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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Portugiesische Litteratur
ind. Handel und Wandel: "Tratado dos diversos e desvairados caminhos por onde nos tempos passados a pimenta e especiaria veyo da India ás nossas partes, e assim de todos os descobrimentos" (Lissab. 1563); so erstattete Fernam Mendes Pinto (1509-80) Bericht über alles, was er in Indien, China und Japan erlebt und geschaut hatte in den "Peregrinaçoes" (Lissab. 1614 u. ö.). Auch die Könige des Entdeckungszeitalters fanden ihrer würdige Geschichtschreiber: Garcia de Resende hatte das Leben Johanns II. nach Ruy de Pina noch einmal bearbeitet ("Chronica de Dom Joam II", Coimbra 1798), und als Einleitung zu seinem Hauptwerke, dem "Leben Emanuels d. Gr." (3 Bde., Lissab. 1566 und Coimbra 1790), wurde dasselbe ein drittes Mal von Damião de Goes dargestellt ("Chronica de Dom Joam II", Lissab. 1567 u. 1724). Francisco de Andrada widmet Johann III. vier behaglich breit geschriebene Bände (ebd. 1613) und Frei Bernardo da Cruz schildert das Leben König Sebastians.
Zahlreiche Neubearbeitungen der alten Geschichtswerke erschienen, unter denen die "Königschroniken" des Duarte Nunes de Leão die nennenswertesten sind. Und gegen Ende des Jahrhunderts, gerade unter dem. Drucke der Fremdherrschaft, machte sich auch das Bedürfnis nach einer Gesamtgeschichte des Vaterlandes geltend. Das Hauptwerk dieser Art ist die von Frei Bernardo de Brito (gest. 1617) begonnene "Monarchia Lusitana" (1. Bd. 1597; 2. Bd. 1600; Neuausg. in 8 Bon., Lissab. 1806); doch behandeln die ersten zwei Teile, die einzigen, die er vollendete, eigentlich nur Portugals halb mythische Vorgeschichte bis zur Gründung des Staatswesens. Treffliche Fortsetzungen lieferten andere Alcobacenser Mönche: Frei Antonio Brandão (1609) und sein Neffe Frei Francisco Brandão (1632), Raphael de Jesus (1683) und Manuel dos Santos (1727), die jedoch auch nur bis zum Beginn der afrik. Großthaten gelangten (1415). Ein summarisches, doch vollständiges Bild der portug. Geschichte gab Faria e Sousa in seinem "Epitome" (Madr. 1624 u. ö.), und in ausführlicher Form in vier selbständigen Werken, die er "Europa Portuguesa", "Asia Portuguesa", "Africa Portuguesa", "America Portuguesa" betitelte, aber in span. Sprache schrieb. Einzelepisoden stellt kraftvoll der wie Faria e Sousa mehr zur span. Litteraturgeschichte gehörige Francisco Manoel de Mello in seinen "Epanaphoras" dar. Zu den gefeiertsten Prosaisten gehörte Frei Luiz de Sousa (gest. 1632) durch drei Meisterwerke: eine vorzügliche Chronik des Dominikanerordens, die Lebensbeschreibung des Erzbischofs Bartholomé dos Martyres und die unvollendet gebliebenen "Annaes de Dom João III". Auch Jacinto Freire de Andrade (gest. 1657), der das Leben des Dom João de Castro, vierten Vicekönigs von Indien, behandelt hat, galt lange als klassischer Stilist. Ein wirklich bedeutender Kopf und der größte Redner der Portugiesen ist der Jesuitenpater Antonio Vieira (1608-97). Dieser Missionar brachte den größten Teil seines Lebens im portug. Amerika zu, verteidigte nach seiner Rückkehr am Hofe Johanns IV. und in Rom mit all dem Feuer seiner Beredsamkeit die Menschenrechte der Eingeborenen gegen die Habsucht der Eroberer und nahm sich mit großer Wärme der Juden an. Seine Predigten und Reden (16 Bde., Lissab. 1679-1754) sind die originellsten Proben der Kanzelberedsamkeit in portug. Sprache. Nur einer kann es mit ihm aufnehmen: Padre Dr. Manuel Bernardes (1644-1710), der außer seinen "Sermões e Praticas" (Lissab. 1771) die Erbauungswerke "Luz e calor" (ebd. 1696) und die beliebte "Floresta de apophtegmas" (5 Bde., 1706-28) schrieb. Aus dem Gebiete der Epistolographie ragen drei Werke als echt nationale Schöpfungen hervor: die Briefe Vieiras ("Cartas", 4 Bde.); die nicht für die Öffentlichkeit bestimmten, im Sturm einer übermächtigen Leidenschaft geschriebenen fünf "Cartas de Sorot Marianna", und die nach Hunderten zählenden "Cartas familares" von Francisco Manoel de Mello (Rom 1664). Demselben genialen Polyhistor verdankt man einen kulturhistorisch bedeutsamen Ehespiegel: "Carta de guia de casados" (1650, 1873), und witzige, an Quevedos "Sueños" erinnernde satir. "Dialogos apologaes".
