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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phantoskop – Pharisäer

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Phantom'

zogenes natürliches oder künstliches weibliches Becken nebst einer aus Leder gefertigten Gebärmutter und Mutterscheide sowie eine die Leibesfrucht darstellende Puppe, mit deren Hilfe sämtliche Hand- und Kunstgriffe veranschaulicht und eingeübt werden. In der Augenheilkunde befestigt man zu Operationsübungen ein Tierauge (Kalbsauge) in einer Gesichtsmaske.

Phantoskōp (grch.), s. Stroboskop.

Phäo, der 322. Planetoid.

Phäophycēen, Melanophyceen, Melanospermeen, Fucoideen, Fucaceen, eine Gruppe der Algen, die aus vielzelligen Formen besteht, deren Thallus eine sehr verschiedene Gestalt besitzt. Ihre Zellen enthalten größtenteils einen braunen Farbstoff, das Phycophäin, wodurch das gleichfalls vorhandene Chlorophyll verdeckt wird. Man kennt gegen 400 Arten, die fast sämtlich im Meere leben. Von den kleinern Arten, die häufig nur als einzelne Zellfäden auftreten, bis zu den mächtigsten Formen, die eine Länge von 300 m und darüber erreichen, giebt es zahlreiche Übergänge. Auch bei den P. ist ähnlich wie bei den Rhodophyceen (s. d.) die morpholog. Differenzierung bei manchen Arten so weit vorgeschritten, daß man zwischen Stamm und Blatt unterscheiden kann. Die Fortpflanzung erfolgt bei den niedern Formen zumeist durch schwärmende Zellen, die in großen Mengen in Sporangien gebildet werden. Diese Schwärmzellen keimen, nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, oder es vereinigen sich je zwei derselben und bilden dann erst eine Spore, die sich weiter zu entwickeln vermag. Bei manchen höhern Formen, z.B. bei der Gattung Fucus, ist eine deutliche geschlechtliche Vermehrung zu beobachten; hier werden Oogonien und Antheridien gebildet, die in den letztern erzeugten, mit zwei Cilien versehenen Spermatozoiden vereinigen sich mit den aus den Oogonien frei heraustretenden Eizellen, diese entwickeln sich sodann zu Oosporen und können sofort nach der Reife keimen. Die Oogonien und Antheridien sind in der Regel in besondere krugförmig vertiefte Behälter des Thallus, Conceptacula, eingeschlossen. Solche stehen z. B. in Tafel: Algen II, Fig. 9a zu Fruchtständen vereinigt an den Enden des linken Zweiges; 9b zeigt den Durchschnitt durch ein einzelnes Conceptaculum mit Oogonien, 9c ein einzelnes Oogonium, 9d dasselbe, seine Eizellen entleerend, 9e einzelne Eizelle, 9f Conceptaculum mit Antheridien, 9g mit Antheridien besetztes Haar aus einem Conceptaculum, 9h einzelne Antheridien, das untere seine Spermatozoiden ausstreuend. Einige P. werden oft in großen Massen im Meere durch Strömungen zusammengetrieben und bilden so die unter dem Namen Sargasso bekannten Massen (s. Sargassum). Auch an den Küsten werden viele P. ausgeworfen, sie werden zum Teil zur Herstellung von Jod benutzt, häufig aber auch als Dünger verwendet. Einige Arten ißt man in manchen Küstengegenden als Gemüse.

Phäosporēen, soviel wie Phäophyceen.

Phaps, s. Erzflügeltaube.

Pharăo oder Faro, eins der gewöhnlichsten Hasardspiele, das seinen Namen von dem König P. hat, der sonst auf einem der Kartenblätter abgebildet war und in diesem Spiel für ein sehr glückliches Blatt galt. Das P. wird mit zwei vollen franz. Karten gespielt, von deren einer der Bankhalter nach Entfernung des obersten und untersten Blattes regelmäßig abzieht, während aus der andern jeder Spieler ein Buch von 13 Blättern erhält (von 1 bis 10 ↔ und die 3 Bilder), von denen er eine oder mehrere offen besetzt. Hierbei wird, wenn man einen Gewinn nicht einzieht, entweder ein Lappé, ein nach innen gekniffenes Ohr, oder ein Paroli, ein Bruch über die ganze Karte, gebogen, wodurch der Satz demnächst doppelt oder dreifach verloren oder gewonnen wird. Vom Paroli kann man weiter auf Six Leva (le va, der Satz), oder Sept Leva, hiervon wieder auf Douze Leva und Quinze Leva u.s.w. übergehen, wodurch das Spiel sehr gewagt wird.

