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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Plumbum - Plutarch
der auf der Haut, die er bleigrau färbt, Blasen zieht.
Sie treibt einen bis 60 cm hohen, mit lanzettför-
migen, am Rande scharfen Blättern besetzten Sten-
gel, der an den Enden seiner Äste schmächtige, am
Grunde von krautigen Deckblättern umhüllte Ähren
kleiner Mülen mit röhrigem Kelch und rötlicher
tellerförmiger Blumcnkrone trägt. Sie gilt wie an-
dere tropische Arten in ibrem Vaterlande für giftig.
Der Saft der I'. toxicai-ia Zeri/i. (Südafrika) dient
den Kaffern als Pfeilgift.
?windniu (lat.), Blei. Ofsizinell ift?. aceti-
cnm, Bleiacetat, und I'. ^ceticuni cruäniu, rohes
Vleiacetat.
?1uln-oa.ke (engl., spr. plömm kehk), Kuchen mit
großen (Sultans-) Rosinen (engt. Mini8).
I>1nniS2.u (frz., spr. plümoh), Federdeckbett.
Plumoslt, Mineral, s. Heteromorphit.
Plumplori, Affe, s. Lori.
Plumpuddmg, s. Pudding.
?1uinü1a. (lat., Federcken), in der Botanik
die Partien des Embryos im Samen, die von
den Keimblättern umhüllt sind und die Anlage des
Stengels nebst den ersten Blättern darstellen. Bei
manchen Samen (z. B. der Orchideen) ist eine ?. gar
nicht ausgebildet, bei andern dagegen, wie bei den
Bohnen, Erbsen u. a., bereits deutlich vorbanden.
Plünderung begeht nach ß. 129 des Deutschen
Militärstrafgefetzbuchs von 1872 derjenige, welcher
im Felde unter Benutzung des Kriegsscbreckens oder
unter Mißbrauch seiner militär. Überlegenheit
1) in der Absicht rechtswidriger Zueignung eine
Sache der Landeseinwohner ofsen wegnimmt oder
denselben abnötigt, oder 2) unbefugt Krieg^fchatzun-
gen oder Zwangslieferungen erhebt oder das Maß
der von ihm vorzunehmenden Requisitionen über-
schreitet, wenn dies des eigenen Vorteils wegen ge-
schieht. Als eine P. ist eo nach ß. 130 nicht anzu-
sehen, wenn die Aneignung nur auf Lebensmittel,
Heilmittel, Bckleidnngsgegenftände, Feuerungs-
mittel, Fourage oder Transportmittel sich erstreckt
und nickt außer Verhältnis zu dem vorhandenen
Bedürfnisse steht. Die P. wird nach Z. 131 mit
Gefängnis bis zu fünf Jahren und mit Versetzung
in die zweite Klasse des Soldatenstandes bestraft.
Wird die P. unter Gewaltthätigkeit gegen eine
Person begangen, so ist nach §. 133 auf Zuchthaus
bis zu zehn Jahren zu erkennen; wenn dabei der
Tod eines Menfchen verursacht worden ist, so tritt
Todesstrafe, in minder schweren Fällen lebensläng-
liches Zuchthaus ein. In gleicher Weise werden
die Rädelsführer bestraft, wenn die That von meh-
rern begangen wird. (S. auch Beute.)
Plungerkolben, f. Kolben (im Maschinenbau).
Plural (lat.), s. Numerus.
Viuralo ta.ntuin (lat., Mehrzahl llui-alia tan-
turn), ein Wort, das nnr in der Mehrzahl vorkommt
<z. V. Unkosten, Ferien, Leute).
I>Iui-ä1is in2^S8ta.tiorl3 (lat., auch rwi-aliZ
exckiiLiitiÄL), die Redeweise, wonach eine fürftl.
Person von sich in der Mehrzahl redet (Wir, an-
statt ich).
Pluralismus (nenlat.), das Vorhandensein
einer Mehrheit, besonders die Annahme, daß es
außer der Erde noch viele von vernunftbegabten
Wefen bevölkerte Welten giebt. ^heit.
