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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Polnische Sprache; Polnischer Bock; Polnischer Reichstag; Polnischer Thronfolgekrieg

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Polnischer Bock - Polnische Sprache

unternahm M. Wiszniewski (10 Bde., Krak. 1840-57, bis 1648 reichend), dann, für denselben Zeitraum, Maciejowski (3 Bde., Warsch. 1851-52). Neben diesen Quellenwerken sind zahlreiche Bearbeitungen von Bartoszewicz, Zdanowicz-Sowiński, Lemb. 1890) u. a. zu nennen. Die beste ist von Wł. Spasowicz (geschrieben russisch, für Pypin und Spasowicz, "Geschichte der slaw. Litteraturen", übersetzt ins Polnische, Deutsche und Französische); deutsche Werke sind von Lipnicki (Mainz 1873) und Nitschmann (Lpz. 1883). Litterarhistor. Monographien schrieben Kraszewski, Mecherzyński, Małecki, Spasowicz, Chmielowski, Tarnowski u. a., Skizzen und Studien Chmielowski, Nehring, Grabowski, Chlebowski, Bełcikowski u. a. Die hervorragendsten Kritiker sind in neuester Zeit Chmielowski, Bogusławski, Kaszewski u. a. Um die poln. Bibliographie machte sich K. Estreicher verdient.

In der Philosophie war Jos. Goluchowski (gest. 1858) ein Schüler Schellings; Hegelianer waren Cieszkowski, Libelt und Kremer, dann Trętowski. Unter den neuern sind Struve, Ochorowicz, Mahrburg u. a. zu nennen. Die polit. Litteratur, einst nur in der Emigration möglich und gepflegt, wird in neuester Zeit hauptsächlich von Galizien getragen; sie ist konservativ bei Szujski, Tarnowski u. a., fortschrittlich bei Romanowicz, Szczepanowski u. a. Centren wissenschaftlicher Thätigkeit sind in Krakau die Akademie der Wissenschaften (1872 aus der ältern Gesellschaft der Wissenschaften hervorgegangen), in Posen die Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften, dann die Universitäten in Krakau und Lemberg, die Historische Gesellschaft in Lemberg mit ihrer Vierteljahrsschrift u. a. Sammlungen hervorragender Werke der ältern Zeit sind: die "Biblioteka polska" (hg. von Turowski, 5 Serien, Sanok und Przemysl 1855-62), die "Biblijoteka pisarzów polskich" (hg. von der Krakauer Akademie, Krak. 1889 fg.); der neuern Zeit: die "Biblioteka pisarzy polskich" (Bd. 1-81, Lpz. 1861 fg.), die "Biblioteka polska" (Lemb. 1879 fg.), die "Biblioteka powszechna" (Warsch. 1871 fg.; Altes und Neues enthaltend). Die angesehensten Monatsschriften sind die "Biblioteka Warszawska" (seit 1841, redigiert von Wójcicki, Plebański, jetzt von Weyssenhoff und Bogusławski) und das "Ateneum" (Warschau, seit 1876, Herausgeber Spasowicz, Pawiński, Redacteur Chmielowski); "Przegląd polski" des Grafen Tarnowski (Krakau, seit 1867) u. a.; einen bibliogr. Führer giebt Wisłocki heraus (Krakau, seit 1876).

