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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Petrusapokalypse; Petrusevangelium; Petsa; Petschaft; Petschenēgen

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Petrusapokalypse - Petschenegen

seinem Kloster. Er starb Weihnachten 1156. Seine Schriften sind meist polemischen Inhalts und gegen die Petrobrusianer (s. d.), die Juden und Mohammedaner gerichtet. Seine Übersetzung des Korans ins Lateinische (verbessert von Bibliander, Bas. 1543) blieb lange Zeit die einzige. – Vgl. Wilkens, P. der Ehrwürdige, Abt von Clugny. Ein Mönchsleben (Lpz. 1857).

Petrusapokalypse, Offenbarung des Petrus, eine dem Petrus beigelegte apokryphische Schrift, schon im 2. Jahrh. und längere Zeit nachher vielfach den neutestamentlichen Büchern beigezählt und gleichgestellt, war bis vor kurzem nur noch aus Nachrichten der Kirchenväter und wenigen Bruchstücken bekannt und ist neuerdings durch Entdeckung eines wahrscheinlich aus ihr stammenden größern Abschnittes interessant geworden. 1886 fand die französische archäol. Mission (zu Giseh bei Kairo etabliert) bei Aufdeckung eines kopt. Mönchsgrabes in der Totenstadt Achmim (s. d.) eine Pergamenthandschrift in kleinem Quartformat, worin eine Auswahl auf Tod, Auferstehung und Jenseits bezüglicher Schriftstücke zusammengestellt ist, merkwürdigerweise Partien aus drei Schriften, deren griech. Urtext verloren war und hier nun in bedeutenden Fragmenten wieder erschien: das Petrusevangelium (s. d.), die P. und die Offenbarung des Henoch (s. d.). Erst 1892 konnte in den Memoiren der archäol. Mission die Herausgabe erfolgen, der 1893 ein vollständiges Faksimile der Handschrift in Heliogravure zugefügt wurde. Der Schriftcharakter der Fragmente weist auf das 8. oder 9. Jahrh. als Entstehungszeit dieser Abschrift. Das Bruchstück der P. steht S. 13–19 des Codex. Dasselbe beginnt mit dem Schluß einer Rede des Herrn über das kommende Weltende, wonach erzählt wird, wie Jesus mit den zwölf Aposteln auf einen Berg geht, hier auf ihre Bitte verklärte Gläubige aus dem Jenseits vor ihnen erscheinen läßt und ihnen schließlich dieses selbst zeigt, zunächst den Ort der Herrlichkeit, sodann den Ort der Strafen. Das Stück ist von hervorragendem religionsgeschichtlichen Interesse. Einmal zeigt die sinnliche Buntheit und raffinierte Phantastik dieser Ausmalungen von Himmelspracht und Höllenqual ganz den verderbten Geschmack des niedergehenden Altertums auch in christl. Kreisen; insbesondere tritt neben der im ganzen judenchristl. Richtung die Abhängigkeit von den Vorstellungen der griech. Mysterienkulte überraschend ins Licht; ferner aber ist die hier gegebene Beschreibung der Hölle anscheinend das erste Glied einer Überlieferung, die durch viele Glieder hindurch bis auf Dantes «Hölle» herabgeht. Der Verfasser spricht von sich als einem der Zwölf, doch wird der Name «Petrus» in dem Bruchstück nicht genannt. Dennoch ist es wahrscheinlich, daß das Stück der alten P. entstammt, obwohl die sonst bekannten Fragmente keine Berührung mit ihm zeigen. Es scheint dem Anfang des Buches entnommen zu sein und etwa die Hälfte von dessen Gesamtumfang zu geben. Mit der Johannesoffenbarung zeigt es keine Verwandtschaft, dagegen eine überraschende mit dem 2. Petrusbriefe. – Vgl. A. Dieterich, Nekyia, Beiträge zur Erklärung der neuentdeckten P. (Lpz. 1893).