Pharăo, im Alten Testament und bei den Assyrern Bezeichnung für die Könige der Ägypter. Der Name, hebr. Par- ͑o, assyr. Pir-u geschrieben, ist das ägypt. Per- ͑o, ein Ausdruck, mit dem die Ägypter von ältester Zeit an ihren König bezeichneten. Wörtlich bedeutet er «das große Haus», d. h. den Palast; er gehört also zu den bei allen Völkern häufigen Ausdrücken (Hohe Pforte u.a.), die den Sitz der Regierung anstatt des Regierenden nennen.

Pharăonsratte, s. Herpestes.

Pharăoschlangen, eine pyrotechnische Spielerei, bestehend aus Rhodanquecksilber (s. Rhodanwasserstoffsäure), das beim Entzünden unter Bildung von sich krümmenden, wurmähnlichen Massen verglimmt. Die P. sind gefährlich, weil sie beim Anzünden giftige Quecksilberdämpfe entwickeln.

Pharĭa, alter Name der Insel Lesina (s. d.).

Pharisäer (vom hebr. peruschim, d.h. Abgesonderte), eine religiös-polit. Partei der Juden, die unter der Makkabäerherrschaft aus den ältern Gesetzesfrommen (hebr. chasidim) der griech. Zeit hervorgegangen war. Sie waren der streng gesetzliche Teil des Volks, der sich bemühte, die Herrschaft des Gesetzes auf alle Gebiete des öffentlichen wie privaten Lebens auszudehnen, und der daher in gewissem Maße den religiösen Fortschritt gegenüber der konservativern Tempelaristokratie und ihrem Anhange (Sadducäer) vertrat. Durch ihre peinliche Beobachtung aller Gesetzesbestimmungen erwarben sich die P. ein stetig steigendes Ansehen bei der Masse des Volks. Unter den letzten Makkabäerfürsten, die vergeblich versucht hatten, sie durch Gewalt zu unterdrücken, gelangten sie zu polit. Herrschaft, und die vornehmen Sadducäerfamilien sahen sich genötigt, den Platz im Hohen Rate mit ihnen zu teilen. Mit dem Gegensatz von P. und Sadducäern hängt auch der andere zwischen Schriftgelehrtentum und Priestertum zusammen. In den ersten Jahrhunderten der Gemeinde sind Priester und Schriftgelehrte nahezu identisch. Seit der griech. Zeit gehen beide allmählich auseinander. Die Schriftgelehrten, deren Ansehen in der nachexilischen Periode das Priestertum immer mehr in den Schatten stellte, waren in den zwei letzten Jahrhunderten des jüd. Staates meist P.; die Leitung des Synagogendienstes und der Synagogengenossenschaften brachte sie in fortwährende Berührung mit dem Volk, und seit sie auch im Hohen Rate vertreten waren, mußten die Sadducäer sich oft genug ihnen anbequemen. Die geistige Herrschaft der P. war zur Zeit Jesu so festgewurzelt, daß das Volk sich völlig ihrer Leitung hingab. Nach der Zerstörung des Tempels ging die geistliche Macht naturgemäß völlig an die pharisäischen Gesetzeslehrer über. Die theol. Unterschiede der P. von den Sadducäern betreffen fast nur rituelle Kleinigkeiten ohne religiösen Wert. Durch die Evangelien sind die P. in den Ruf scheinheiliger Heuchler gekommen, die statt auf Herzensfrömmigkeit vielfach nur auf äußere Werkheiligkeit sahen. Es bildet eben

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 77.