Die Volkslitteratur. Wie bei den übrigen Westslawen fehlt auch bei den Polen ein episches Volkslied (nach Art des serbischen oder russischen). Das Volk singt seit jeher lyrische Lieder (namentlich Vierzeiler, Krakowiaken, s. d.) und Romanzen oder Balladen, deren Motive oft entlehnt sind. Die Zahl der Sagen ist beschränkt, reich entwickelt dagegen Märchen, Rätsel und Sprichwort. Erst im 19. Jahrh. ist man zu Aufzeichnungen dieser Litteratur geschritten; Volkslieder aus Galizien sammelten Wacław z Oleska, Żegota Pauli, aus Schlesien Roger (1863), aus Posen Lipiński, sonst Wójcicki, Gloger u. a. (deutsche Übersetzungen von Winc. Pol, 1833, C. Wurzbach, 1846, Hoffmann von Fallersleben, 1865 u. a.). Märchen sammelten Wójcicki ("Klechdy", 1838), besonders Gliński ("Bajarz polski"), deutsche Übersetzungen von Lewestam (1839). Rätsel und Sprichwörter veröffentlichten Wójcicki, A. W. Darowski, C. Wurzbach; ein vollständiges Sprichwörterlexikon hat S. Adalberg (Warsch. 1894) vollendet. Sammlungen von Bräuchen, Sitten, Aberglauben u. dgl. sind von Gołębiowski ("Lud polski. Gry i zabawy", 1830) herausgegeben. (Vgl. Töppen, Aberglauben der Masuren, Masurische Sagen und Märchen, Danz. 1867.) Die reichste Thätigkeit auf diesem ganzen Gebiete entwickelte O. Kolberg ("Lud, jego zwyczaje, sposob życia, mowa" u. s. w., 20 Bde., Warsch. und Krak. 1857-92).

Polnischer Bock, mittelalterliche Strafe, s. Bock, polnischer; über den P. B. als Blasinstrument s. Dudelsack.

Polnischer Reichstag nennt man, nach der Unordnung und Leidenschaftlichkeit, mit der die Verhandlungen auf den Reichstagen in Polen geführt wurden, eine Versammlung, in der Unordnung und Streit herrscht und kein Beschluß zu stande kommt.

Polnischer Thronfolgekrieg von 1733 bis 1738. Der ehedem durch Karl XII. von Schweden in Polen eingesetzte, dann durch den Kurfürsten August II. von Sachsen wieder verdrängte Stanislaus Leszczynski suchte sich nach dem Tode des letztern 1. Febr. 1733, von Frankreich unterstützt, des poln. Throns wieder zu bemächtigen; Rußland und Österreich dagegen waren für die Wahl des Kurfürsten August III. von Sachsen. Der Krieg wurde in Deutschland und Italien mit geringer Energie geführt, bis ihm der zwischen Österreich und Frankreich geschlossene Wiener Präliminarfriede 30. Okt. 1735 ein Ende machte. Am 8. Nov. 1738 folgte der Definitivfriede. August III. wurde als König von Polen bestätigt. Stanislaus entsagte der poln. Krone und erhielt Lothringen, welches nach seinem Tode (1766) an Frankreich fallen sollte; für Lothringen erhielt der seitherige Herzog Franz das Großherzogtum Toscana, das 1737 durch Aussterben der Mediceer erledigt worden war.

Polnische Sprache, Glied der slaw. Sprachfamilie und zwar deren westl. Gruppe, zu der außerdem das ansgestorbene Polabische, das Czechische und das Sorbische (Lausitz-Wendische) gehören. Charakteristische Merkmale des Polnischen sind: Erhaltung der altslaw. Nasalvokale (ą, zu sprechen wie französisch on, und ę, wie französisch in), z. B. dąb Eiche, czechisch dub, pięć fünf, russisch pjat'; Erweichung, zumal des t, d zu ć, dź, ciebie dich, russisch tjebja, dzieło Werk, russisch dzeło; Betonung der Worte stets auf der vorletzten Silbe, ręka Hand, russisch ruká. Die Sprachgrenze des Polnischen bildet im Osten, gegen das Russische, eine Linie von Grodno am Niemen über Bjelostok und Brest nach Galizien; in Galizien herrscht auf dem Flachlande östlich des San das Kleinrussische überwiegend oder ausschließlich; die Südgrenze von Westgalizien, verlängert bis Ratibor in Schlesien, trennt das Polnische vom Slowakisch-Czechischen; im Westen trennt es eine Linie von Ratibor nach Birnbaum an der Warthe vom Deutschen, das jedoch in Ausbiegungen und Sprachinseln vielfach ins poln. Sprachgebiet eingreift; im Norden ist die Grenze gegen Deutsch und Litauisch eine Linie von Birnbaum über Bromberg, Graudenz, Allenstein, Rastenburg nach Suwalki. Dazu kommt eine Ausbiegung des Sprachgebietes in Westpreußen, links von der Weichsel bis zur Ostsee (s. auch Kassuben). Dialekte des Polnischen, abgesehen vom Kassubischen, sind der großpolnische