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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Phytophysiologie - Piacenza (Provinz und Stadt)
Conidie gebildet wird. In Deutschland sind bis
jetzt nur zwei Arten aufgetreten, beide sehr schäd-
liche Parasiten. ?. inl68tan8 ^)e ^. (früher ?6-
roQOLpoi'I. inl68tNQ8 OasP.) ist der Pilz der bekann-
ten Kartoffelkrankheit (s. d.), und die andere, ?.
omuivorg. ^)e ^., findet sich auf sehr verschiedenen
Pflanzen. Besonders nachteilig ist ihre Wirkung
auf junge Buchenpflänzchen, indem sie häufig in
forstlichen Buchensaaten bedeutende Verheerungen
anrichtet und nicht selten gegen 70-80 Proz. der
vorhandenen Pflänzchen zerstört; sie war früher von
Hartia deshalb als?. ka^i beschrieben worden. Die
Mycelien vegetieren besonders in den Kotyledonen
der Pflä'nzchen und senden durch die Spaltöffnungen
Büschel von Conidientrügern aus; die Kotyledonen
faulen sehr bald und innerhalb derselben bildet der
Pilz geschlechtlich erzeugte Oosporen, die beim gänz-
lichen Verfaulen in die Erde gelangen, so daß auch
bei neuen Aussaaten in denselben Beeten die Krank-
heit wieder auftreten kann. Außer auf Buchen findet
sich dieser Pilz häusig uoch in den Blättern der Haus-
wurz (86Np6rvivuiu) und veranlaßt hier gleichfalls
Fäulnis. Auch auf zahlreichen andern Pflanzen ist
er beobachtet und mehrfach als besondere Art be-
schrieben worden, bis de Vary durch Infektions-
versuche nachwies, daß diese Fäulniserscheinungen
auf denselben Pilz zurückzuführen seien.
Phytophysiologie (grch.), s. Physiologie.
?k?1:oVtiH".o, Phytoptocecidien, s. Akaria-
sis und Gallmilben.
?k^toi>tn8, einzige Gattung aus der Familie
der Gallmilben (s. d.). Die gefährlichste Art ist die
Gallmilbe des Weinstocks (?. vitis ^anci.), die auf
den Blättern ihrer Wohnpflanze bucklige, wulstige
Ausbuchtungen hervorbringt, die auf der konkaven
Unterseite mit einem rötlichweihen Filz (s. Filz-
trankheit) bedeckt sind, worin die Milben hausen.
(S. auch Akariasis.)
Phytosterm, (^H^O, eine mit dem Chole-
sterin isomere und diesem ähnliche Substanz, welche
in Pflanzensamen und Keimungen vorkommt und
häufig mit Fetten verwechselt wurde.
Pyytotötnie (grch.), die Anatomie der Pflan-
zen, s. Anatomie und Histologie.
Phytozoen (grch.), s. Zoophyten.
Pi (II, n), griech. Buchstabe, dem P entsprechend;
in der Mathematik bezeichnet ^ (d. i. Peripherie)
die Ludolfsche Zahl (s. d.). ^Stiftung).
5!k 0NU82. (lat.), fromme Stiftung (s. Milde
Piacenza (spr. platschen-). 1) Provinz im König-
reich Italien, m der Landschaft Emilia, grenzt im N.
an die Provinzen Cremona, Mailand und Pavia, im
O. und S. an Parmaund im W. an Pavia, hat 2499,56
(nach Strelbitskij 2355'. ^m mit (1881) 226 717,
nach Berechnung vom 31. Dez. 1892: 229 039 (§.,
d. i. 91 E. auf 1 Hkui, und zerfällt in die zwei
Kreise Fiorenzuola d'Arda und P. mit zusammen
47 Gemeinden. Die Provinz ist im südl. Teile ge-
birgig durch den Ligurischcn Apennin, der sich :m
Mönte-Nero zu 1754, im Monte-Ragoler zu 1710,
im Monte-Noncalla zu 1667 m erhebt, im nördlichen
eben und sehr sruchtbar. Dem die Grenze im Norden
bildenden Po fließen Tidone, Trebbia, Nure, Chero
und Arda zu. Gebaut werden besonders Weizen,
Mais, Wein und Melonen; bedeutend ist die Rind-
vieh- und Schweinezucht sowie die Scidmwltur. Die
die Provinz durchziehenden Eisenbahnlinien laufcnin
der Hauptstadt P. zusammen. - 2) Hauptstadt der
Provinz P., 150 m vom rechten Ufer des Po, über
den eine Eisenbahn- und eine Schiffbrücke führen, an
den Linien Parma-Alessandria des Mittelmeernetzes
und P.-Como (116 km) des Adriatischen Netzes,
mit Dampfstraßenbahn nach Cremona, Nivergaro
und Vorgonure, ist Sitz des Präfekten, eines Bi-
schofs, Tribunals erster Instanz sowie des General-
kommandos des 4. Armeekorps und der Infanterie-
brigade "Cuneo" und hat (1881) 34987, nach Berech-
nung vom 31. Dez. 1892: 37 000 E., in Garnison
das 7. und 8. (ohne das 2. Bataillon) Infanterieregi-
ment, das 21. Feldartillerieregiment (ohne die 1., 3.
