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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phosphorescenzröhren - Phosphorsäure

haben, im Dunkeln wieder abgeben. Solche Körper sind: mehrere Arten von Diamanten, viele Flußspate, der Bologneser Spat (s. d.), Schwefelbaryum, Schwefelcalcium, Schwefelstrontium, Schwefelzink, der Cantonsche Phosphor (Austernschalen mit Schwefel geglüht), der Wachsche Phosphor (Austernschalen mit Schwefelspießglanz geglüht) und der Balduinsche Phosphor (wasserfreier salpetersaurer Kalk). Alle diese Körper, ebenso wie die aus Schwefelzink und einem Bindemittel bestehende Balmainsche Leuchtfarbe (s. Leuchtfarbe) leuchten im Dunkeln nach Bestrahlung durch Sonnenlicht (Insolation). Andere Mineralkörper phosphorescieren durch mechan. Gewalt, wenn man sie entzweibricht oder darauf schlägt, so z. B. Flußspat, Topas. Einige Mineralien, wie Flußspat (als Chlorophan, und zwar am besten in einem Gläschen unter Öl erhitzt), Phosphorit u. s. w., haben endlich die Eigenschaft, durch Erhöhung der Temperatur P. zu zeigen. Auch durch den darüber geleiteten Entladungsschlag einer elektrischen Batterie werden manche Stoffe phosphorescierend. Die P. organischer Körper ist wahrscheinlich durch eine langsame Verbrennung bedingt. (S. Leuchtende Pflanzen und Tiere.) Mit Hilfe des Phosphoroskops (s. d.) hat Edm. Becquerel nachgewiesen, daß manche Körper nur sehr kurze Zeit nach der Insolation noch leuchten. Becquerel hat ferner beobachtet (1877), daß die durch die violetten und ultraroten Strahlen erregte P. mancher Körper durch die roten und ultraroten Strahlen wieder ausgelöscht wird. Er konnte dadurch die Fraunhoferschen Linien im unsichtbaren ultraroten Teil des Spektrums (s. d.) sichtbar machen, indem er über das scharfe ultrarote Spektrum auf einen phosphorescierenden Schirm noch ultraviolettes Licht fallen ließ, das nur an jenen Stellen P. erregte, die nicht von ultrarotem Licht bestrahlt waren. Die Fraunhoferschen Linien erschienen also hell. Die P. ist dem Wesen nach eine andauernde Fluorescenz (s. d.). - Vgl. Heinrich, Die P. der Körper (Nürnb. 1811); Becquerel, La lumière (2 Bde., Par. 1867-68).

Phosphorescenzröhren, s. Elektrische Lichterscheinungen.

Phosphorescierende Bakterien, s. Leuchtende Pflanzen und Tiere.

Phosphorete oder Phosphormetalle, die Verbindungen von Phosphor mit Metallen. Phosphor erteilt den Metallen technisch nutzbare oder schädliche Eigenschaften. Ein Gehalt an Phosphorkupfer in gewöhnlicher Bronze wandelt diese in Phosphorbronze (s. d.) um; Eisenphosphoret findet sich in jedem Roheisen und macht dieses brüchig, weshalb es durch das Bessemern oder durch den Martinprozeß entfernt wird. Bei letzterm sammelt sich die aus der Verbrennung hervorgehende Phosphorsäure in der Schlacke und kann technisch verwertet werden. Durch Säuren werden viele P. unter Entwicklung von Phosphorwasserstoff zersetzt.

Phosphorige Säure (Acidum phosphorosum) entsteht als Anhydrid (Phosphortrioxyd), P2O3, bei langsamer, ohne Entzündung stattfindender Verbrennung von Phosphor an der Luft. Ihr Hydrat, H3PO3 oder HPO(OH)2, ist eine zweibasische Säure; sie bildet sich bei der Zersetzung von Dreifach Chlorphosphor (s. Phosphorchloride) durch Wasser.

