Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

35
Pettigrew - Petze
Gemäldegalerien" (2. Aufl., Vraunschw. 1872) be-
schrieben wurde. Nach Antritt seiner Professur ent-
wickelte er bald die hygieinische Richtung, die er zu-
nächst in Vorträgen über Diätetik und in einer Ar-
beit (1850) über Öfen- und Luftheizung vertrat.
In den weitesten Kreisen wurde P.s Name be-
kannt dnrch seine Arbeiten über den Luftwechsel in
Wohngebäuden (Ventilation), sowie durch die ge-
meinschaftlich mit Karl Voit ausgeführten Unter-
suchungen über den Stoffwechsel mit Hilfe des von
P. erfundenen Nespirationsapparatcs (s. d.). Von
größter Tragweite sind auch die 1854 begonnenen
Untersuchungen P.s über die Vcrbreitungoart der
Cholera geworden (Einflnh von Boden, Grund-
wasscr, Gnmdluft, Vodenverunreinigung und Nein-
haltung des Bodens), die von Buhl, Seidel, Port
u. a. weiter verfolgt und auch auf den Abdominal-
typhus ausgedehnt wurden. Auf Antrieb P.s
wurden 1865 an den bayr. Landesuniversitäten
eigene Lehrstühle für Hygieine errichtet und in Mün-
chen das Fach ihm übertragen. P. war Vorsitzen-
der der 1873 vom Ncichskanzleramt eingesetzten
Cbolcrakommission und steht jetzt an der Spitze der
Epidemiologen, welcke die Kontagiosität der Ebolera
und damit die Wirksamkeit aller Sperr- und Iso-
liermaßregeln bestreiten, die Entwicklung von Cho-
leraepidemien nicht einfach vom Cholerakranken,
sondern von der Choleralokalität ausgehen lassen
und den Schntz gegen Choleraepidemien lediglich
in den sanitären Verbesserungen der Lokalität er-
blicken; ebenso beim Abdominaltyphus. 1883 wurde
P. in den erblichen Adelstand erhoben, 1889 zum
Präsidenten der königlich bayr. Akademie der Wis-
senschaften ernannt; 1. Aug. 1894 trat er in den
Nuhestand. Die meisten hygieinischen Arbeiten P.s
sind in der "Zeitschrift für Biologie" erschienen, die
er seit 1864 mit von Buhl und von Voit herausgab.
1883 gründete er das "Archiv für Hygieine" (ge-
meinschaftlich mit Hofmann und Förster). Ein um-
fassendes "Handbuch der Hygieine" (3. Aufl., Lpz.
1882 fg.) erscheint nnter P.s und von Ziemssens
Leitung; die einzelnen Kapitel desselben sind durch-
weg von P.s Schülern bearbeitet. Von andern
Schriften P.s sind noch zu erwähnen: "Unter-
suchungen und Beobachtungen über die Verbrei-
tungsart der Cbolcra" (Münch. 1855), "Über den
Lustwechsel in Nohngebäuden" (ebd. 1858), "Die
atmosphärische Luft in Wohngebäuden" (Braunschw.
1858), "Über einen neuen Respirationsapparat"
(Münch. 1861), "Cholcraregulativ" (mit Griesinger
und Wunderlich, ebd. 1866; 2. Aufl. 1867), "Zur
Wologie des Typhus" (mit Wolfsteincr, ebd. 1872),
"Beziehungen der Luft zu Kleidung, Wohnung und
Boden" (4. Aufl., Vraunschw. 1877), "Verbreitungs-
art der Cholera in Indien" (ebd. 1871), "Was man
gegen die Cholera thun kann" (Münch. 1873), "über
Nahrungsmittel und über den Wert des Fleisch-
ertrakts" (2. Aufl., Braunschw. 1876), "Über den
Wert der Gesundheit für eine Stadt" (3. Aufl., ebd.
1877), "Populäre Vorträge" (3. Aufl., ebd. 1877),
"Vorträge über Kanalisation und Abfuhr" (Müncb.
1880), "Der Boden und sein Zusammenhang mit
der Gesundheit der Menschen" (Berl. 1882), "Zum
gegenwärtigen Stand der Cholerafrage" (Münch.
1887), "Die Cholera von 1892 in Hamburg" (im
"Archiv für Hygieine", 1893).
