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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Piāno-Melodĭco; Pianōsa; Pians; Piāren; Piaristen

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Piano-Melodico - Piaristen

hat nur einen solchen Tritt oder Zug; Flügel und Pianino besitzen meist noch einen zweiten Zug für die Verschiebung, durch welche die Klaviatur etwas zur Seite gerückt wird, so daß die Hämmer nur an zwei, statt an drei Saiten anschlagen. Für jeden Ton sind meist drei, beim Tafelpiano nur zwei gleichgestimmte Saiten aufgezogen.

Der Flügel wird in mehrern Größen gebaut, als Konzertflügel mit beinahe 2 m Saitenlänge, und als Stutzflügel von etwas verkürzter Gestalt. Der Konzertflügel ist die vollkommenste Art aller Klavier-Saiteninstrumente hinsichts der Stärke und Fülle des Klangs sowie des Gesangreichtums, soweit von letzterm beim P. überhaupt die Rede sein kann; beim Stutzflügel wird die Mensur der Kontra- und Kleinoktavsaiten sehr verkürzt, deshalb lassen vollkommene Bässe sich schwer herausbringen.

Als Grundlage des P. und aller Klavier-Saiteninstrumente ist das Monochord (s. d.) anzusehen. Aus ihm entstand das Polychord, bei dem statt einer mehrere Saiten über einen Monochordkasten gespannt waren; durch Ansatz einer Klaviatur stellte sich daraus das Klavichord (s. d.) her. Die Anbringung der Klaviatur fällt spätestens in das 15. Jahrh., denn im Anfang des 16. Jahrh, war das Klavichord bereits vollkommen ausgebildet. Neben dieses trat das Spinett (s. d.) mit seinen verschiedenen Formen, deren klangfähigstes und größtes, der spätere Kielflügel (s. Clavicembalo), bei allen öffentlichen Aufführungen zur Begleitung diente und so wesentlich war, daß der «Cembalist» eine unentbehrliche Person in jedem Orchester bildete. Die Erfindung des Pantaleon (s. d.) mag die erste Anregung gegeben haben, Hämmer statt der bisherigen Tangenten mit einer Klaviatur zu verbinden. Bartolommeo Cristofori (s. d.) war der erste, durch den 1711 das Modell zu einem Hammerklavier (Cembalo a martelletti) hergestellt wurde, das die Grundlage der meisten noch gegenwärtig gebräuchlichen Klaviermechanismen geblieben ist. Dieser Hammermechanismus hatte bereits doppelte Hebel, Auslösung und für jeden Ton einen freien Dämpfer (automatische Dämpfung). Fast gleichzeitig traten der Franzose Marius und der deutsche Organist Schröter mit selbständigen Modellen von Hammerklavieren hervor.

