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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Petrus Aponensis - Petrus Venerabilis

logisch unmöglich, und unerweislich ist auch, daß P. überhaupt nach Rom gekommen sei, daher auch sein angeblicher Märtyrertod zu Rom auf unverbürgter Überlieferung beruht. Auch im ersten Petrusbrief tritt diese Überlieferung nur erst in seltsamer Verhüllung auf, indem Rom "Babylon" genannt wird.

Von den neutestamentlichen zwei Petrinischen Briefen ist der zweite unecht und spät verfaßt. Derselbe kennt bereits eine Sammlung Paulinischer Briefe, deren Rechtgläubigkeit P. beglaubigen soll. Aber auch der erste Brief stammt sichtlich aus Paulinischen Kreisen und läßt erkennen, daß die Christen bereits gerichtlichen Verfolgungen ausgesetzt waren, aber in den Formen der Zeit des Trajan. Die Gemeinden, an die er gerichtet sein will, gehörten zum Missionsgebiete des Paulus. Übrigens ist der Brief reich an tiefen und schönen Gedanken und will die Christen auf die nahe Wiederkunft Christi durch Ermahnungen vorbereiten. Dagegen gehört der dem ersten sonst vielfach nachgebildete zweite Brief bereits einer Zeit an, wo die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi im Erlöschen war. - Kommentare verfaßten zum 1. Brief: Steiger (Berl. 1832), Usteri (Zür. 1887); zu beiden Briefen: Schott (Erlangen 1861 u. 1863), De Wette (3. Aufl., von Brückner, Lpz. 1865), Kühl (in H. A. W. Meyers "Kommentar"; 5. Aufl., Gött. 1887), von Soden (im "Handkommentar zum Neuen Testament", Bd. 3, Freib. i. Br. 1890). Vgl. noch Seufert, Die Abfassungszeit des ersten Petrusbriefs (in der "Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie", 1885); Spitta, Der 2. Brief des P. und der Brief des Judas (Halle 1885).

Außer diesen Briefen sind dem P. noch andere Schriften beigelegt (s. Petrusapokalypse und Petrusevangelium). Die sog. "Predigt des P." war eine judaistische Tendenzschrift, welche die Grundlage der sog. Clementinischen Homilien (s. Clemens Romanus) gebildet zu haben scheint. Außerdem sind noch apokryphische Akten des P. und Akten des P. und Paulus in griech., lat., syr., slaw., kopt. Sprache erhalten. - Vgl. Mayerhoff, Einleitung in die Petrinischen Schriften (Hamb. 1835); Weiß, Der Petrinische Lehrbegriff (Berl. 1855); F. Chr. Baur, Paulus (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1866); ders., Der erste Petrinische Brief (in seinen "Theol. Jahrbüchern", 1856); Holsten, Zum Evangelium des Paulus und des P. (Rostock 1868); Lipsius, Die Quellen der röm. Petrussage (Kiel 1872); ders., Die apokryphen Apostelgeschichten und Apostellegenden, Bd. 2, 1. Hälfte (Braunschw. 1887).

