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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Postwesen
gen werden drei Monate aufbewahrt. Wertbriefe
lvg.101-68 äsclllraäo") sind bis 200 Milre'is zulässig,
müssen aber offen am Schalter aufgeliefert und fran-
kiert werden; die Tare setzt sich zusammen aus dein
Porto für einen gleichschweren gewohnlichen Brief,
der Einschreibgebühr und der Versicherungsgebühr
von 200 Reis bis 10 Milre'is und 100 Reis mehr
für jede weitere 5 Milre'is. Neuerdings ist auch ein
Nertpaketdienst (encoinniLuciNg i'6Fi8ti-Ääa8 coin
v^oi- äeciln-Häo) eingerichtet. Die Postanweisungen
zerfallen in solche, welche auf einen bestimmten Em-
pfänger (vlUs8 n0ininH68) und in folche, die auf den
Inhaber lauten (val68 ao poi-wäor); der Höchst-
betrag ist festgesetzt bei jenen auf 200, 500 und 1000
Milre'is und bei den letztern auf 50, 100 und 200
Milre'is je nach der Größe des Bestimmungsortes.
Tclegr. Postanweisungen auf einen bestimmten Em-
pfänger sind zulässig.
Auch die übrigen Staaten inSüd - und Mittel-
amerika, wie Argentinien, Paraguay, Uruguay,
Peru, Chile, Bolivia, Columbia, Honduras, Salva-
dor, Haiti, Guatemala, Costa-Nica, Santo Domingo
u. s. w., haben durch den Zutritt zum Weltpostverein
eine recht erhebliche Verkehrssteigerung erfahren.
In Afrika haben nur Ägypten (Algerien hat
franz. Vevwalwng), Tunis, Kapland, Südafrika-
nische Republik (Transvaal), Oranje - Freistaat,
Natal mit Zululand und der Kongostaat ein ge-
ordnetes P. In den deutschen Schutzgebieten sind
deutsche Postanstalten, großenteils mit Telegraphen-
betrieb, im Kamerungebiet: Vibundi, Groß-Batanga,
Kamerun, Klein-Vatanga, Victoria; im Togogebict:
Klein-Popo, Lome; in Ostasrika: Vagamojo, Dar
es-Salaam, Kilwa, Lindi, Pangani, Saadani, Tanga
und in Südwestafrika in Windhoek eingerichtet. Die
Abfertigung der nach dem Innern von Ostafrika
gehenden und von daher kommenden Posten hat
vom 1. Jan. 1894 ab das kaiserl. deutsche Postamt
in Dar es-Salaam zu besorgen. Zur Versendung
gelangen zur Zeit nur Briefe, Zeitungen und ge-
wöhnliche Pakete bis 5 kss.
Die Entwicklung des Postverkehrs in Ägypten
(mit Nubien 1885 854 hkin, 6 817 265 E. und nach
dem Geschäftsbericht von 1892 überhaupt 581 Post-
anstalten) hat in neuerer Zeit einen recht gedeihlichen
Aufschwung genommen; in 170 Orten ist ein regel-
mäßiger Landbestelldienst bereits eingerichtet und
in Aussicht genommen, so daß binnen kurzem die Be-
wohner auch des kleinsten Dorfs regelmäßig Briefe
empfangen und absenden können.
Kap land besitzt ein geregeltes P.,hatsich aberdem
Weltpostverein noch nicht angeschlossen, ebenso ge-
hören dem Weltpostverein noch nicht an Vetschuana-
land und Oranje-Freistaat, wogegen die Südafrika-
nische Republik (Transvaal) sich demselben ange-
schlossen hat, 123 Post- und 35 Telegraphenanstalten
besitzt und Fernsprecheinrichtungen in der Haupt-
stadt Pretoria sowie in Johannisburg bestehen.