und 4. Batterie) nebst einer Traincompagnie, 10 Com-
pagnien Genietruppen, 2 Eskadrons des Kavallerie-
regiments "Aosta" und 2 Compagnien des 4. Train-
regiments, Festungswerke mit Citadelle, Außenforts
und Brückenkopf, breite, gerade Straßen, schöne
Plätze, darunter Piazza de'Cavalli mit den Reiter-
standbildern der Herzöge Alessandro und Ranuccio
Farnese von Francesco Mocchi, Schüler des Gio-
vanni da Bologna, in der Nähe der Piazza del
Comune ein 1867 von der Stadt errichtetes Mar-
morstandbild Romagnosis, Lehrers des Staats-
rechts in Parma, und über 50 Kirchen, darunter
der lombard.-roman. Dom mit drei Löwenvorhallen,
einem Oberbau aus Backstein (13. Jahrh.), Fresken
von Guercino im Kuppelbau und von Lod. Carracci
am Triumphbogen, einer Krypta auf 100 Säulen
und einem Denkmal Pius' IX. von Duprs. Die
Kirche San Sisto, im Renaissancestil 1499-1511
erbaut, hat eine schöne ion. Säulenhalle und eine
Kopie der Sixtinischen Madonna von Avanzini
(18. Jahrh.), nachdem das von Raffael um 1515
für diese Kirche gemalte, jetzt in Dresden befind-
liche Original 1753 für 20000 Dukaten an Kur-
fürst August (III.) von Sachsen verkauft worden
war. Sant' Antonino, ehemals Kathedrale, seit
dem 12. Jahrh, öfter, zuletzt 1857 erneuert, hat eine
schöne got. Vorhalle (Paradiso, 1350) und eine un-
regelmäßige Anlage mit Glockenturm auf acht gro-
ßen Rundsäulen über dem Querschisf; Sta. Maria
di Campagna, ein Centralbau im Stil der Früh-
renaissance (15. Jahrh.), hat Fresken von Pordenone
(1529-31). Unter den zahlreichen Palästen sind
zu erwähnen der prächtige Palazzo del Comune
(13. Jahrh.) mit Pfeilerhalle und Spitzbogen im
Erdgeschoß, reichen Rundbogenfenstern im Ober-
geschoß und stattlicher Zinnenkrönung; der Palazzo
Farnese, 1558 von Vignola prachtvoll erbaut, jetzt
Kaserne, und der Palazzo dei Tribunali mit ver-
fallenen malerischen Höfen. Ferner hat die Stadt ein
technisches Institut, Lyceum, Gymnasium, eine Ober-
realschule, technische Schule, ein 1809 erbautes
schönes Theater, eine öffentliche Bibliothek (129000
Bände, 5800 kleinere Schriften, 2810 Handschriften)
mit einem kostbaren Psalterium auf rotem Perga-
ment, in Silber gebunden, einst im Besitz der Ge-
mahlin Kaiser Ludwigs II., Engilbcrga (9. Jahrh.),
dem "(^oäex I^näiHnuL" von Dantes "GöttlicherKo-
mödie" (1336), einer archäol. und paläontol. Samm-
lung und mehrere Hospitäler. Östlich der Stadt die
Roncalischen Felder. - P. wurde 219 v. Chr. von den
Römern, zugleich mit Cremona, als ^oionia?1a-
c6QtiN gegen die Gallier gegründet und durch ihre
Lage am Po wichtig. 200 von den Galliern zer-
stört, wurde die Stadt von den Römern wieder
aufgebaut und befestigt. Im Mittelalter, wo hier
1095 und 1132 Konzile gehalten wurden, ward P.
abwechselnd von verschiedenen Adelsgeschlechtern
(Scotti, Torriani, Visconti) beherrscht und kam