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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phönix - Phönizien
verwendet. Die Samenkerne dienen im ausgeweich-
ten Znstand als Futter sür verschiedene Haustiere
und geröstet als Kafseesurrogat. Außerdem werden
die festen Vaststränge sowohl der Blätter als der
Stämme zu den verschiedenartigsten technischen
Zwecken, besonders zu Flechtwerken benutzt, aus den
Blattstielen werden Spazierstöcke u. dgl. hergestellt,
und die ältern Stämme bilden in den Oasen Nord-
afrikas ein wichtiges Bauholz. Die Hütten der Be-
wohner von Fessan sind fast alle aus dem Holz der
Dattelpalme hergestellt. Die größten Anpflanzungen
von Dattelpalmen in Südeuropa finden sich im süd-
östl. Spanien, besonders bei Granada und bei der
Stadt Elche im südl. Teil vou Valencia. Der dortige
Palmenwald umfaßt gegen 80 000 Stämme; ein
ebenfalls stattlicher Palmenhain liegt beiBordighera
izwischen Genua und Nizza). Von den an diesen
Orten kultivierten Palmen werden besonders die
Blätter benutzt; man bindet entweder die Vlattkronen
zusammen, so daß die innern Vlätter nicht grün wer-
den, oder man bleicht sie küustlich. So werden sie
in großen Massen bei Prozessionen u.dgl. benutzt.
Außer der eigentlichen Dattelpalme sind noch zu
erwähnen: die ostindische I>. 8ilv68tii3 /io.rb., die
der Dattelpalme ganz ähnlich ist, nur nicht so hoch
wie diese wird und in ihrem Stamm einen sehr
zuckerreichen Säst enthält, der auch zur Herstellung
von Palmzuckcr verwendet wird. Von der südafri-
kanischen 1'. reclinHta "/acg. werden die Früchte zur
Gewinnung von Dattelhonig benutzt, und die ge-
rösteten Samen dienen ähnlich wie die von I'. äül>
tMi'ki'H als Kafseesurrogat. ?. reeiinatH "Tac^., ?.
flirinit'Li'H AoHB., ?. eanki-ienLiL //o^t. oder ^ul)k"
^ebb (s. Tafel: Palmen II, Fig. 5) und einige
andere werden vielfach wegen der schönen Form
ihrer Blätter als Zierpflanzen in Gewächshäusern
kultiviert. Sie gehö'reu zu den dankbarsten Zimmer-
pflanzen und werden durch Samen vermehrt. - Vgl.
Fischer, Die Dattelpalme (Gotha 1881).
Phönix (grch.Phoiuir), ein mythischer Vogel,
der der Sage nach in bestimmten Zeiträumen (Phö -
nixperioden) aus Arabien oder Indien nach He-
liopolis, der ägypt. Sonnenstadt (ägypt. ^nu, in der
Bibel On), kommen sollte, wo er sich im Tempel des
Sonnengottes ein Nest aus Myrrhen baute und in
demselben aus einem Scheiterhaufen verbrannte, um
aus seiner Asche verjüngt wieder hervorzugehen. Er
wurde in Adlergröße und in Kranichform gedacht
und abgebildet, mit langen Hintcrkopffedern, mit
goldenem und rotem oder vierfarbigem Gefieder.
Wie G. Seyffarth nachgewiesen hat, bezieht sich der
Phönixmythus auf die periodischen Durchgänge des
Merkur durch die Sonnenscheibe, die sich regelmäßig
nach li52 Jahren kurz nach der Früblingsnacht-
gleiche wiederholen, wodurch die Phönirperiode für
die Chronologie große Bedeutung gewinnt. Von
dem wabren P. (auf den ägypt. Denkmälern 1>6nn6
genannt), dessen Erscheinen als eins der wichtigsten
Feste in Ägypten gefeiert wurde, unterschied man
einen außerordentlichen (ägypt. ^IIo"), der auf Denk-
mälern und Münzen (Phönirmünzen) obne Hin-
terkopssedern, den Kopf durch die Sonnenscheibe
steckend, abgebildet wird. Der wahre P. zeigte sich
z. V. 2555 v. Chr. am 6. April unter Sesosiris nach
Tacitus; 1904 v. Chr. am 8. April unter Amos
nach demselben: 50 n. Chr. am 15. April unter
Kaiser Claudius nach Tacitus, Suidas, Plinius
u. a. Seyffarth hat nach einer Anzahl von Mün-
zen, die sich auf Phönixi'rfcheinlllMN in bestimm-
ten Jahren beziehen, in 13 Fällen konstatiert, daß
ohne Ausnahme thatsächlich in allsn den Jahren,
in welche die Alten eine Phönixerscheinung setzten,
Merkurdurckgänge stattgefunden haben. - Vgl.