IV. Periode. Diese wird auch in der portug. Nationallitteratur durch den Einfluß gekennzeichnet, den zu Anfang des 18. Jahrh. die franz.-klassische Schule auf alle Litteraturen der europ. Kulturländer mehr oder minder zu üben begann; allein hier trat diese Evolution so widerstandslos, so bloß äußerlich ein, daß sie mehr ein Vertauschen der geschmacklos gewordenen peninsularen Formen und besonders des zuletzt allmächtigen Gongorismus mit den neufashionablen franz. Moden war. Hier reichte es hin, daß ein hochgestellter Mann, aber mittelmäßiger Dichter, Franz Xavier de Meneses, Graf von Ericeira, den Impuls gab und, nicht zufrieden, Boileaus "Art poétique" in portug. Verse zu übertragen, auch noch die nüchterne Lehre durch ein ebenso poesieloses Beispiel, seine "Henriqueida" (Lissab. 1741), eine langatmige, langweilige Epopöe auf die Stiftung der portug. Monarchie durch Heinrich von Burgund, zu bethätigen suchte. Ebenso wurde nach dem Muster der Französischen Akademie 1721 eine Academia real da historia portugueza gestiftet, die jedoch ohne Einfluß auf die schöngeistige Entwicklung blieb. Unendlich viel mehr wirkte ein der röm. Dichtergesellschaft der Arkadier nachgebildeter gleichnamiger Verein von etwa dreißig talentvollen aufstrebenden jungen portug. Dichtern, die mit der klassisch-franz. Eleganz und Korrektheit die Nachahmung der einheimischen Muster des 16. Jahrh., wenigstens in Hinsicht auf Sprachreinheit, zu verbinden suchten. Durch den "aufgeklärten Despotismus" des Marquis von Pombal wurden auch die Schranken des Obskurantismus gebrochen. Doch wurde gerade eins der ausgezeichnetsten Mitglieder der portug. Arkadia, Pedro Antonio Correa Garcão, ein Opfer von Pombals Despotismus, der ihn im Kerker schmachten ließ. Er ahmte mit feinem Takt die Alten, besonders den Horaz nach, und wird wegen seiner Glätte und Gefeiltheit der portug. Horaz genannt; auch das Theater suchte er durch kleine Lustspiele in der Manier des Terenz zu reformieren ("Obras poeticas", Lissab. 1778 und Rom 1888). Ein anderer Arkadier, Antonio Diniz da Cruz e Silva, ist weniger korrekt, hat aber mehr Feuer und Schwung; sein Seitenstück zu Boileaus "Lutrin", "O hyssope" ("Der Sprengwedel"), wird für das beste der vielen heroisch-komischen Gedichte der Portugiesen gehalten ("Obras", Lissab. 1809). Domingos dos Reis Quita (1726-70) hat sich ungleich mehr nach vaterländischen Mustern gebildet und daher vorzugsweise die bukolische Dichtungsgattung kultiviert, in der er für den besten unter