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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pferde - Pferdehacke
-4 Jahren die Mittelzähne, mit 4^-5 Iabren
die Eckzähne. Ferner erhält das P., ohne daß hier
Milchzähne vorausgegangen wären, mit 10-12
Monaten den 4. Backzahn, mit 2-2^ Jahren den
5. Backzahn, mit 4 - 5 Jahren den 6. Backzahn.
Die 3 ersten Milchbackzähne wechseln mit 2'/2 und
3'/2 Jahren. Außerdem tritt bei dem männlichen
P. regelmäßig, beim weiblichen ausnahmsweise mit
4 - 5> Jahren zwischen den Schneide- und Back-
zähnen je ein.hakenzahn durch. Mit 5 Jahren be-
sitzt demnach das P. lauter bleibende Zähne. Die
bleibenden Schneidezähne haben einen von rechts
nacb links gehenden ovalen Querschnitt, außerdem
eine Vertiefung auf der Kausiäche, die sog. Kund e
oder K en n u n g (auch Kern oder V o b n e). Diese
Kunde schwindet an den Zangen mit dem 6., an
den Mittelzähnen mit dem 7. und an den Eckzähneu
mit dem 8. Jahre. Kundenlosen Zähnen giebt der
betrügerische Roßkamm durch das sog. Gitschen oder
Mallochen künstliche Kunden (Kontermarken),
uni ein älteres P. jung erscheinen zu lassen. Mit dem
9. Jahre bemerkt man an den C'ckzähnen des Oder-
tiefers eine scharfe dreieckige Einkerbung, den sog.
Einbiß. Dieser verschwindet nach Verlauf eines
Jahres, um mit dem 14. bis 15. Jahre als zweiter Ein-
biß wiederzukehren. Vom 9. Jahre an ist die Al-
te rserkennung beim P. unsicher. Im 9. Jahre
zeigt das P. noch Kundenspuren an den Zangen,
im l0. an den Mittelzä'hnen, im 11. nur noch an den
Eckzähnen. Vom 12. Jahre ab verändert sich die
auerovale Neibefläche der Schneidezähne allmählich
zu einer längs ovalen; vom 12. bis 17. Jahre ist die-
selbe rundlich, vom 18. bis 24. dreieckig, um von da
ab längsoval zu erscheinen. Bei ältern P. treten
außerdem weiße .haare an den Augeubogen vor,
und gleichzeitig wird die Augengrube infolge
Schwundes des Fettes in derselben sehr tief. Die
Lebensdauer des P. scheint 30-50 Jahre zu betra-
gen; doch wird das höchste Alter selten erreicht,
indem zeitige und schwere Arbeiten die meisten vor
dem 20. Jahre so erschöpfen, daß sie nur noch zu
den gemeinsten Diensten verwendbar bleiben und
solchen bald erliegen. Fast alle Teile des toten P.
sind zu benutzen, und die Verwendung der Reste
wird von dem Abdecker fabrikmäßig betrieben. Die
Lehre von der Natur, der Zucht und Behandlung
des P. nennt man Hippologie oder Pf erde künde
(s. auch Pferdezucht).
Das P. ist einer großen Anzahl von Krank-
heiten ausgesetzt. Bei jungen Tieren beobachtet
man die Lahme, später die Druse und .Halsbräune,
.häusig ist Kolik beiP. jeglichen Alters; ferner die
Brustseuche und Pferdestaupe, letztere in gewissen
Jahrgängen. Ein unheilbares inneres Leiden der P.
ist die Rotzkrantheit. Die Gcbrauchsfähigkeit wird
starldee'nürächtigt durch den Koller, Dampf, Pfeifer-
dampf, das Koppen, die Mondblindheit, den schwar-
zen und den grauen Star. Wichtige äußere Krank-
heiten sind fehlerhafte Gebisse (Scheren-, Treppen
gebiß), Brüche, Gelenk- und Sehnenleiden (Gallen,
Sehnenentzündungen, Schale, Spat, Hasenhacke,
Piephacke), Hautkrankheiten (Räude, Mauke, Raspe,
Igelfuß), .hufleiden (Steingallen, Platthuf, Bock-
Huf, Knollhuf, Zwanghuf, .hornspalten, Horukluft,
Hohle Wände). Das Nähere über diese Krankheiten
s. in den betreffenden Einzclartikeln.