Petrusevangelium, ein apokryphisches, unter dem Namen des Petrus verfaßtes Evangelium, im 2. Jahrh. in kirchlichem Gebrauch, bald aber aus demselben verdrängt. Der Bischof Serapion von Antiochia (um 200) hielt es zunächst für unverfänglich, fand indes bei näherer Einsicht darin «doketische» Irrlehren (s. Doketismus) und verbot es in ^[Spaltenwechsel] seiner Diöcese. Origenes las es noch, Eusebius verwarf es. Ein so hohes Ansehen wie die Petrusapokalypse erlangte es nicht. Bisher bis auf wenige Fragmente verloren, ist es nach der neuerdings erfolgten Entdeckung eines bedeutenden Bruchstückes (s. Petrusapokalypse) Gegenstand eingehendster Untersuchungen geworden. Jenes Bruchstück umfaßt in der Handschrift von Giseh die Seiten 2–10, setzt mit der Gerichtsscene vor Pilatus ein und bricht in der Erzählung von einer Erscheinung des auferstandenen Jesus am See Genezareth ab. Es enthält demnach die Geschichte der Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu; mit letzterer verbindet es die Himmelfahrt unmittelbar. Bezüglich seiner Wertschätzung gehen die Urteile noch sehr auseinander; und zwar bestimmen dieselben sich danach, ob man das P. schon bei Justinus dem Märtyrer benutzt findet oder nicht. Im erstern Fall erachtet man es für ebenso alt und zuverlässig wie die vier kanonischen Evangelien und bemüht sich die auffallenden Eigentümlichkeiten des neuentdeckten Bruchstückes in unverfänglichem Sinne zu erklären; in letzterm Falle macht man dieselben geltend für einen spätern, die vier Evangelien schon voraussetzenden Ursprung und gnostisch-häretischen Charakter des Buches. Dafür sprechen namentlich gewisse Züge der Kreuzigungsgeschichte, die anzudeuten scheinen, daß Jesus weder Schmerz erlitten noch eigentlich den Tod erfahren habe («Und der Herr schrie laut und sprach: ‚meine Kraft, meine Kraft, du hast mich verlassen’, und als er das gesagt, wurde er aufgehoben»), sowie die anscheinend höchst phantastische, gnostische Vorstellungen verratende Schilderung der Auferstehung und Himmelfahrt. – Vgl. A. Harnack, Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus (in den «Sitzungsberichten der Berliner Akademie», 1892); ders., Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus (1. u. 2. Aufl., Lpz. 1893); von Gebhardt, Das Evangelium und die Apokalypse des Petrus. Die neuentdeckten Bruchstücke nach einer Photographie der Handschrift zu Gizeh in Lichtdruck herausgegeben (ebd. 1893). Eine vollständige Übersicht und Beurteilung der umfangreichen Litteratur gab Lüdemann im «Theol. Jahresbericht» (Braunschw. 1894).

Petsa, Insel, s. Spezzia.

Petschaft (altdeutsch petschat; aus slaw. pečat), ein Werkzeug, mit welchem eine Figur, ein Namenszug oder ein Wappen in ein vorübergehend bildsames Material (Siegellack), insbesondere zum Verschluß von Briefschaften eingedrückt wird; die an einem kurzen Stiel als Handgriff befestigte Platte, in welche die Figur eingraviert ist, ist aus Messing oder Stahl. Auch Ringe (Siegelringe) werden als P. gebraucht und haben dann eine gravierte Metallplatte oder einen geschnittenen Stein zum Siegeln. P. finden sich bereits im Altertum. (S. auch Gemme.)

Petschenēgen, ein Nomadenvolk türk. Stammes, das sich selbst Kangar oder Kangli nannte, bei den Russen Petschenegi, bei den Deutschen Pecinaci, bei den Griechen Patzinaken, in Ungarn Bisseni, magyar. Besenyö genannt, treten zuerst um 830 auf. Von der Wolga her gedrängt von den Uzen, beunruhigten sie die Chasaren, vertrieben um 894 die Magyaren aus Bessarabien nach Ungarn und bewohnten im 10. Jahrh., unter einem Chan in zahlreiche Stämme geteilt, die Steppen vom Don bis zur Donau; auch waren sie in