Pettigrew (spr. -gru), James Bell, engl. Phy-
siolog, geb. 26. Mai 1834 zu Rorhill in Lanarkshire,
studierte in Edinburgh und Glasgow Medizin, ge-
wann 1859 Seniors goldene Medaille für seine Ab-
bandlung "0n tlis ai'i-HnZ8M6nt ol tlie illllsctt^
tidi 63 in V6ntrici68 ol tli" vort^Iir^te Iioart" und
wurde infolge davon durch die königl. Gesellschaft in
London zum OooniÄn I^sctuiei' für das I. 1860
ernannt. In demselben Jahre veröffentlichte er die
gerichtlich-mediz. Preisschrift "0n tks pi-^umption
ol 3ui'viv0i'8liip", 1861 die Dissertation "11i6 An^ia,
lNlä N61'V63 ol t1i6 N6Ä1't Hnä tiikil' oonnexinn ^itQ
tlis c61'6dro - Lpin^i and 8^MP3.t,1i6tio 8)^8t6M8 in
müinmalicT". 1862 wurde P. zum assistierenden Ku-
rator des Hunterschen Museums im (^0ii6F6 ol 8ur-
L60N8 in London gewählt; 1869 wurde er als Kura-
tor des anatom. Museums und Professorder Patho-
logie nach Edinburgh berufen. 1870 veröffentlichte
er in den "1i^n8llcti0N8" der königl. Gesellschaft von
Edinburgh seine Abhandlung "0n tiis pli^iolo^ ok
^vinz;8"; 1873 folgte P.s berübmtes Werk "^niinai
locoinotion, oi' ^^iliinA, 8^viinminA anä ü)inß"
(deutsck: "Die Ortsbewegung der Tiere", Lpz. 1875)
und die vor dem (^0116^6 0f8urF6"n8 in Edinburgh
gedaitencn Vorlesungen "^d6i-6i3.ti0n8 0fi)1aiit8anä
luiiinäl3 to inoi'Aknio matter and tli6 interaction
of vital anä pli^ical foi'c68"; 1874 die Vorlesungen
"On t1i6 pIiMoloF^ ok tue circulHtion in p1ant8,
in tke 1c>vv6r 3>nimai8 anci in irmn". 1875 wurde
P. als Professor der Anatomie an die Universität
St. Andrews berufen, wo er feine Thätigkeit mit
der Vorlesung "Nan in 1ii8 an^tomical, pd^8ical,
auä pli^8i0i0^ica1 N8pect8" eröffnete.
?stto (ital.), Brust; etwas in?. haben, eine
Sache zurückbehalten, um bei passender Gelegenheit
damit hervorzntreten.
Petulanz (lat.), Mutwille; Heftigkeit.
I>btunia. "/"FF., Petunie, Pstanzengattung
aus der Familie der Solanaceen (s. d.) mit nur etwa
12 Arten in Südamerika, besonders in Brasilien
und Argentinien, schön blühende krautartige Ge-
wächse, die zum Teil sehr variabel und in vielen
Abarten Zierpflanzen find. Ihre beiden Hanptarten
sind I'. nMa^'iinKoi-g. "7?,FF. aus Südamerika, in
Mitteleuropa im freien Lande nicht aushaltend und
deshalb nur einjährig kultiviert, und?. violÄcea
//oo^., eine einjährige aus Brasilien. Von den in
den Gärten erzogenen Hauptformen ist die wichtigste
?. Fi'^udiüora. Äoi't., die zahlreiche grosiblnnuge,
zum Teil aus Samen färben- und formentreu sich
wiedererzcugende Varietäten umfaßt. Die Blumen
sind weih, karmesinrot, violettrot, rot, rosenrot,
auf hellerm Grunde mit dunkler Aderung, auf ver-
schiedenfarbigem Grunde weih gefleckt oder gestreift,
oft in sternförmiger Zeichnung, oder auf weißem
Grunde violett oder pnrpurn gestreift.
In den Gärten werden die Petunien zur Ver-
zierung der Rasenparterres, zur Besetzung von
Vasen, zur Bildung massiger Gruppen, in den
leuchtenden Färbungen zu fern wirkenden Gruppie-
rungen, in den vorzüglichsten Farben zur Topfkultur
für das Blumenfenster und zur Bepflanzung von
Ampeln, wie z. V. ?. ZranäiüorH _l?o?-t., verwendet.
Man sät die Samen im März oder April in Näpfe
mit leichter, doch nahrhafter Erde unter Glas und
pikiert die jungen Pflanzen, die man später in Töpfe
oder, fo früh es immer die Witterung gestattet, in
das freie Land pflanzt. Diejenigen Varietäten,
welche wenige oder keinen Samen erzeugen, wie die
sehr dicht gefüllten, vermehrt man durch Stecklinge.
Petze, Vulgärbezeichnung für einen weiblichen
Hund. :
3*