Pluralität (neulat.), Mehrheit, Mehrzahl, Viel-
Pluralwahlsystem, eine Wahlrcchts^rdnung,
bei welcher ein einziger Wähler mehrere stimmen
haben iann. Fm solches System besteht teilweise in
England, da dort das Wahlgesetz die Wahlberech-
tigung in den Städten an einen gewissen Mctwert
einer Wohnung, in den Grafschaften an gewisse
Einkünfte von dem Boden knüpft, und jeder, der
in mehrern Städten eine Wohnung oder in mehrern
Grafschaften Landstücke besitzt, an mehrern Orten
Wähler sein kann; doch hat sich dagegen in der
lctztern Zeit vielfach Opposition erhoben. Mit einer
andern Art von P. ist in Belgien durch das Wahl-
gesetz vom 18. April 1893 ein Versuch gemacht worden.
Danack hat zunächst jeder Belgier über 25 Jahre
eine Stimme. Eine Stimme überdies (voto Lu^ie-
inontlnre) hat 1) jeder über 35 Jahre alte verheira-
tete Mann oder Witwer mit Kindern, welcher wenig-
stens 5 Frs. an direkten Steuern zu zahlen hat;
2) jeder wenigstens 25jährige, welcher entweder
Grundbesitz zu einem jährlichen Ertrag von wenig-
stens 140 Frs. und besteuert mit wenigstens 3,3" Frs.
hat, oder eine jährliche Rente von wenigstens 10l) Frs.
aus im Nationalschuldbuch oder in öffentlichen Spar-
kassen angelegten Kapitalien bezieht; 3) jeder wenig-
stens 25jährige, welcher entweder akademische oder
andere Prüfungen abgelegt hat, oder Inhaber ge-
wisser wichtiger Amter oder zugleich Grund- und
Kapitalbesitzernach obigem Maßstabe ist. Niemand
ahcr hat mehr als drei Stimmen. Jeder Wähler
bekommt so viele Stimmzettel, als er berechtigt ist,
Stimmen abzugehen.
Plurs,ehenlaliges Dorf in derSchwciz,s. Vergell.
Plus (lat., d.i. mehr), mathein. Ausdruck so-
wohl der Addition als der positiven Größen, im
Gegensatz zu Minus (s. d.). Das Zeichen für P. ist
ein stehendes Kreuz (-^).
Plüsch (frz. powclie), ein fammctartiges Gewebe,
dessen Haare bedeutend länger als die des Sammets,
aber türzer als die des Felhels sind. Man verfertigt
P. aus Seide, aus Baumwolle, aus Kammgarn und
Kämelgarn und benutzt ihn zu Möbelstoffen, Damen-
mänteln, Vefätzen,Tifcbdccken u. s. w. Der wollene
P. wird zuweilen gemustert, indem man durch Nieder-
drücken der Haare mittels heißer Walzen an einzel-
nen Stellen glänzende Flächen erzeugt oder besser,
unter Benutzung des Iacquardgetriebes, den Flor
nur innerhalb der Grenzen gewisser Figuren ent-
stehen läßt. Auch kommt ein beiderseitig behaartes
Gewebe unter dem Namen Doppelplüsch vor.
Die Hauptplätze sür die Herstellung sind in Deutsch-
land Krefeld, Bannen und Linden bei Hannover,
in Frankreich Lnon und die nördl. Provinzen, in
Österreich Brunn und Rcichenberg.
?1n8ia., Eckmetterlingsgattung, s. Metalleulen.
Pluönica (spr. plüschnitza), czech. Name des zur
Elbe gehenden Pölzen.
Plusquamperfektum (lat.), s. Tempus.
Plutarch, griech. Schriftsteller, geb. etwa 40 n.
Cbr. zu Chäronea in Vöotien, kehrte, nachdem er in
Athen unter Ammonins Philosophie studiert und
mehrere Reisen, namentlich nach Alerandria und
Rom, gemacht hatte, in seine Vaterstadt zurück, wo
er, abgesehen von wiederholten Reisen, bis zu seinem
Tode wohnen blieb. Er bekleidete dort das Amt eines
Archon und das eines Priesters und fungierte lange
Zeit hindurch regelmäßig bei der alle vier Jahre
wiederkehrenden Fcstseier des pythischen Apollon.
Die zablreicken Schriften P.s pflegt man in zwei
Klassen zu teilen, die Biographien und die sog.
"^loi'^iü". Die "^loi'üii:!" erstrecken sich auf die
verschiedensten Wissenschaften; neben Schriften aus
dem Gebiete der theoretischen und der praltychen