Die Geschichte der Erfindung des P. ist also noch nicht völlig klargestellt. Doch steht fest, daß die Ausbildung des Gedankens sowie die Verbreitung der Erfindung fast ausschließlich den Deutschen zu danken ist. Das Modell Cristoforis ward durch die Silbermanns (s. d.) in Straßburg, Freiberg i. S. und Dresden vervollkommnet und zur allgemeinen Geltung gebracht. In England verbreitete diese, später «englische» genannte Konstruktion (etwa 1770–80) besonders der Deutsche A. Backer. Daneben aber steht die sog. deutsche oder Wiener Mechanik, der ein ganz anderes Princip zu Grunde liegt und die mit jener italienischen nur das gemeinsam hat, daß sie auch den Hammer zur Anwendung bringt. Dieser verlieh Joh. Andreas Stein einen Grad von Vollkommenheit, der wenig mehr zu wünschen übrigließ. Eine Hauptursache der schnellen und außerordentlichen Verbreitung des P. seit 1800 liegt aber in der veränderten Richtung der Musik, zu welcher das alte Cembalo nicht mehr paßte. Das P. ist jetzt das eigentliche Weltinstrument, dessen massenhafte Herstellung in allen Ländern viele Tausende beschäftigt und die ^[Spaltenwechsel] großartigsten Werkstätten hervorgerufen hat. Deshalb fehlt es auch nicht an fortwährenden Versuchen, es zu verbessern (s. Klaviatur, Repetitionsmechanik und Prolongement). Den bedeutendsten Ruf im Pianofortebau haben sollende Firmen: Julius Blüthner in Leipzig, Schiedmayer in Stuttgart, Ibach u. Sohn in Barmen, Bechstein und Duysen in Berlin, Kaps in Dresden, Steinway u. Söhne in Neuyork, Broadwood u. Söhne in London, Pleyel und Erard in Paris, Seuffert und sein Nachfolger Ehrbar und Bösendorfer in Wien u. a. m. Namentlich die deutsche Pianofortefabrikation ist gegenwärtig in blühendem Zustande, hat fast in jeder größern Stadt bedeutende Vertreter aufzuweisen und steht auch im Export obenan, wie denn auch gerade die bedeutendsten Firmen des Auslandes von Deutschen gegründet worden sind: Broadwood von Tschudi & Kirckmann; Steinway von Steinweg aus Braunschweig; ebenso waren Herz, Pleyel, Erard (Erhard aus Straßburg) u. a. in Paris und London deutsche Auswanderer. 1893 betrug die Ausfuhr von P. (mit Einschluß der Flügel, Klaviere u. s. w.) aus Deutschland 73038 Doppelcentner im Werte von 17257000 M., davon gingen unter anderm 32118 Doppelcentner nach England, 6817 nach Australien, 2091 nach Kapland, 4621 nach Holland, 2052 nach Italien, 1715 nach Österreich-Ungarn, 1749 nach der Schweiz, 1338 nach Argentinien, 1431 nach Brasilien, 1141 nach Chile, 1331 nach Mexiko, 750 nach Ostindien und in kleinern Posten wohl nach jedem andern Lande der Erde. In demselben Jahre betrug die Ausfuhr aus Frankreich 6120 Stück im Werte von 3124200 Frs. In neuester Zeit werden auch, z. B. von P. Ehrlich in Leipzig, mechanische P. (Drehpianos) gebaut. Sie werden mittels Stiftwalzen oder Notenblätter mechanisch gespielt. (S. Musikinstrumente, mechanische.) Die reichste Sammlung zur Geschichte des Klaviers bietet das königl. Instrumentenmuseum in Berlin. (S. Musikinstrumente.) – Vgl. O. Paul, Geschichte des Klaviers (Lpz. 1867); Welcker von Gontershausen, Der Klavierbau (4. Aufl., Frankf. 1870); ders., Über den Bau der Saiteninstrumente (ebd. 1870); Blüthner und Gretschel, Lehrbuch des Pianofortebaues (Weim. 1872; 2. Aufl. 1886).

Piāno-Melodĭco, s. Musikinstrumente, mechanische.

Pianōsa, lat. Planasia, flache Insel, 12 km im SW. von Elba, zur Gemeinde Marciana im Kreis Porto Ferrajo der ital. Provinz Livorno gehörig, 6 km lang und fruchtbar, hat (1881) 774 E., meist Fischer, und Ruinen, dient als landwirtschaftliche Strafkolonie.

Pians, Hautkrankheit, s. Frambösie.

Piāren, s. Piaristen.

Piaristen oder Väter der frommen Schulen (lat. Patres piarum scholarum), in Polen Piaren, in Italien Scolopii, in Spanien Scolopios, die Mitglieder einer 1597 zu Rom von dem Spanier Jos. von Calasanza (Calasanctius, gest. 1648, heilig gesprochen 1767) gestifteten, 1621 von Gregor ⅩⅤ. als «Paulinische Genossenschaft der regulierten Kleriker der Armen unter dem Schutze der Mutter Gottes zu den frommen Schulen» bestätigten Genossenschaft. Die P. legen außer den drei gewöhnlichen Gelübden noch ein viertes ab, wodurch sie sich zum unentgeltlichen Jugendunterricht verpflichten. Sie leiten Volksschulen und namentlich Gymnasien. Ihre Verfassung und Tracht ist der