Die röm. Kirche verehrte schon seit dem 2. Jahrh. in dem "Apostelfürsten" P. ihren Stifter und ersten Bischof, dessen Amtsdauer sie auf die J. 42-67 bestimmt. Unter Berufung auf Matth. 16, 18 betrachtet sie ihn als das Oberhaupt der Christenheit, eine Würde, die er auf seine Nachfolger auf dem röm. Bischofsstuhl vererbt habe. Bereits zu Ende des 2. Jahrh. zeigte man in Rom die Todesstätten des P. und Paulus, jene in den Neronischen Gärten auf dem Vatikan, diese an der Straße nach Ostia. Bischof Sixtus II. von Rom ließ die (vermeintlichen) Gebeine des P. und Paulus 29. Juni 258 aus den Katakomben aufheben und an diesen Stätten beisetzen. Seitdem wird der Peter-Paulstag jährlich 29. Juni gefeiert und zwar, wie man schon im 4. Jahrh. meinte, als Todestag der Apostel. Über dem Grabmal des P. wölbt sich die Kuppel der Peterskirche (s. Tafel: Italienische Kunst III, Fig. 2), unmittelbar über dem Grabe steht das von Bernini ausgeführte kostbare Tabernakel (s. Tafel: Altäre II, Fig. 5); im Mittelschiff in der Nische des vierten (Kuppel-)Pfeilers befindet sich die wahrscheinlich aus dem 5. Jahrh. stammende Bronzestatue des P. auf weißem Marmorsessel (s. Tafel: Altchristliche Kunst I). Seit dem 5. Jahrh. feiert die röm. Kirche am 18. Jan. die Errichtung des römischen, 22. Febr. die des antiochenischen Bischofsstuhls durch P. (Petri Stuhlfeier). Das jüngste der Petersfeste ist Petri Kettenfeier. Der Tradition nach soll die Kaiserin Eudoxia, Gemahlin Theodosius’ des Jüngern, die Ketten zum Geschenk erhalten haben, die der Apostel im Gefängnis zu Jerusalem getragen hatte. Diese Ketten soll später der Papst, nebst den Ketten, die P. im Gefängnis zu Rom getragen, aufbewahrt und zu ihren Ehren das Fest der Kettenfeier Petri (festum Petri ad vincula) für den 1. Aug. angeordnet haben.

Petrus Aponénsis, s. Abano.

Petrus Damiani, s. Damiani.

Petrus de Padua, s. Abano.

Petrus de Vinĕa, Sohn des Richters Angelus in Capua, erscheint zuerst 1225 als Hofrichter Kaiser Friedrichs II. im Königreich Sicilien und war seit 1231 bei dessen Gesetzgebung und Verwaltung thätig, dabei des Kaisers vertrautester Rat und zu den wichtigsten Missionen verwendet. Zum Protonotar und Logotheten oder Kanzler erhoben (1247), hatte er noch Friedrichs II. ganzes Vertrauen; weshalb er es dann verlor, ist zweifelhaft. Man sagte, daß er sich an einer Verschwörung gegen das Leben des Kaisers beteiligt habe. Im Febr. 1249 verhaftet, zerschmetterte er sich im April in Pisa den Kopf an der Mauer seines Gefängnisses. P. war besonders berühmt wegen seiner Beredsamkeit, und seine gesammelten Briefe, "Epistolarum libri VI" (hg. von Icelius [Iselin], 2 Bde., Bas. 1740), dienten lange als Muster. Den Bannflüchen der Päpste antwortete er im Namen seines Herrn, und seine zündenden Manifeste riefen alle Fürsten und Völker gegen die päpstl. Anmaßungen zu Hilfe. - Vgl. Huillard-Bréholles, Vie et correspondance de Pierre de la Vigne (Par. 1865); Capasso und Janelli, Pietro della Vigna (Caserta 1882); Presta, Pier delle Vigne (Mail. 1880); außerdem verschiedene Schriften von G. und Jos. Faraone über die Heimat P.’. Sein Schicksal wurde auch novellistisch behandelt.

Petrus Lombardus, s. Lombardus.

Petrus Martyr, eigentlich Peter von Verona, ein Dominikaner, berüchtigter Inquisitor in der Lombardei, wurde 1252 in der Nähe von Como erschlagen. Als Märtyrer heilig gesprochen, ward er der Schutzpatron der span. Inquisition.

Petrus Martyr Anglerĭus, s. Anghiera.

Petrus Venerabĭlis (lat., "Petrus der Ehrwürdige"), Abt und Klosterreformator, geb. 1094 als Sohn eines Edelmanns in der Auvergne, wurde in der Cistercienserabtei Soucilanges bei Clermont erzogen, 28jährig Abt des Klosters zu Cluny, suchte als solcher die Klosterzucht zu reformieren und die Mönche zum Studium der Schriften der Klassiker anzuregen, machte große Visitationsreisen in Frankreich, England und Spanien in den Klöstern seines Ordens und brachte die Cluniacenserkongregation zu neuer Blüte. Gegen die Vorwürfe Bernhards von Clairvaux verteidigte er erfolgreich seinen Orden und gewährte auch trotz der Einsprüche Bernhards dem verfolgten Abälard (s. d.) Schutz und Zuflucht in