen abwärts gerichtete Öffnung der
Weite des Brenners entspricht und wie ein Glas-
cylinder auf diesen gestellt werden kann. Durch die
zahlreichen Löcher im Boden des Brenners findet
ein verstärkter Luftzug statt, während die Flamme
gegen seitlichen Luftzug geschützt ist.
Zwei neue Konstruktionen von P. gehen von der
Berliner Lampen- und Vronzewarenfabrik vormals
C. H. Stobwasser & Co. aus; die als Arbeits- und
Studierlampe ausgeführte Sicherheitsschicbe-
lampe ist zum Hoch- und Tiefstellen eingerichtet,
entwickelt ein Minimum von strahlender Wärme,
ist explosionssicher und verlischt beirn Nmsallen',
die neue Luftzuglampe dieser Firma besitzt die Ein-
richtung, daß man sie anzünden kann, ohne Glocke
und Cylinder abzunehmen, und sie von unten aus-
löschen kann.
Für Fabrikbeleuchtung haben Friemann &
Wolf in Zwickau eine mit künstlicher Luftzufüh-
rung versehene Lampe ohne Glocke und Cylinder
konstruiert.
In neuester Zeit hat man ähnlich den Regmerativ-
lampen der Gasbeleuchtung (s. d., Bd. 7, S. 567 d)
auch Petroleumregenerativlampen (Petro-
leumglanzlicht, System Schülke, Berlin) ein-
geführt, in denen das Petroleum in gasförmigem
Zustande ohne Docht und Cylinder mit hoher Leucht-
kraft verbrennt, und die sich für große Einzelflam-
men (bis 150 Kerzen) eignen.
Noch größere Einzelstammen (bis 14000 Kerzen)
lassen sich mit den 1886 von Hannay erfundenen
Lucigenlampen erzielen, die für Beleuchtung
freier Plätze, bei nächtlichen Arbeiten, angewendet
werden. Der flüssige Leuchtstoff, zu welchem sich
hier auch die schwersten Ole eignen, wird beiden
Lucigenlampen durch eine Düse zerstäubt und bil-
det eine meterlange, frei brennende, nicht ruhende
Flamme. Die Climarlampe, das Dürrlicht,
dieDotylampe,WellsLicht, Sunlightlampe
u. a. sind hierher gehörige Konstruktionen.
Für sehr flüchtige Mineralöle, wie Ligroin, sind
besondere Konstruktionen erforderlich. Eine ein-
fache Ligroin lampe besteht aus einem Blech
gcfäß mit einschraubbarem, gut schließendem Deckel
und einem Vrandrohr, das von dem massiven Docht
vollständig ausgefüllt wird. Das Gefäß enthält
ein Stück Badeschwamm, das durch ein Drahtnetz
vom Docht getrennt gehalten wird. Beim Gebrauch
schraubt man den Deckel ab, gießt Ligroin in die
Lampe, bis der Schwamm damit gesättigt ist, und
schraubt den Deckel wieder auf, worauf der Docht ent-
zündet werden kann. Die kleine Flamme ist sehr weiß,
rußt nicht, verlöscht aber leicht. Für die schwersten
Mineralöle eignet sich besonders dieDampfstrahl -
lampe von Hartmann & Lücke, die überall da anzu-
wenden ist, wo Dampf erzeugt wird. Bei derselben
wird ein Dampfstrahl in die Flamme geleitet, der