Phosphorit, ein namentlich aus phosphorsaurem Kalk und kleinen Mengen von Chlor-, Fluor- und Jodcalcium bestehendes Mineral, das als eine Art von dichtem und derbem Apatit (s. d.) zu betrachten ist. Dem eigentlichen P. haben sich einige neue technisch wichtige Mineralien beigesellt, die gleich dem P. wesentlich aus phosphorsaurem Kalk bestehen und für die Herstellung von phosphorsäurereichem Dünger bereits eine große Bedeutung erlangt haben. Diese Mineralien sind: 1) der Staffelit von der Lahn in der preuß. Provinz Hessen-Nassau (gegen 37 Proz. Phosphorsäure enthaltend), dessen Ausfuhr von Lahnstein und Pfaffendorf gegenwärtig wohl 1 Mill. Ctr. ausmacht; 2) der Sombrerit, der sich in Menge auf den Antillen, namentlich auf der Insel Sombrero, findet; 3) der Navassit, der seit einigen Jahren aus Nordamerika nach Europa kommt und dem Sombrerit sehr ähnlich ist.

Phosphorjodid, Phosphorjodür, s. Jodphosphor.

Phosphorlatwerge, Phosphorpaste, eine Mischung von Phosphor, Mehl, Wasser und etwas Fett zur Vergiftung von Ratten und Mäusen.

Phosphormetalle, s. Phosphorete.

Phosphornekrose, s. Phosphorvergiftung.

Phosphoröl (Oleum s. Linimentum phosphoratum) besteht aus einer Lösung von 1 Teil Phosphor in 80 Teilen Mandelöl und ist ein zum äußerlichen Gebrauch bestimmtes Arzneimittel.

Phosphoros oder Heosphoros (lat. Lucifer), der Lichtbringer, Name des Planeten Venus, welcher als Morgenstern der Morgenröte vorangeht und das Herannahen des jungen Tages verkündet. Als Abendstern heißt derselbe Planet Hesperos (s. d.). Er gilt als Sohn des Astraios und der Eos, oder des Kephalos und der Eos, oder des Atlas und als Vater des Keyr, des Daidalion und der Hesperiden. In der bildenden Kunst erscheint er oft als geflügelter oder reitender Knabe mit einer Fackel, welcher der Eos und dem Helios voranreitet.

Phosphoroskop (grch.), ein von Edm. Becquerel erfundener Apparat, der im wesentlichen aus zwei auf einer Achse rasch rotierenden Scheiben mit alternierenden Löchern besteht. Ein Körper, zwischen dieselben gebracht, kann von Sonnenlicht bestrahlt werden, wenn man denselben nicht sieht, und umgekehrt kann derselbe gesehen werden, wenn er nicht mehr bestrahlt wird. Bei genügend rascher Rotation sieht man in diesem Apparat die meisten Körper leuchten, da dieselben noch kurze Zeit nach der Beleuchtung durch Sonnenlicht noch Licht von sich geben oder phosphorescieren. (S. Phosphorescenz.)

Phosphoroxybromid, s. Phosphorbromide.

Phosphoroxychlorid, s. Phosphorchloride.

Phosphoroxyde, die Verbindungen des Phosphors mit Sauerstoff, entweder zu Phosphortrioxyd (s. Phosphorige Säure) oder zu Phosphorpentoxyd (s. Phosphorsäure).

Phosphorpaste, s. Phosphorlatwerge.

Phosphorpentachlorid, s. Phosphorchloride.

Phosphorpentoxyd, s. Phosphoroxyde und Phosphorsäure.

Phosphorsalz, s. Natrium-Ammoniumphosphat und Lötrohranalyse.

Phosphorsäure (Acidum phosphoricum), Phosphorpentoxyd oder Phosphorsäureanhydrid, P2O5, entsteht als weiße schneeige, höchst hygroskopische Masse beim Verbrennen von Phosphor in trockner Luft. Man verwendet das Anhydrid zum Trocknen von Gasen. Von ihm leiten sich drei verschiedene Säuren ab. a. Die gewöhnliche oder dreibasische P., P(O(OH)3, wird erhalten, indem Phosphor mit Salpetersäure oxydiert wird; die zu einem spec. Gewicht von 1,120 verdampfte Flüssigkeit enthält 20 Proz. P. und