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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Petscherskaja Lawra - Pettenkofer
der Krim als Nachbarn des byzant. Cherson ansässig.
'))iit den Russen führten sie viele Kriege; Großfürst
Svjatoslav fiel 971 auf dem Rückzug aus Bulga-
rien gegen die P. an den Stromschnellen des Dnjepr.
Nach einer großen Niederlage gegen die Russen bei
Kiew 1036 bedrängten sie das Byzantinische Reich
in dem neu eroberten Bulgarien. Die Kriege des
Chan Tyrach (1048-53) und des Chan Tzelgu
(1086- 91) gegen Vyzanz führten jedoch zu einer
völligen Auflosung dieses Volks. Nach dem großen
Siege des mit den Kumanen verbündeten Kaisers
Alerios Komnenos an der Maritzamündung (1091)
wurden die Reste der P. in den curop. Provinzen,
besonders in Bulgarien ansässig gemacht, wo bald
die Kreuzfahrer mit ibnen in feindliche Berührung
lamen. Ein anderer Teil der P. flüchtete sich nach
Ungarn, wurde dort in allen Komitaten angesiedelt
und verschmolz mit der übrigen Bevölkerung. -
Vgl. Neumann, Die Völker des südl. Rußlands in
ihrer geschichtlichen Entwicklung (2. Aufl., Lpz. 1855).
Petscherskaja Läwra oder Kijewopetscher-
skaja Lawra, Kloster und Festung im südl. Teil
der Stadt Kiew (s. d.).
Petschieren, mit einem Petschaft (s. d.) versiegeln.
Pe-tschi-li, seit 142! Name der chines. Provinz,
in der die neue "nördl. Hauptstadt" Peking lag, im
Gegensatz zu Nan tschi-li. Unter der jetzigen Man-
dschudynastie Heisien die fraglichen Oberstatthalter-
schaften Tschi-li und Kiang-nan, aber auf europ.
Karten hat man den Namen beibehalten. P. hat
innerhalb und außerhalb der Großen Mauer etwa
150000 <)km mit zusammen 19,.<: Mill. (5. Haupt-
stutz ist derPei-ho. Zahlreich sind die kath. Mis-
sionen. Nach P. heißt die wichtige Bucht des Gelben
Meers, in die der Hoang-Ho mündet, mit dem Hafen
Tien-tsin Golf von P.'
Petschöra, Fluh im NO. des europ. Rußlands,
entspringt an der Westseite des Urals auf der Sopka
Bolwan, fließt im allgemeinen nordwestlich durch
die Gouvernements Perm, Wjatka und Archangelsk,
teilt sich im Unterlauf in viele Arme, zwischen denen
viele wüste, nur von Seehunden bewohnte Inseln
liegen, und mündet nach einein Gesamtlauf von
1582 kni in die Petschorabucht des Nördlichen
Eismeers. Nebenflüsse sind rechts die Ussa (718),
links die Ischma (026), Zylma (322 kin) u. a. Das
Flußgebiet umfaßt 329 503 ^m. Die P. ist sehr
wasserreich und fast in ganzer Länge schiffbar, doch
besteht noch keine regelmäßige Schiffahrt. - Vgl.
Latkin, Tagebuch einer Reise an die P. (russisch,
2 Bde., Peiersb. 1857); Seebohm, 8idoria in lln-
rops (Lond. 1880).
Petsopula, Eiland bei Spezzia (s. d.).
Pettau. 1) Bezirkshauptmannfchaft ill Steier-
mark, hat 984,7? l^iin und (1^90) 7<>150 (37 811
männl., 41339 wcibl.) (5. in 131 Gemeinden und
345 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke
Friedau, P. und Rohitsch. - 2) P., slowen. 1'tn^,
Stadt mit eigenem Statut, Sitz der Bezirkshaupt-
mannschaft P., eines Bezirksgerichts (610M likm,
47193 E.), Hauptsteuer-, Hauptpost- und Tele-
graphenamtes, an der Dräu, an deren rechtem
Ufer die größte Ebene Stcicrmarks, das Obere
und Untere Pettau er Feld, sich hinzieht, an
der Linie Budapest Pragerhof der Österr. Südbahn,
hat (1890) 3924 (5., in' Garnison 1 Eskadron des
5. Dragonerregiments "Nikolaus I., Kaiser von
Rußland" und das 4. Pionierbataillon, eine große
Dekanatskirche zum heil. Georg, Minoritcnkloster-
kirche St. Peter und Paul, gräfl. Attemsschcn Frei'
Hof, einst Schloß der Herren von P., Denkmäler
aus der Römerzeit, darunter ein riesiges Marmor-
denkmal (194 n. Chr.) zur Erinnerung an den Sieg
des Kaisers Septimius Severus über seine Neben-
buhler, ein Landesgymnasium, Musikschule, Theater,
Bürgerspital, Sparkasse, 2 Vorschußvereine; Feld-
wirtschaft und Weinbau. Auf einem Berge das
große Schloß Ob er-Pettau. P., als ^stovia,
?6toviuni, I>a6t0vion seit den ältesten Zeiten be-
kannt, war eine bedeutende kelto-german. Stadt.