Seyffarth, Berichtigungen der röm., griech., pers.,
ägvpt., hebr. Geschichte und Zeitrechnung, Mytho-
logie und alten Neligionsgeschichte (Lpz. 1855). -
Der P. wird vielfach als Symbol der Unsterblichkeit,
der sich erneuernden Verjüngung gebraucht. - In
der Heraldik wird er als ein auf Flammen sitzen-
der Adler mit erdobenen Flügeln dargestellt.
Phönix, Sternbild des südl. Himmels.
Phönix, mvtholog. Personen, s. Phoinir.
Phoenix (auch Phenix, spr. fihn-), seit Jan.
1889 Hauptstadt des nordamerik. Territoriums Ari-
zona, am Salt-Niver, unweit seiner Vereinigung
mit dem Gila, durch Zweigbahn mit der Southern-
Pacificbabn verbunden, wurde 1870 angelegt, hat
l1890) 3152 E. und einen jährlichen Handel von
2 Mill. Doll. Die Bewässerungskanäle von Mari-
copa County folgen zum Teil prühistor. Kanälen. Die
Stadt selbst steht an der Stelle eines alten Pueblo;
der Name soll an die Wiederentstehung erinnern.
Phönixinfeln, Inselgruppe im Stillen Ocean,
zwischen 171 und 175" westl. L. und 1" nördl. bis
6° südl. Br. östlich von den Gilbert- und Ellice-
Inseln gelegen, besteht aus 10 flachen Korallen-
inseln von zusammen 42 l^kin Flüche, welche, fast
obne Vegetation, nur wegen ihrer Guanolager von
Nordamerikanern zeitweilig bewohnt und ausge-
beutet werden. Auf Swallow und Howland sieht
man Baureste eiuer untergegangenen Kultur.
Phönixöl, ein aus Rückständen der Petroleum-
destillation angefertigtes Schiniermaterial.
Phönixorden, fürstl. hohenlohischer Hausorden,
vom Fürsten Philipp Ernst I. zu Hohenlohe-Walden-
burg-EchilliugMrst 29. Dez. 1757 unter dem Na-
men der "Goldenen Flamme" gestiftet und 1770
durch eine zweite Klasse unter dein Namen P. ver-
mehrt. Der Wahlspruch des erstern lautet: In 86nio,
der des letztcrn: Nx üainnnZ oi-ior. Den Mit-
gliedern des hohenlohischcn Hauses ist der P. zu
tragen verstattet, an Fremde darf er nicht verliehen
werden. Ordenszeichen ist ein weiß emailliertes
Goldkreuz, im blauen Mittelavers der Phönix mit
der Devise. Das Band ist rot mit perlfarbiger und
goldener Einfassung.
Phönizien (grch.Phoinike) hieß bei den Alten
gewöhnlich der etwa 230 kni lange und 4-20 km
breite Küstenstrich des heutigen Syriens vom Fluß
Eleutheros (Nähr el-Kelnr) im N. bis zum Vorge-
birge Karmel (Haifa) im S., famt den vorliegenden
Inseln, obschon zu Zeiten sowohl im S. als im N.
mehr dazu gerechnet wurde. Das ganze Ländchen,
vom Libanon aus wohl bewässert, war einst äußerst
fruchtbar an Obst, Wein, Palmen, auch Getreide,
reich an Wäldern und Weiden, aber für eine dichte
Bevölkerung doch nicht ausreichend und darum auf
die Entwicklung anderer Erwerbszweige hingewiesen.
In der That wurden die Bewohner das berühmteste
Handels- und Fabrikvolk, die erste seefahrende Na-
tion des Altertums. Ihr Name PHöniker (bei den
'Ägyptern Fencha) hängt zusammen mit Poeni,
Puni, womit die Römer die nordafrik. Phöniker
benannten, und bedeutet wohl die Leute mit roter
Hautfarbe oder die Ostleute, nicht, wie man gemeint
hat, die Leute vom Palmenland; sonst heißen sie
auch nach ihrer Hauptstadt Sidonier oder auch
Kena, Kanaanäer (im Alten Testament). Sie