L itte r a t u r. Außer den Abbildungen der Pferde-
rassen in engl. Prachtwerken, z. B. R. Hill, ^tclni^g
ot l!e6l3, !wr8?3 et^. (Lond. l820, mit 780 Kupfer-
tafeln), bieten solche auch die deutschen Werke von Ni-
dinger und außerdem d'Alton, Naturgeschichte desP.
und seiner Rassen (2 Bde., Wenn. 1810-16); ferner
Freytag, Pferderassen (Halle 1875, mit 40 Stein-
tafeln); Sportalbum (Stuttg. 1881); Rueff, Das
äußere des P. und feine Fehler (ebd. 1885);
E. Ianssen, Die Pferderassen der Gegenwart (mit
20 Aquarellen, Wandsbeck 1885); Born und Möller,
.Handbuch der Pferdekunde (3. Aufl., Verl. 1890);
Volkers, Abbildungen vorzüglicher Pferderassen
l5. Aufl., Stuttg. 1892); Graf Wrangel, Ungarns
Pferdezucht in Wort und Bild (Bd. 1-3, ebd. 1891
-94; Bd. 4 im Erscheinen); ders., Das Buch vom
P. (3. Aufl., ebd. 1894fg.); Neidhart, Unterricht
über Hippologie (3. Aufl., Wien 1894). Einzelne
sehr gute Blätter lieferten ferner Pforr, Heß, Klein,
Adam, Landfeer, Sperling u. a. Ausgezeichnete
Photograpbien von berühmten P. und Rassetypen
bringen die Werke von Schnäbeli, besonders "Gestüt-
album" (Berl. 1863 - 74). Vgl. noch Grüfe, Die
hippolog. Litteratur 1848-57 (Lpz. 1863); Iähns,
Roß und Reiter in Leben und Sprache, Glauben
und Geschichte der Deutschen (2 Bde., ebd. 1872) und
die unter Pferdezucht angegebene Litteratur.
Pferde, in der Seemannssprache die horizontal
unter den Raben (s. d.) befestigten Taue, die zum
Stützpunkt der Füße der Matrosen dienen, wenn
diese auf die Rahen "auslegen" (hinausgehen), um
die Segel festzumachen oder zu reffen (f. Reff).
Pferdeautilope, s. Blaubock.
Pferdeaushebung, s. Pferdekonskription und
Kriegsleistungen.
Pferdebahnen, s. Straßenbahnen.
Pferdebohne, s. Bohne.
Pferdeegel, s. Blutegel.
Pfcrdeeifenbahnen, s. Straßenbahnen.
Pferdefleischholz, s. Bolletrieholz.
Pferdefuß (?^3 Khuinun), Spitzfuß, diejenige
Abnormität des Fußes, bei welcher die Fußsohle
mit dem Unterschenkel die gleiche Richtung besitzt
und die Ferse derart in die Höhe gezogen ist, daß
der Kranke den Fußboden nur mit dem Ballen und
den Zehen berührt. Der P. ist entweder angeboren
oder in frühester Jugend erworben und hat seine Ur-
sache in einer abnormen Zusammenziehung und Ver-
kürzung der Wadenmuskeln. Die Behandlung be-
steht in der Durchschneidung der abnorm gespannten
Achillessehne, worauf der in seine normale Stellung
gebrachte Fuß entweder durch einen Gipsverband
oder durch orthopäd. Maschinen längere Zeit bis zur
vollendeten Heilung fixiert wird. (S. Klumpfuß.)
Pferdegelder, die Entschädigung für die von
den Offizieren zu beschaffenden eigenen Pferde, wer^
den in Deutschland den rationsberechtigten Offizieren
der Fußtruppeu und der fahrenden Artillerie bis aus-
schließlich den Regimentscommandeuren gezahlt (seit
1. April 1891); sie betragen pro Pferd fürden Stabs'
osfizier 1500 M., für den Hauptmann oder Lieute-
nant 1200 M. und werden für denjenigen Offizier,
der nur ein einziges Pferd hat, für die Zeitdauer von
l^ Jahren, für denjenigen, der mehr als ein Pferd
bat, für die Zeitdauer von 8 Jahren berechnet und in
monatlichen Raten gezahlt, aber nur in dem Falle,
daß das betreffende Pferd wirklich gehalten wird.
Pferdegöpel, s. Bergbau (Bd. 2, S. 760d)
Pferdehaar, s. Roßhaar. >und Göpel.
Pferdehaargewebe, f. Roßhaargewebe.
Pferdehacke, Hackpflug oder Hackmaschine,
ein durch Zugtiere bewegtes Gerät zur Vertilgung