Im I. 35 v. Chr. wurde sie von Oktavian zerstört,
aber wieder aufgebaut. Romulus Augustus war
hier geboren.
P'ettenkofen, August, Ritter von, Genremaler,
geb. 10. Mai 1822 zu Wien, studierte an der dor-
tigen Akademie und beschäftigte sich besonders mit
lithogr. Arbeiten, in welchen er meist gleichzeitige
Kriegsscenen meisterhaft wiedergab. Zu nennen sind
außer den Albums von A. Leykum und L. T. Neu-
mann: Der brave Tambour, Die brave Marketen-
derin, Reitertod, Der Reiter und sein Roß, Ungari-
scher Landsturm bei Preßburg, Der Sturm auf Ofen
21. Mai 1849, Die überfallene Feldpost, Der ungar.
Reichstag, Kaiser Franz Joseph mit Gefolge, Radetzky
bei Novara, Havnau mit seinem Stäbe, und die
beiden auch als Ölbilder ausgeführten Stücke: Der
mitleidige Soldat und Der Transport von Verwun-
deten. Weiterhin malte P.: Die ungar. Rekruten,
Fluftübergang von Infanterie (1851) und Das russ.
Biwak (1852). Mit dem I. 1853 beginnen seine
ungar. Marktscenen. Bilder wie Der ungar. Markt
(1854), Rumänische Post (1855), Das ungar. Dorf
mit Ochsenwagen und Die Pserde vor einer Czarda
(1856), Iägerhütte mit Strohdach im Walde (1857),
Ungarische Freiwillige (1800), Das Mädchen unter
einem Thor (1864) und Das Rendezvous (1867;
Hofmuseum in Wien) zeigen den Künstler vielleicht
auf seinem Höhepunkt. Von 1870 an begann P. Ita-
lien zu bereisen, und geraume Zeit stehen seine Bilder
gegenständlich unter ital. Einfluß; in den achtziger
Jahren aber verwertete er neben den ital. Studien
auch wieder frühere, so in den Ungarischen Markt-
weibern (1886) und in der Schusrerwerkstütte aus
Südtirol (1888). Er starb 21. März 1889 in Wien.
Pettenkofer, Max von, Begründer der erperi-
mentellen Hygieine, geb. 3. Dez. 1818 auf der Einöde
Lichtenheim bei Neuburg an der Donau, studierte
in München Medizin und Naturwissenschaften, ar-
beitete dann in chem. Laboratorien zu München,
Würzburg und Gießen, trat hierauf als chem. Assi-
stent in die königl. Münze in München und wurde
1847 aufterord., 1853 ord. Professor der mcdiz.
Chemie daselbst. P. begann seine wissenschaftliche
Laufbahn mit physiol.-chem. Arbeiten: Gallcnprobe,
die seinen Namen führt, über einen neuen Körper
(Kreatin und Kreatinin) im Harn u. s. w. Infolge
seiner Thätigkeit an der Münze nahmen seine Ar-
beiten auch eine technische Richtung, z. B. über Af-
finierung des Goldes, Verbreitung des Platins
(Platin in Kronenthalern). Dieser Richtung ent-
stammen nach seinem Übertritt an die Universität
auch noch andere Arbeiten, z. V. Unterschied zwi-
schen Portlandccment und deutschen hydraulischen
Kalken, Erfindung eines Leuchtgases aus Holz und
Regenerationsverfahren der Ölgcnläldc(s. Ölmalerei,
Bd.12^S.579li), das in den bayr., später auch in an-
dern (^taatssammlungen offiziell eingeführt und in
der Schrift "über Ölfarbe und Konservierung der