In Australien bilden die 7 brit. Kolonien Vic-
toria mit 1671 Postanstalten, Neusüdwales mit
1338, Südaustralien mit 609, Queensland mit 892,
Westaustralicn mit 150, Tasmania (Vandiemens-
land) mit 315 und Neuseeland mit 1185 Postanstal-
ten den "Australischen Postverein", welcher regel-
mäßig jährlich Post- und Telegraphenkonferenzen
abhält und eine Erleichterung des internationalen
Verkehrs durch gemeine Verkehrseinrichtungen und
gleichmäßige Taxen bezweckt. Dieser Verein ist
25. Mai 1891 auf dem Wiener Postkongreß dem
' Weltpostverein beigetreten, gleichzeitig sind dem-
selben auch die Fidschi-Inseln und Britisch-Neu-
guinea angeschlossen worden. Im deutschen Schutz-
gebiet Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelms-Land,
^ Bismarck-Archipel und Salomon-Inseln) befinden
sich Postanstalten in Friedrich-Wilhelms-Hafen, Ia-
luit, Herbertsböhe, Stephansort. Auf den Cook-
^ und Tonga-Inseln sowie auf der Insel Norfolk be-
! stehen eigene geordnete PostVerwaltungen, haben
sich aber dem Weltpostverein noch nicht angeschlossen.
Asien endlich hat in Persien mit 4 Direktions-
bezirken, in Vritisch-Indien mit 14 Postbezirken und
9843 Postanstalten (1892) und auf Ceylon, in Siam,
Niederländisch-Indien, auf den Philippinen, Hong-
kong, Japan mit 14 Bezirksdirektionen gut ent-
wickelte Posteinrichtungen.
In Siam ist das P. durch einen deutschen Be-
amten vollständig auf modernem Fuß eingerichtet
! und bereits 1. Juli 1885 dem Weltpostverein bei-
' getreten. Am Schluß des Rechnungsjahres 1890-91
. bestanden 102 Postanstalten mit 121 Beamten und
! 228 Unterbeamten und waren 227 Briefküsten (103
! allein in Bangkok) vorhanden. Die Zahl der be-
! förderten Briessendungen betrug 310 500 Stück;
Verkehrsbeziehungen bestehen hauptsächlich zwischen
Siam und den Straits-Settlemcnts (Malaka, Pi-
nang, Singapur, Provinz Wellesley), Großbritan-
nien, China, Deutschland, den Vereinigten Staaten
von Amerika und Frankreich.
China hatte schon in den ältesten Zeiten (1000
v. Chr.) einen regelmäßigen Kurierdienst (s. oben), der
im wesentlichen noch beute besteht. Außerdem sind
zur Beförderung von Postsachen, auch Privatbriefcn,
zwischen den Seehäfen im Norden des Reichs, der
! Mitte und dem Innern Zoll-Kurierposten
(0U8t0M8 86rvic0) eingerichtet. Jeder Kurier nimmt
zwei Postpakete mit engl. und chmes. Aufschrift mit.
Der Kurier bedient sich in der Regel eines Maul-
tiers, über dessen Sattel die Briefpakete herab-
< hängen. Es wird in neuester Zeit beabsichtigt, eine
! Reform des chinesischen P. durchzuführen und zu
diesem Zweck in jeder Provinzialhauptstadt einen
fremden (europ.) Postdirektor und in jeder Präfek-
turstadt ebenfalls einen fremden Beamten anzu-
stellen. Chinesische, der engl. Sprache mächtige Ge-
hilfen werden ihnen zur Seite stehen. Die verän-
derten Einrichtungen werden zunächst in den Ver-
! tragshäfen und in den an der Küste sowie am
Iang-tse-kiang belegenen Häfen zur Einführung ge-
langen, worauf das Innere des Landes der Reform
teilhaftig werden foll.
Die Postverwalwng in Japan (382416 qkm
und 40,? Mill. E.), vereinigt mit der Verwaltung
! der Telegraphen, der Leuchttürme und der Handels-
marine, bildet das kaiserl. Verkehrsministerium
(lei-Zcuiii'Zclw) in Tokio. Diesem sind 14 Vczirks-
^ direktorcn unterstellt, die ihrerseits den Postanstalten
! ihrer Bezirke vorgesetzt sind, dieselben zerfallen in
! drei Klassen; die der beiden ersten Klassen nehmen
^ an allen bestehenden Dienstzweigen teil, während
die Postanstalten dritter Klasse sich nur mit der An-
nahme und Ausgabe von Briesscndungen befassen.
Dem Weltpostverein hat sich Japan seit 1877 an-
geschlossen; Japan besitzt das Monopol der Be-
förderung von Briefen jeder Art; der Postanwei-
sungsdienst ist eingcfübrt, jedoch sind tclegr. Post-
anweisungen nicht zugelassen. Ein Wertbrief-, Post-
! auftrags- und Patetpostdienst ist in Japan noch
, nicht eingerichtet.